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  #1  
Alt 03.07.2015, 09:28
katharina0309 katharina0309 ist offline
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Unglücklich Freunde ziehen sich zurück

Hallo,
ich bin neu im Forum und hoffe, ihr könnte mir ein paar Tipps geben. Ich hab im Januar meinen Winzling schon in der 9. SSW ziehen lassen müssen. Die Traurigkeit kommt in Wellen, zur Zeit ist es mal wieder schlimm, weil der angedachte Mutterschutz näher rückt. Das kennen hier sicher viele, dass solche Daten es dann erst mal wieder alles hochkochen lassen.

Nun zu meiner Frage, bzw. meinem Problem: Ich merke, dass der Kontakt zu meinen Freunden und meiner Familie weniger wird. Das stört mich eigentlich, denn ich brauche ja Leute um mich. Zum einen, damit mir jemand zuhört (ich will nicht alles bei meinem Freund abladen, der ja auch trauert), zum anderen, damit ich etwas Ablenkung bekomme. Ich habe aber den Eindruck, dass die Leute lieber nur den Ablenkugsteil übernehmen würden.

Wenn ich auf die Frage "Und, wie geht's?" ehrlich antworte "Besch...", dann sind selbst meine Eltern erstaunt. "Wiesoooo?", diese Antwort verletzt mich. Warum wohl? Haben die meinen Winzling schon vergessen? Das wäre ihr erstes Enkelkind geworden. Schlimmer als "Wieso" finde ich aber "Immer noch?". Das setzt mich unter Zeitdruck, als sollte ich mich mal langsam zusammen reißen.

Ich hatte mir ehrlich gesagt mehr von meinen Freunden und meiner Familie erhofft. Ich weiß, dass man das unmöglich wirklich nachfühlen kann, und wünsche keinem, da Erfahrungen sammeln zu müssen, aber mich verletzt die Überforderung der anderen. Das ganze Thema ist denen unangenehm, wie mir scheint.

Ich habe auch schon Links zu den einschlägen Ratgeber-Seiten für Angehörige herumgeschickt, weil ich dachte, so verstehen sie vielleicht besser, dass "Ihr seid ja noch jung, beim nächsten Mal klappt es" kein Trost ist. Darauf kam nur die Antwort, diese Links hätten sie sich schon längst angeguckt. Trotzdem kommen aber die blöden Reaktionen á la "Ich hab dir doch schon drei mal gesagt, dass du mehr an die frische Luft musst. Wenn du das halt nicht machst, bist du selber schuld." Ich will nicht "repariert" werden, ich will, dass meine Trauer ernst genommen wird und ich mir dafür Raum und Zeit nehmen darf!

Wir habt ihr das hinbekommen, eure Lieben ins Boot zu holen und den Kontakt nicht zu verlieren? Ich habe gehört, dass sich in solchen Fällen die Spreu vom Weizen trennt, aber da bleibt momentan nicht viel Weizen und das kann ich im Moment ja nun gar nicht brauchen.

Danke schon mal für eure Tipps!
Katharina
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  #2  
Alt 03.07.2015, 14:48
Berit74 Berit74 ist offline
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Hallo Katharina,

ich habe vor 4 Jahren meine 2. Tochter nach 16 Wochen verloren und auch jetzt kommt die Trauer noch in Wellen.
Damals musste ich mir von meiner Mutter nach 4 Wochen anhören "Na nun muss aber auch mal wieder gut sein"...meine Mutter, eigentlich sollte sie doch die Person sein, die mit mir trauert. Direkt nach dem KH kam sie mit einem Blumenstrauß vorbei und hat sich Zeit genommen, aber nach 4 Wochen war sie der Meinung, dass mal wieder gut sei .
Die Personen, die ich damals als meine besten Freundinnen bezeichnet hatte, haben max. 1 x gefragt wie es mir geht.
2 weitere gute Bekannte waren immer für mich da! Bis heute!
Und das hat mir gereicht.... alle anderen sind jetzt gute Bekannte mit denen ich mich ablenken und feiern kann, aber diese Menschen werden nie wieder meine wahren Gefühle und Gedanken kennen lernen.
Du hast recht, es bleibt nicht viel Weizen übrig, aber es müssen nicht viel sein, es werden die richtigen sein.

