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Alt 07.11.2018, 15:10
Maika Maika ist offline
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Registriert seit: 07.11.2018
Beiträge: 1
Standard Kleine Geburt - meine Geschichte

Hallo,

auch ich möchte gern meine Geschichte hier teilen, um den Frauen, denen es wie mir ergangen ist, zu Helfen.
Also kurz zu mir. Ich bin 34 Jahre alt und lebe in einer festen Partnerschaft. Seit vier Jahren vervollständigt uns unser süßer kleiner aufgeweckter Sonnenschein. Die Schwangerschaft vor 4 Jahren lief ohne Komplikationen und auch die Geburt verlief sehr schnell und einfach.
Ein zweites Kind stand bei uns nie so richtig auf dem Plan. Das haben wir immer dem Schicksal überlassen. Unser erstes Kind war auch nicht geplant und eine riesen Überraschung.


Nun stellte sich Anfang Oktober meine Periode nicht ein und auf die kann ich mich immer wie ein Schweizeruhrwerk verlassen. Ich fühlte mich schon etwas komisch und wir beschlossen nach ca. einer Woche einen Test zu machen. Gesagt getan und das Ergebnis am 09. Oktober war natürlich positiv. Wir freuten uns sehr, denn jetzt käme noch das „i-Tüpfelchen“ zu unserer kleinen Familie dazu. Anders als in der ersten Schwangerschaft hatte ich jetzt stärkere Anzeichen: extreme Brustempfindlichkeit,- spannen, Übelkeit und diese wahnsinnige Müdigkeit. Außerdem auch eine unreine Haut und mein Bauch hatte auch viel Bewegung…



Einen Tag nach dem Test rief ich direkt bei meinem FA an und machte einen Termin. Der letzte Tag meiner Periode war der 05.09. somit war ich in der 6. SSW (5+0). Einen Termin bekam ich für den 24.10. dann wäre ich genau 7+0. Die nächsten Tage waren voller heimlicher Vorfreude und auch ein bisschen Angst, wie das wohl dann mit zwei Kindern ist.



Dann kam der Termin. Ich war völlig aufgeregt und dem entsprechend mit Blutdruck auch sehr hoch. Meine FA wie immer sehr nett und Schwups lag ich zum Ultraschall auf dem Stuhl. Sie musste etwas suchen und sagte dann, für die 8. SSW wäre es wohl sehr klein und würde mich eher 1,5 Wochen zurückstufen. Ein Herzschlag war auf jeden Fall deutlich zu erkennen, aber die Unsicherheit sehr groß. Sie wollte mich in 2 Wochen noch einmal sehen. Das wäre dann der 07.11. gewesen und ich in der 10. SSW. Da ich durch eine Gerinnungsstörung während der Schwangerschaft Heparin spritzen muss, fing ich sofort damit an.


Jetzt begann ein paar sehr unsichere Tage mit wahnsinnig vielen google-Anfragen von mir zu der Größe von Embryos in der 8. SSW. Lt. Ultraschall war die SSL des Minimi 1,5 mm. Die Norm liegt bei 9,0 mm (7+0). Ich fand dann eine sehr interessante Seite (http://www.dr-schmid-berlin.de/ultra...hstumstabelle/) die mich beruhigte. Am Samstag den 27.10. setzen bei mir ganz leichte Schmierblutungen ein, wirklich nur minimal. Ich beschloss, sollte es stärker werden, mich nochmal bei meinem FA vorzustellen. Am 30.10. tat ich das dann auch. Ich hatte dann auch schon ein sehr merkwürdiges Gefühl, war aber immer noch unsicher und das machte mich fertig.


Der Ultraschall zeigt meinen nicht großartig gewachsenen Minimi mit einem sehr schwachen Herzschlag. Ohne das die FA etwas sagen musste war es für mich ab dem Zeitpunkt eigentlich klar, was passieren sollte. Die FA war sehr verhalten und ich sehr gefasst. Sie sagte mir dann, dass dies leider nicht nach einer intakten Schwangerschaft aussehe und gab mir zwecks des bevorstehenden Feiertages und des Wochenendes einen Überweisungsschein ins Krankenhaus. Alternativ würde sie mich am kommenden Freitag (02.11.) noch einmal anschauen. Sie fragte mich noch, ob ich eine Krankschreibung haben wöllte. Das verneinte ich. Mir ging es ja prinzipiell gut und daheim rumsitzen und grübeln bringt bei mir gar nichts. Wir verabschiedeten uns und ich ging aus der Praxis in mein Auto und rief meinen Freund an. Da musste plötzlich alles raus. Ich erzählte unter bitteren Tränen, dass das „i-Tüpfelchen“ zu schwach ist und die Schwangerschaft zu Ende geht.



Nach dem die Tränen und das Schluchzen vorbei war, war es für mich wie ein Befreiungsschlag aus der Unsicherheit heraus. Ich begann rational zu denken. Es war einfach irgendwas mit meinem kleinen Minimi nicht in Ordnung. Es ist gut, dass es jetzt so ist und nicht in ein paar Wochen, wenn ich ihn gespürt hätte oder gesehen hätte, wie er in meinem Bauch Purzelbäume schlägt oder noch später. Es ist wie es ist und auch aus der Erfahrung nehme ich etwas mit.



Ich bin dann auf Arbeit gefahren und auf der Toilette ging dann auch gleich ein erster Schluck helles Blut ab. Ich begann jetzt nach zu denken, wie es weiter geht. Eine Ausschabung war für mich so weit weg, dass ich dies nur größten Notfall durchführen lassen wollte. Ich begann mich im Internet schlau zu machen, was es noch für Möglichkeiten gäbe und mir war klar, dass ich auf jeden Fall eine natürliche kleine Geburt wollte. Ich wollte dies aber auch gern noch mit meinem FA besprechen und mir seine Meinung dazu einholen. Die Schmierblutung wurde die nächsten Tage schon etwas mehr und am Freitag den 02.11. schaute ich nochmal bei meinem FA rein. Er untersuchte mich nochmal und beim Ultraschall war kein Herzschlag mehr zu sehen. Mein kleines Minimi war gestorben. Die Fruchthülle hatte sich auch bereits verändert.


