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  #1  
Alt 19.12.2016, 18:33
nina030 nina030 ist offline
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Standard Noch ein Sternenkind - Amelie 14. SSW

Wir mussten unseren Dave 2005 in der 22. SSW völlig überraschend gehen lassen. Nachdem ein Jahr später unser Kjell als Frühchen auf die Welt kam, stellte sich heraus, dass ich wohl eine Gebärmutterhalsschwäche habe und es deshalb passiert ist.
Viel Zeit ist vergangen, aber der Wunsch nach einem weiteren Kind blieb. Und im 2. ÜZ klappte es direkt und ich hielt Ende September 2016 einen positiven SS-Test in den Händen. Meine FÄ hatte mir schon immer einen „Frühen Totalen Muttermundverschluss“ versprochen, damit diese Schwangerschaft möglichst lange dauert. Ein Vorgespräch hatte ich bereits, die OP zum FTMV war für den 6.12. geplant.


Die ersten Wochen verliefen gut. Klar, mir war mal übel, ich hatte Kreislaufprobleme und Schlafstörungen. Aber nichts Dramatisches. Schon etwa ab der 10. SSW musste ich Umstandsjeans tragen und hatte schon eine richtige kleine Babykugel. Meine Chefs nahmen die Aussicht auf ein Beschäftigungsverbot nach der OP sehr gelassen und alle freuten sich mit mir.


In der 12. SSW machte die FÄ den ersten großen Ultraschall. Sie meinte, die Nackenfalte wäre mit 2,8 mm etwas auffällig, aber ihr US-Gerät wäre auch nicht so gut und ich würde ja ohnehin zur Nackenfaltenmessung gehen. Okay, ein bisschen Sorgen machten wir uns, aber nicht wirklich große.
Ich ging schon mal zur Blutabnahme für das Ersttrimester-Screening (Nackenfaltenmessung).

Am 28.11.2016 (14. SSW), hatten wir dann die Nackenfaltenmessung. Nach kurzem Vorgespräch ging es zum Ultraschall. Die Welt stand plötzlich still. Im Nachhinein würde ich sagen, selbst wir als Eltern sahen sofort, dass da was nicht stimmt. Ist das alles die Nackenfalte da oben? Und warum zieht sich die dunkle Stelle den ganzen Rücken entlang? Und ist da auch was am Bauch? Der Arzt schallte nicht lange, er erklärte uns, dass die Haut des Babys sich abhebt und da überall Wasser ist. Die Nackenfalte war fast 6 mm dick! Er meinte, wir besprechen das mal in Ruhe…


Zusammen mit den Blutergebnissen betrug das Risiko für Trisomie 21 1:2!! Laut Arzt sei es sehr wahrscheinlich, dass bei unserem Kind eine Chromosomenstörung vorliegt. Ich bin mit 37 zwar schon im Risikobereich, aber das ist echt krass. Er empfahl eine baldige Chorionzottenbiopsie. Nach einiger Überlegungszeit kehrte ich 2 Stunden in die Praxis zurück und ließ es gleich machen.
Mit meinem Mann sprach ich über mögliche Diagnosen und Entscheidungen. Ich googlete viel. Es gibt auch Kinder, bei denen sich das Wasser zurückbildet. Aber nur, wenn keine Chromosomenstörung vorliegt..


Zwei Tage später, Mi 30.11., wurde der schlimme Verdacht bestätigt: Trisomie 21! Aufgrund des Befundes sei ebenso von schweren Organschäden und einem Herzfehler auszugehen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass das Baby die Schwangerschaft nicht überleben wird. Wir teilten dem Arzt mit, dass wir uns schon einig sind, was eine Entscheidung angeht: Wir werden diese Schwangerschaft schweren Herzens abbrechen. Unser Kind soll nicht leiden.