Nimm den anderen es nicht allzu übel. Familie und gute Bekannte braucht man immer. Sei einfach froh, das etwas Weizen da ist!

Im letzten Oktober war ich ganz kurz wieder schwanger, aber es wollte nicht bleiben...und nur diese beiden besonderen Personen wissen davon (und natürlich mein Mann). Ich habe es niemanden sonst erzählt, weil ich mir sicher war, dass ich die unbedachten Reaktionen nicht ertragen könnte.

Viele Grüße und alles Gute
Berit
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  #3  
Alt 03.07.2015, 15:41
katharina0309 katharina0309 ist offline
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Hallo Berit,

es tut mir schrecklich leid, dass deine kleine Tochter nur so kurz bei euch war. Du hast es beim letzten Mal vermutlich genau richtig gemacht: Nur noch Ausgewählten erzählen. Die muss ich mir gerade richtig zusammenkratzen Die anderen werden wohl in Zukunft unter gute Bekannte laufen. Aber das muss nichts Schlimmes sein!

Ich war direkt nach meiner FG sozusagen auf einer "Mission": Mich hat es so geärgert, dass alle immer so tun, als wäre nichts. Unter den Frauen, die ich kenne, müssen rein rechnerisch doch welche sein, die eine FG hatten, aber alle schweigen. So fühlt sich doch jede Frau, als wäre sie allein auf der Welt. Das wollte ich nicht. Ich finde, eine Gesellschaft, die zur Hälfte aus Frauen besteht und deren Schwangerschaften angeblich zu rund einem Viertel in einer FG enden, hat das verdammt noch mal auszuhalten, dass diese Frauen trauern. Klar ist das unbequem. Aber ich finde, wir sollten sichtbarer sein. Wenn alles im stillen Kämmerlein abläuft, ist ja klar, dass keiner Verständnis hat. Allein schon "Sagen Sie es besser keinem vor dem Ablauf der 12. Woche, Sie könnten es ja verlieren". Was soll das??? Nur gute Neuigkeiten sind erlaubt?

Uff, hab mich in Rage geschrieben. Fühlt sich besser an als die Hilflosigkeit und das Alleinsein. Im Nachhinein sehe ich vieles anders. Man macht sich verletzlich, wenn man es allen erzählt. Und zurückrudern zu müssen ist nie schön. Aber Kommentare wie "Jetzt behaupte nicht, ich sei nicht mitfühlend genug, hättet ihr nicht so früh von der Schwangerschaft erzählt, hättet ihr nichts von der FG sagen müssen und hättet keine dummen Reaktionen bekommen" sind einfach daneben (insbesondere, wenn sie von einer Person kommen, die eine Krone für unfassbare Taktlosigkeit bekommen sollte).

Es sollte wirklich eine Liste mit den dümmsten Reaktionen gegen Und vielleicht mache ich mich ja noch mal auf meine Mission, wenn ich mich wieder stärker fühle.
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  #4  
Alt 03.07.2015, 21:48
Anja77 Anja77 ist offline
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Liebe Katharina,


oh ja, das kommt mir alles sehr bekannt vor.

Ich war damals auch sehr verletzt von den Reaktionen meines Umfeldes, als wir ihnen von meiner Fehlgeburt erzählten.

Zum einen war da die totale Ignoranz. Das Thema wurde ganz schnell gewechselt, und nie wieder erwähnt. Ich habe das dann in meiner Familie angesprochen und nachgefragt, wieso sie die Fehlgeburt einfach ignorieren würden, und bekam wirklich eine ganz bitterböse Reaktion von zweien meiner Tanten, die übrigens selbst je eine Fehlgeburt hatten, meine eine Tante verlor zudem ihre einjährige Tochter durch plötzlichen Kindstod.

Sie waren der Meinung, das würde nur den Mann und die Frau, die das Kind gezeugt hätten, etwas angehen. Und sie hätten nicht so viel Gerede darum gemacht wie ich. Und daran könne man mal wieder erkennen, wie unreif ich noch wäre. Im Übrigen habe ich gar kein Gerede darum gemacht. Ich habe nur mitgeteilt, dass ich eine Fehlgeburt hatte. Spätestens nach 9 Monaten hätte doch sowieso jeder Bescheid gewußt. Aber ja, ich habe mir natürlich ein wenig Trost erhofft, gerade von der Familie, gerade auch von selbst betroffenen Frauen.


Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass meine Tanten noch zu einer ganz anderen Generation gehören. Teilweise noch im Krieg geboren, durch den Krieg traumatisierte Eltern, die über ihr Trauma nicht geredet haben, sondern ihren Schmerz ganz weit unten in ihrer Seele begraben haben. Emotionen galten als Schwäche, um (psychisch) überleben zu können, mußte man stark und hart sein.


Das erzählte mir übrigens mein Schwiegervater. Ja, es gab damals auch jede Menge Fehlgeburten, aber die Leute redeten einfach nicht darüber. Er empfand das als normal. Er hat sich auch bei mir bedankt, für meine Rückmeldung, und dafür, dass er auch in seinem hohen Alter noch von mir lernen darf. Trotzdem hat er bei meiner zweiten Fehlgeburt wieder genauso reagiert. Ich war ihm dann sehr böse, und bin auf Abstand zu ihm gegangen, was er auch akzeptiert hat. Erst langsam, mit der Zeit, habe ich wieder etwas verstanden. Ich kann meinen Schwiegervater nicht ändern. Er wird nie derjenige sein, mit dem ich stundenlang über meine seelische Pein wegen meiner Fehlgeburten reden kann. Das konnte ich irgendwann akzeptieren. Ich mochte ihn trotzdem sehr gerne, und mir war viel daran gelegen, mit ihm wieder in Kontakt zu kommen. Und dann hat er mich überrascht, als er mir vor einiger Zeit die traurige Nachricht überbrachte, dass meine Schwägerin - seine Tochter - ihr Kind im 5./6. Monat verloren hat. Kurz darauf wurde schon wieder über ein anderes Thema geredet, und ich sagte Stopp, ich komme da nicht ganz mit, ich brauche Zeit, um das zu verarbeiten. Da kam er zu mir, umarmte mich ganz lange ganz fest, bedankte sich schon wieder bei mir und sagte, er wüßte auch immer noch von meinem Schmerz, und ihm wäre es so wichtig, mich jetzt zu umarmen. Das war 1 1/2 jahre nach meiner zweiten Fehlgeburt.


Zu meinen Tanten habe ich übrigens den Kontakt abgebrochen. Sie sind nicht in der Lage, sich bei mir zu entschuldigen, aber ohne Entschuldigung bzw. Einsicht, dass sie sich zutiefst respektlos mir gegenüber verhalten haben, kann es zwischen uns keine gleichwürdige Beziehung mehr geben. Sie tun mir heute sehr leid. Sie haben so lange auf ein Enkelkind in der Familie gewartet, und bringen sich jetzt selbst um den Kontakt zu meiner kleinen Tochter.


Meine Freunde haben meinen Schmerz auch nicht nachvollziehen können. Entweder auch hier Themenwechsel oder betretenes Schweigen, wenn ich davon erzählen wollte. Komisch, mir war nicht klar, dass das wirklich so ein großes Tabuthema in der Gesellschaft ist. Ich erzähle trotzdem von meinen beiden Sternenkindern, ab und zu, auch heute noch. Auch wenn ich mich dann wegen der ablehnenden Reaktionen irgendwie falsch fühle, mir ist das wichtig. Das gehört zu mir und meinem Leben einfach dazu, und darüber schweige ich nicht.

Und manchmal treffe ich dann auch einen Menschen, der mir einfühlsam zuhört und mit dem ich ganz normal darüber reden kann. Und ich weiß das mittlerweile sehr zu schätzen.

Ich habe meine Freunde jetzt nicht in Spreu und Weizen getrennt. Die ganz extremen Reaktionen kamen ja eher aus der Familie. Trotzdem habe ich die Freundschaften für mich innerlich neu sortiert. Mein Mann hat mich damals davon abgehalten, mit diesen Freunden zu brechen, heute bin ich ihm sehr dankbar. Denn ich muß ganz ehrlich sagen, vor meinen Fehlgeburten habe ich auch nicht verstanden, was das für eine Frau wirklich bedeutet. Wenn ich davon gehört habe, hat es mir leid getan, aber meine Welt war nach 15 Minuten darüber nachdenken und betroffen sein wieder in Ordnung. Trotzdem hätte ich mir nie angemaßt, einem anderen Menschen zu sagen, wie stark und wie lange er zu trauern hat.