Ich erklärte jetzt meinem FA was ich vor hatte und er stimmte dem zu und belehrte mich nur, in welchen Fällen ich umgehend ins Krankenhaus sollte. Den Termin für den 07.11. strichen wir. Ich solle einfach vorbeikommen, wenn die Blutungen weniger geworden sind, damit wir die Nachkontrolle machen könnte. Ich war so froh, dass für mich der Abschied auf diesem Wege möglich sein würde.



Meine Schwangerschaftssymptome wurden in der ganzen Zeit immer weniger. Erst war die Übelkeit weg, dann das Brustspannen und die Müdigkeit. Einzig die Brustwaren waren noch länger empfindlich.


Die Schmierblutung wurde jetzt auch noch stärker. Am Samstag den 03.11. ruhte ich mich vormittags aus und nachmittags war ich mit meinem Sonnenschein spazieren. Am Abend fühlte ich mich unruhig. Es ging beim Toilettengang jetzt auch immer mehr blutiger Schleim ab. Gegen 22:30 Uhr hatte ich dann Wehen ähnliches Ziehen in der Leisten- und Rückengegend mit einem starken Druck nach unten. Ich beschloss mich auf Toilette mit einem Glas Wasser zu begeben. Ich trank erstmal ein ganzes Glas oder 2. Das ziehen im Unterleib wurde stärker und mit jeder Wehe kam Blut und größere Gewebestücke sowie Schleim. Das Ganze zog sich bis ca. 0:30. Während der ganzen Zeit habe ich sehr viel getrunken. Ich hatte in einem Beitrag gelesen, dass durch das Urinlassen die Gebärmutter stimuliert wird. Mir hat es auf jeden Fall geholfen und es war alles auszuhalten. Auch die Blutmenge war vertretbar. Ich habe mich auch zu keiner Zeit schlapp oder schwindelig gefühlt.



Ein leichtes Ziehen hatte ich danach im Bauch. Mein Freund machte mir noch ein Wärmkissen fertig und ich verkroch mich unter meine Decke und schlief ein. Am nächsten Morgen hatte ich noch ein stärkeres Ziehen im Unterbauch und fühlte mich nicht etwas schlapp. Die Blutungen waren auszuhalten. Es ging mehr blutiger Schleim und kleine Gewebestücke ab. Am Nachmittag ging es mir schon besser und ich machte mit meinem Sonnenschein einen kleinen Spaziergang. Die nächsten Tage blutete ich mal mehr mal weniger. Abends meist mehr. Teilweise zwickte es mal mehr oder weniger im Unterleib. Am Dienstagabend den 06.11. hatte ich dann plötzlich wieder Wehen ähnliche Schmerzen vom Rücken, Unterbauch bis in die Oberschenkel. Das hatte mich verunsichert, da nicht viel Blut mit abging. Nach ca. 1,5 Stunden, war dies allerdings vorbei. Am nächsten Morgen gegen 5:15 Uhr das Gleiche. Sobald mein Sonnenschein allerdings wach wurde, ging es mir besser. Ich beschloss heute keine großen Aktivitäten zu machen. Nachdem ich vom Kindergarten zurückkam, kam nochmal ein größeres Gewebestück auf der Toilette mit raus. Ich werde die nächsten Tage bei meiner FA vorbeischauen und eine Nachkontrolle machen. Ich hoffe es ist alles abgegangen und mein Körper erholt sich bald. Was mir nach der kleinen Geburt gutgetan hat, war Frauenmanteltee und Kamillentee.


Mein kleiner wundervoller Sonnenschein tröstet mich über diesen Verlust. Meine Geschichte klingt vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas abgeklärt. Es ist meine Art damit umzugehen und auch damit abzuschließen. Für uns spielt eine weitere Schwangerschaft erstmal keine Rolle. Diese ganze Ungewissheit, das Grübeln hat mich emotional sehr fertig gemacht.



Ich wünsche unserem kleinen Sternenkind eine kuschelige Wolke und wenn die Sonne am Morgen uns beim Frühstück kitzelt, werde ich immer in Gedanken bei ihm sein.
_______
Es ist jetzt alles sehr lang geworden. Mir hat es sehr geholfen, derartige Berichte zu lesen und damit das Gefühl bekommen nicht allein mit so einer Situation zu sein.
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  #2  
Alt 08.11.2018, 21:53
Katharina1979 Katharina1979 ist offline
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Registriert seit: 19.09.2016
Ort: Hessen
Beiträge: 189
Standard Liebe Maika

Liebe Maika,


puh, ich bin wirklich wahnsinnig beeindruckt von Deinem Bericht! Danke, ich finde es so toll, dass Du in dieser schwierigen Situation an andere Frauen in ähnlichen Situationen denkst und Deine Erfahrung teilst.



Es tut mir sehr leid, das Eurer kleines Kind nicht bei Euch bleiben konnte und ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft für die nächsten wochen und Deinem Körper eine gute Genesung. Lass doch gerne noch einmal hören, wie es Dir weiter ergangen ist.



Aus Deinen Zeilen lese ich eher eine sehr beeindruckende Stärke heraus, ganz bestimmt keine Abgeklärtheit! Pass gut auf Dich auf,


Alles Liebe, K
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Stichworte
fehlgeburt, frühschwangerschaft, kleine geburt, sternenkind

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