Zu Hause wartete eine nächste, sehr schwere Hürde auf uns: Der große Bruder wusste seit der 8. SSW, dass er endlich das ersehnte Geschwisterchen bekommt. – Wir mussten ihm mitteilen, dass das Baby sehr krank ist und nicht leben kann und dass Mama es in der nächsten Woche im KH bekommen müsse. Er weinte so herzzerreißend… Er durfte zwei Tage zu Hause bleiben und bei mir schlafen. Als er mich abends mit großen Augen fragte „Mama, warst Du vor mir schon mal schwanger, ist das schon mal passiert“, tja, da konnte ich auch nicht mehr verheimlichen, dass er bereits einen Sternenbruder hat. Wir haben bei unserem sensiblen Kjell (der wegen einer Angststörung ohnehin im Januar in eine Psychotherapie geht) bisher darauf verzichtet, ihm von Dave zu erzählen. Aber nun bin ich schon erleichtert, dass er von ihm weiß. Am nächsten Tag zündeten wir auch zwei Kerzen an.


Am 5.12. hatte ich eine Voruntersuchung im Krankenhaus. Beim Ultraschall sah ich selbst auch schnell, dass da kein Herzschlag mehr war… Das Baby war schon zu den Sternen gegangen. Die Wassersansammlungen hatten sich noch sehr vergrößert, die Nackenfalte war über 12 mm! Das Baby war auch innerhalb der letzten Woche nicht mehr gewachsen. Im ersten Moment erleichterte mich dies, denn so musste ICH diese Schwangerschaft nicht abbrechen, nicht über Leben oder Tod entscheiden. Am 6.12. wurde die Ausschabung gemacht. Alles in allem war die Betreuung im KH nicht wirklich gut, aber ich war einfach nur froh, am Nachmittag wieder nach Hause zu können.



Letzte Woche haben wir dann noch das Ergebnis der Geschlechtsbestimmung aus der Plazentabiopsie erfahren: Das von unserer ganzen Familie so erhoffte Mädchen – unsere Amelie!


Nun bin ich immer noch krankgeschrieben, kann mir eine Rückkehr in den Bürojob so schwer vorstellen. Ich wäre ohnehin jetzt im Beschäftigungsverbot, hatte mit diesem Job abgeschlossen. Meine FÄ verspricht mir eine Krankschreibung so lange ich sie brauche… Dann ist da die innere Stimme „Was denken die anderen? Die denken bestimmt, die soll sich nicht so anstellen..“
Ich bin 37, die Uhr tickt und ich möchte unbedingt noch ein Baby. Die Ängste werden sicher nicht weniger werden. Die Wahrscheinlichkeit für eine Wiederholung ist nicht größer als bei anderen Frauen in meinem Alter. Aber leicht wird es nicht. Ich möchte aber in wenigen Monaten wieder schwanger werden.



Was mir sehr zu schaffen macht: Die Tatsache, dass ich die Schwangerschaft beendet HÄTTE. Ja, es war nicht nötig, weil Amelie schon zu ihrem Sternenbruder gegangen ist. Ich stelle nicht unsere Entscheidung infrage, aber es erschreckt mich so, dass ich das wirklich getan HÄTTE.


Ich konnte erst einmal so richtig weinen, bin immer noch wie gelähmt.
Sorry, das ist nun echt lang geworden…

Liebe Grüße
Nina

mit Sternenkindern Dave (13.09.2005/22. SSW) und Amelie (05.12.2016/14. SSW) und Erdenkind Kjell (*09.07.2006/29. SSW)
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  #2  
Alt 19.12.2016, 21:37
Katharina1979 Katharina1979 ist offline
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Beiträge: 188
Standard Liebe Nina

Liebe Nina,

ein trauriges Willkommen hier im Forum.
Es tut mir sehr leid, was Ihr erleben musstet.
Vieles kommt mir leider bekannt vor. Mich hat es vielleicht auch besonders berührt, weil wir gleich alt sind- das mit der tickenden Uhr kenne ich also leider nur zu gut. Mir fällt es grade sehr schwer "schön entspannt" in Ruhe meine Trauerarbeit zu machen und "alles erstmal zu verdauen", während es da so rum tickt. Aber ich gebe einfach mal den Rat, der mir zu Recht immer wieder gegeben wird, weiter- Lass Dir Zeit! Es ist, wenn man es wirklich mal nüchtern von aussen betrachtet, wirklich unglaublich hart, was Dir wiederfahren ist. In einem anderen Post hast du gesschrieben, dass Du "noch" in der Trauer festhängst. Ich finde so kurz nach alldem kann von festhängen keine Rede sein. Setzte Dich nicht zu sehr unter Druck, lass Dir Zeit, auch für Deine Trauer. Vielleicht geht es schnell besser, vielleicht auch nicht. Wenn Du magst, schick mir ruhig eine PN.
In jedem Fall Alles Liebe und viel Kraft für die nächsten Wochen, Katharina
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  #3  
Alt 02.01.2017, 16:28
nina030 nina030 ist offline
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Standard