Was mir damals geholfen hat, war der persönliche Kontakt zu Frauen, denen das gleiche passiert ist, und die genauso darunter gelitten haben wie ich, die sich ebenso austauschen wollten mit anderen betroffenen Frauen wie ich. Das hat meine Seele zu einem großen Stück geheilt. Meine Freunde hätten das gar nicht leisten können, und das meine ich gar nicht als Vorwurf.


Ich denke, es braucht einfach Zeit, seine ganzen Beziehungen neu zu überdenken und zu sortieren. Wirklich, die Zeit klärt da ganz viel.

Ich finde es super, wie du mit diesem Thema umgehst, dass du darauf aufmerksam machst, wie es Frauen nach einer Fehlgeburt geht, und was diese Frauen an Trost und Zuspruch tatsächlich brauchen, und was eher verletzend wirkt. Du hast einfach recht, wir sollten sichtbarer sein! Ich unterstütze deine Mission auf jeden Fall! Ganz ernst gemeint...


Sorry für den langen Text. Aber dieses Thema weckt bei mir auch immer noch viele viele Emotionen.


Liebe Grüße

Anja
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  #5  
Alt 04.07.2015, 09:00
Katja1977 Katja1977 ist offline
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Hallo Katharina,

Oh ja, das kommt auch mir sehr bekannt vor.

Kurz nach der Fehlgeburt waren Freunde und Bekannte da, haben zugehört und versucht mich in meiner / unserer Trauer aufzufangen.
Das war aber relativ schnell vorbei und Kommentare wie, sein froh, dass es früh passiert ist, es hätte behindert sein können, versucht ihr es halt nochmal etc.....die Liste ist lang. Mich hat es manchmal sprachlos gemacht und von einigen, sogenannten Freundinnen, war ich echt enttäuscht.
Ich habe dann sehr lange nichts mehr erzählt und das Gefühl, der Einsamkeit war ganz schlimm für mich.
Morgen wäre der Entbindungstermin und nur 2 Personen aus unserem Umfeld wissen davon.......was mich sehr traurig macht. Darf ich nicht trauern?
Darf ich mich nicht auch kurzzeitig in dieser Trauer verlieren?
Warum muss immer alles ganz schnell wieder in Ordnung sein, am besten überhaupt nicht mehr darüber reden und vergessen.......oh Mann das macht mich gerade wütend!!!!
Vor allem, finde ich, habe ich nicht nur mit meiner Trauer und unserem Verlust umzugehen, sondern auch mit der Enttäuschung, was sogenannte Freunde so von sich geben!

Es gibt auch wenige Menschen, die mich mehr als überrascht haben und auch jetzt immer da sind und zuhören........,.einfach zuhören, ohne was zu sagen. Das ist das positive, was ich daraus ziehe.
Mit hat es ungemein geholfen, mich hier in diesem Forum mitzuteilen, endlich das Gefühl, du bist nicht allein und vor allem, meine Aart zu trauern ist nicht verrückt oder das Gefühl langsam durchzudrehen, ist normal.
Hier kann ich ganz ehrlich sagen, wie es mir geht und ich werde verstanden!!

Ich finde es gut, dass du dieses Thema eingestellt hat, es kommt einiges, unschönes hoch, aber scheinbar geht es vielen so.
Fühl dich gedrückt
Liebe Grüße Katja
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  #6  
Alt 04.07.2015, 13:04
katharina0309 katharina0309 ist offline
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Hallo, ihr Lieben, und danke für eure Antworten!

Anja, es tut mir schrecklich leid, wie das mit deinen Tanten gelaufen ist. Aber du hast Recht, es ist im Grunde trauriger für sie! Dass sie nicht in der Lage sind, sich zu entschuldigen, ist schrecklich. Ich habe ein wenig Sorge, dass es so mit meinem Freund und seinem Vater läuft.

Die beiden haben ohnehin nie ein enges Verhältnis gehabt und ein Großteil ihrer Kommunikation läuft so, dass sie sich gegenseitig Vorwürfe wegen längst Vergangenem machen. Bescheuert, aber Eltern-Kind-Geschichten sind ja oft so. Jedenfalls hat sich sein Vater gar nicht gefreut, als wir ihm von der Schwangerschaft erzählt haben, und mein Freund war sehr verletzt (ich natürlich auch). Es schien eher so, als würde er seinem Sohn nicht zutrauen, "für die Familie zu sorgen" (willkommen im 21. Jahrhundert, ich möchte gar nicht Hausfrau sein, danke). Mit mir wurde gar nicht groß gesprochen, ich war ja "nur" Trägerin des Problems. Es war wirklich so eine "Ajajaj, wo soll das nur hinführen"-Situation. Wir waren maßlos enttäuscht.

Als wir unseren Wurm dann verloren haben, hat der Vater meines Freundes unfassbar sch... reagiert. Zitat: "Naja. Ihr habt ja sicher mitbekommen, dass ich mich ohnehin nicht so gefreut habe." In unseren Ohren klang das wie "Uff, ist ja noch mal gut gegangen, das Problem hat sich in Luft aufgelöst", denn er schien es uns ja nicht zugetraut zu haben. Wir stehen übrigens ganz solide mitten im Leben, alles kein Problem.

Mein Freund hat sich erst mal zurückgezogen, die beiden haben nicht mehr miteinander gesprochen. Dann hat er es doch noch mal versucht, mit seinem Vater zu reden und ihm zu erklären, wie sehr er uns verletzt hat. Reaktion hierauf: "Naja. Jetzt sagt ihr, meine Reaktion war gemein. Aber man sagt ja nicht ohne Grund, dass man erst nach der 12. Woche was sagen soll. Hättet ihr euch mal daran gehalten, hättet ihr jetzt auch keine in euren Augen blöden Reaktionen." Es waren also wieder wir, die alles falsch gemacht hatten. Dann haben sich die beiden richtig gefetzt, keiner redet mehr mit dem anderem, und von anderen Leuten weiß ich, dass sein Vater immer noch null Verständnis hat. Im Gegenteil, ER fühlt sich falsch behandelt. Sein weinerlicher, zickiger Sohn jammert halt wieder rum.

Mir tut es leid, dass die beiden nun gar nicht mehr miteinander reden und ich habe Angst, dass es da nun zu einem echten Bruch gekommen ist. Mein Freund ist das einzige Kind seines Vaters! Wie kann man nur so gemein sein? Auch wenn ich ganz anderer Meinung bin, wenn mein (erwachsenes) Kind weint und stammelt und sich verletzt fühlt, dann ziehe ich doch zumindest mal kurz in Erwägung, ob ich nicht doch falsch liege!?

Vielleicht ist es, wie du sagst, eine Generationen-Frage. Sein Vater ist aus der Starke-Männer-Generation. Geburten sind irgendwie Frauenkram. Und generell sollen die Leute sich mal zackig zusammenreißen. Ich hatte ihn aber früher nie als so altmodisch und verbohrt eingeschätzt. Tja, falsch gelegen.

Vielleicht nähern sich die beiden ja wieder an, wie dein Schwiegervater und du. Ich freue mich sehr für dich! Mich hat das ganze der Mutter meines Freundes näher gebracht, meiner eigenen weniger. Sie ist die einzige, die in einem ruhigen Moment auch jetzt noch fragt, wie es mir geht und die sich erinnert: Da war doch mal was. Sie nimmt mich auch einfach in den Arm und lässt mich weinen, ohne durch Trösterei zu beschleunigen, dass ich damit wieder aufhöre. Vielleicht sollte ich sie mal wieder anrufen

Katja, du bringst es auf den Punkt mit der Frage, ob man sich nicht auch mal in seiner Trauer verlieren darf. Wieso muss denn immer alles schnell wieder in Ordnung kommen? Ich finde es nicht mal besonders erstrebenswert, ein Mensch zu sein, der es ganz schnell schafft, sein Baby zu vergessen. Was soll daran toll sein? Aber man wird dann als funktionstüchtig eingestuft und bekommt von der Gesellschaft ein Fleißsternchen.