Es ist noch nicht einmal 4 Wochen her, kommt mir irgendwie länger vor... Ich setze mich sehr unter Druck, was die Arbeit betrifft. Wie lange man sich wohl "normalerweise" nach einer FG krankschreiben lässt? Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, an den alten Job zurückzukehren - waren doch die Aufgaben nicht mein Traumjob. Nun habe ich mich in den letzten Wochen immer wieder mal woanders beworben, hatte auch ein telefonisches Bewerbungsgespräch, musste aber merken, dass ich woanders weniger verdienen würde (was für Elterngeld in einer Folgeschwangerschaft ja blöd wäre). Und mit dem Wissen "Ach naja, in ein paar Monaten will ich wieder schwanger werden" ist ja ein neuer Job auch irgendwie blöd (auch für den Arbeitgeber). Und nun stehe ich wieder da und weiß nicht, was ich tun soll. Ich kann mich total schlecht aufraffen, nicht konzentrieren. Übermorgen geht die Schule wieder los und hier wird noch mehr Alltag einkehren. Warum ist alles gerade so anstrengend??

Liebe Grüße
Nina

mit Sternenkindern Dave (13.09.2005/22. SSW) und Amelie (05.12.2016/14. SSW) und Erdenkind Kjell (*09.07.2006/29. SSW)
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  #4  
Alt 02.01.2017, 20:14
Katharina1979 Katharina1979 ist offline
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Ort: Hessen
Beiträge: 188
Standard Liebe Nina

Liebe Nina,

ich finde, da gibt es kein "normalerweise". Nach meiner "normalen" Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft bin ich nach vier Woche wieder zur Arbeit gegangen, hätte aber auch noch zuhause bleiben können, wenn es nach mir gegangen wäre. Damals hatte ich relativ viel Druck vom Arbeitgeber.
Dies hat sich beim zweiten Mal zum Glück nicht wiederholt, vermutlich da es ja auch eine Nummer härter war. Ich habe nach gut 2 Monaten morgen meinen ersten Arbeitstag und finde das jetzt ok. Also ich denke, dass ich es schaffen kann und ein bisschen Alltag und Routine gut tun könnte. Ich werde aber auch mit reduzierter Stundenzahl und ohne Nacht- und Wochenenddienste einsteigen. Sonst wäre ich auch auf jeden Fall noch länger zuhause geblieben.
Bei mir ist es auch so, dass der Job an genau diesem Ort mir eigentlich keine Freude mehr macht- die Schwangerschaften also durchaus eine Exitstrategie waren. Tja, jetzt sehe ich doof aus. Und ähnlich wie bei Dir gibt es zwar Alternativen, aber mit gewissen Abzügen. In meinem Fall müsste ich eine Wochenendbeziehung führen, das geht für mich im Moment gar nicht. Und Respekt, dass Du Dich sogar schon beworben hast, dafür alleine hätte ich im Moment nicht den Mut und auch nicht das Gefühl, dass ich mich gut verkaufen könnte in einem Bewerbungsgespräch. Also gehe ich auch erstmal zurück ins alte Leid- und die Zukunft ist auch für mich schwer kalkulierbar. Falls Dir ein kluger Ausweg einfällt, lass es mich wissen ;-)
Vlg, K
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  #5  
Alt 30.01.2017, 19:27
andrea711 andrea711 ist offline
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Registriert seit: 14.02.2015
Ort: Wien, Oesterreich
Beiträge: 7
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Liebe Nina,

Es tut mir sehr leid was dir passiert ist, das ist einfach nur furchtbar.

Zum Krankenstand nach der Fehlgeburt kann ich meine Erfahrungen teilen. Ich bin nach dem Tod beider meiner Kinder viel zu schnell wieder arbeiten gegangen (2 Wochen danach). Einerseits musste ich das, weil in dem Land in dem ich zu der Zeit lebte, es nur 4 Wochen Krankenstand pro Jahr gegeben hat. Andererseits habe ich mir auch Druck gemacht, dass ich wieder funktionieren sollte, in Hinblick auf mich und auch meine Arbeitsumgebung.