Wie ist das eigentlich bei euch in der Arbeit? Weiß da jemand von euren Sternchen? (Hach, tut das gut, zärtlich von den kleinen sprechen zu können ohne wie ein Auto angeschaut zu werden).

Sonnige Grüße und ganz viel Kraft!
Katharina
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  #7  
Alt 05.07.2015, 15:38
Anja77 Anja77 ist offline
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Liebe Katharina,

was der Vater deines Freundes da zu euch gesagt hat, empfinde ich auch als sehr verletzend. Selbst wenn man sich aus bestimmten Gründen nicht freuen kann, kann man das doch auch für sich behalten? Überhaupt klingen seine Worte ziemlich herz- und gefühllos.

Es ist schwer, da einen Rat zu geben. Vielleicht ist eine Sendepause wirklich erst einmal ganz gut. Jeder hat Zeit für sich, um mal alles neu zu sortieren. Manches sieht man mit der Zeit auch anders.

Ich hatte auch zwei Sendepausen, und habe heute wieder ganz normalen Kontakt zu diesen Menschen, worüber ich auch sehr dankbar bin.

Allerdings scheint die Beziehung deines Freundes zu seinem Vater auch vorher schon sehr belastet gewesen zu sein. Vielleicht muß er sich einfach frei machen von den negativen Bewertungen seines Vaters. Ich denke mal nicht, dass dieser sich noch großartig ändern wird, und dein Freund vielleicht nie die Zustimmung und den Trost bekommen wird, den er sich wünscht.

Ich würde mich so einem Menschen gegenüber nicht mehr zu sehr öffnen in Zukunft...

Ich wünsche euch alles Gute!

Liebe Grüße

Anja
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  #8  
Alt 06.07.2015, 08:20
Katja1977 Katja1977 ist offline
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Hallo Katharina,

Ich kann mich nur anschließen, was der Vater deines Freundes von sich gegeben hat, ist herzlos und geschmacklos.......ich kann nicht fassen!!!!
Als wäre die Situation nicht schon schlimm genug!
Ich drücke euch die Daumen, dass er noch zur Besinnung kommt und sieht, was er falsch gemacht gemacht hat.

Du hast gefragt, wie es bei uns auf der Arbeit war.......bei mir wussten es das ganze Team. Ich arbeite im Kindergarten, in der Krippe und ich musste, von meinem Frauenarzt aus, direkt meinen Cheffinnen mitteilen, dass ich schwanger bin.......ich war in der 6. Woche. Es wurden einige Bluttests gemacht, um festzustellen, ßdass ich in der weiterhin in der Krippe arbeiten darf.
Ich war dann erstmal eine Woche freigestellt, bis die Ergebnisse da waren. Es hat sich dann herausgestellt, dass ich nicht mehr mit den Kleinen arbeiten darf und wechselte in den Kitabereich. Somit musste ich dem Team Bescheid sagen, bzw. durch meinen Wechsel wussten Sie es eh alles
Als unser Krümelchen dann beschlossen hat zu den Sternen zu gehen, haben alle ganz toll reagiert und waren total verständnisvoll!
Vor allem meine Cheffinnen haben das größte Lob verdient, wir haben viele Gespräche geführt und sie haben mir alle Zeit gelassen, die ich gebraucht habe, ich hätte sogar ganz in den Kitabereich wechseln können.
Ich bin nach einer Woche wieder arbeiten gegangen und das hat mir sehr geholfen.
Die Kollegen waren und sind ganz toll, auch heute, wenn ich mal ein Tief habe, ist ganz viel Verständis da und ich fühle mich gut aufgehoben.
Meine Cheffin sagt immer, nimm die die Zeit, die du brauchst und Trauer!!!!
Aber wie gesagt, die Arbeit hilft mir ungemein, was eigentlich merkwürdig ist, ich bin den ganzen Tag mit 10 kleinen Mini Mäusen zusammen und das ist die meiste Zeit ok.