Ich wollte auch in beiden Fällen schnell wieder schwanger werden, und so auch ein Einkommen haben. Im Endeffekt hat sich das gerächt, mir ist regelrecht die Luft ausgegangen weil es zu viel war und ich einfach nicht mehr arbeiten konnte. Ich war richtig unglücklich, ausgelaugt, hatte keinen Spass in der Arbeit, und in so einem Zustand wird man auch nicht schwanger.

Schlussendlich war ich 3 Monate lang im Krankenstand, was anfangs schwer war mir zu gönnen. Aber ich wusste dass ich es brauchte, und danach ist es mir viel besser gegangen. Die Ärtzin meinte sogar dass sie mich wohl noch weitere Monate krank schreiben hätte können, das ist bei solchen Fällen nicht unüblich.

Ich habe dadurch gelernt wie wichtig es ist auf sich zu schauen und sich nicht stressen zu lassen. Wenn du spürst dass es noch zu früh ist, dann gönn dir mehr Zeit, auch in Hinblick auf dein zukünftiges Baby, du willst ja nicht ausgelaugt und zermartert in die nächste Schwangerschaft starten.

Ich wünsche dir alles Gute für die nächsten Monate und hoffe dass es dir bald besser geht. Im Endeffekt weisst eh nur du selbst was für dich am Besten ist :-)

Liebe Grüsse,
Andrea

Sophie (*+1.2.2015, 23.SSW) im Herzen
Mathias (*+6.9.2015, 21.SSW) im Herzen
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  #6  
Alt 09.03.2017, 12:48
nina030 nina030 ist offline
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Registriert seit: 07.12.2016
Ort: Berlin
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"Es geschieht, dass eine kleine Seele
die Erde nur streift.
Ihr Ankommen und Gehen fallen in eins.
Ihr kurzes Verweilen ist nicht umsonst.
Denn sie verändert die Erde.
Sie hinterlässt Spuren in den Herzen derer,
die sie erwartet haben.
Mögen diese Spuren in die Zukunft führen.
(Doris Kellner)"

Dies war der Spruch auf dem Programm zur Gedenkfeier der Sternenkinder-Beerdigung am 07.03.2017 in Berlin-Neukölln. Unsere Amelie wurde mit vielen anderen Sternenkindern in einer liebevoll gestalteten "Kinderecke" beigesetzt. Auch wenn ich nicht an Gott glaube, fand ich die Trauerfeier schön und traurig zu gleich. Sie hat mich mehr Tränen gekostet als ich dachte.
Schön fand ich die "Kerzenmeditation", die Pfarrerin las die einzelnen Namen der Kinder vor (sehr viele hatten noch nicht mal einen Namen) und dann ging mal als Paar oder Familie nach vorn, um eine Kerze zu entzünden.
Nun habe ich zwei Sternenkinder auf zwei verschiedenen Berliner Friedhöfen. An Daves Grabstelle war ich seit 2005 nie wieder, vielleicht gehen wir zu Amelies Grabstelle hin, denn wir sind der festen Überzeugung, dass Amelie und Dave jetzt ohnehin zusammen sind.

Ich hatte mich 6 Wochen krankschreiben lassen und arbeite seit Mitte Januar wieder. Es klappt ganz gut, lediglich bei Familienfeiern und auch bei Menschenansammlungen wie Shoppen oder so merke ich, dass mir ganz plötzlich alles zu viel wird und ich eigentlich ganz schnell verschwinden möchte.



Liebe Grüße
Nina

mit Sternenkindern Dave (13.09.2005/22. SSW) und Amelie (05.12.2016/14. SSW) und Erdenkind Kjell (*09.07.2006/29. SSW)
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  #7  
Alt 13.03.2017, 21:49
Benutzerbild von Moni
Moni Moni ist offline
Administratorin
 
Registriert seit: 21.03.2004
Ort: Insel Rügen, Deutschland
Beiträge: 3.609
Standard

Liebe Mime,
ich habe die Beiträge welche dich betreffen heraus in ein extra Posting kopiert,
du findest es hier:
http://www.frauenworte.de/vbforum/sh...ad.php?t=54311

liebe Grüße von Moni.
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Stichworte
abbruch, hydrops, sternenkind, trisomie 21

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