Ich hoffe ihr habt ähnliche Erfahrungen gemacht

Ganz liebe Grüße Katja
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  #9  
Alt 06.07.2015, 11:56
katharina0309 katharina0309 ist offline
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Hallo!
Bei mir in der Arbeit war es ähnlich dahingehend, dass es das ganze Team weiß. Nicht, dass ich es aus irgendwelches Gründen hätte erzählen müssen, aber ich konnte die Schwangerschaft irgendwie auch nicht für mich behalten, also habe ich es meiner Chefin erzählt. War halt meine erste Schwangerschaft, ich hatte das Gefühl, dass man es mir sowieso an der Nasenspitze ansieht. Und dass ich beim Kaffee nein sage und nicht mehr zum Rauche gehe... ich dachte, die wissen es doch eh schon Als das Würmchen sich dann wieder verabschiedet hat, habe ich meine Chefin gebeten, es auch den anderen zu erzählen. Ich wollte, dass die Leute, mit denen ich täglich acht Stunden verbringe, wissen, was mit mir los ist. Die meisten waren total lieb und rührend, andere ein bisschen überfordert. Ich war wie du, Katja, circa eine Woche krank geschrieben und habe dann wieder losgelegt, was auch richtig gut getan hat.

Aktuell bin ich wieder für eine Woche krank geschrieben und mache mich deswegen verrückt. Natürlich geht die Welt nicht unter, wenn ich mal ein paar Tage nicht in die Mails gucke, aber ihr wisst ja sicher, wie das ist. Und körperlich krank bin ich ja auch nicht. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich mich nicht verrückt machen sollte. Ich arbeite "mit dem Kopf", und wenn der momentan ganz wonanders ist, habe ich im Büro nichts verloren. Bin zur Zeit echt ein wenig durcheinander, aber merke, dass es wieder bergauf geht. Aber vor ein paar Tagen noch habe ich dauernd die Kühlschranktür offen stehen lassen, auf dem Weg in ein Zimmer vergessen, was ich da wollte, lauter solche Sachen.

Man wird immer so auf Funktionstüchtigkeit gedrillt heutzutage. Ich hoffe, meine Kolleginnen haben auch dieses Mal Verständnis und denken nicht, dass ich mich bloß anstelle. Aber es ist denen ja auch nicht geholfen, wenn ich in der Arbeit bin, nur Blödsinn fabriziere und zwischendurch noch dauernd heule. Meine Frauenärztin war jedenfalls gar nicht überrascht, mich zu sehen. "Dachte mir schon, dass du demnächst hier stehst", meinte sie und hat schon mal die große Box Taschentücher bereitgestellt. "Spätestens im September hatte ich damit gerechnet." Da wäre der ET.

Es ist total tröstlich, dass ihr auch findet, dass die Worte vom Vater meines Freundes unmöglich waren! Ich hoffe aber auch, die beiden kriegen sich wieder ein. Wer weiß, vielleicht wird es ja beim nächsten Würmchen was, das dann hoffentlich lieber länger bei uns bleiben will.

Für den September werde ich mich jedenfalls wappnen. Man lernt ja immer dazu. Vielleicht nehme ich mir den Tag frei, stöbere in Ruhe in meinem kleinen Erinnerungskistchen und nehme mir die Zeit, an meinen Zwerg zu denken.

Sonnige Grüße,
Katharina
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  #10  
Alt 17.10.2015, 17:38
katharina0309 katharina0309 ist offline
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Frage Hoffen, bangen... auf jeden Fall warten

Hallo ihr Lieben,
ich dachte, ich gebe mal ein kurzes Update: Ich finde, ich habe mich von der Fehlgeburt im Januar mittlerweile gut erholt, und dabei habt ihr mir auf jeden Fall geholfen!
Und wie das immer so ist: Im Forum taucht man erst wieder auf, wenn irgendwo die Hütte brennt

Mein Freund und ich haben beschlossen, die ganze Kinder-Sache ein wenig zu vertagen. Wir wollten gern die Unverkrampfheit zurück, die bei der ersten Schwangerschaft da war. Da haben wir nicht wirklich darauf hin gearbeitet, sondern mit Absicht weniger aufgepasst und uns überraschen lassen. Diese Leichtigkeit war natürlich erst mal weg, ist aber mittlerweile wieder da. Sie ist sogar soweit da, dass ich das Gefühl habe, da könnte neulich was passiert sein. Es ist noch zu früh, um zu testen, knapp eine Woche werde ich mich noch gedulden müssen. Aber ich bin schrecklich nervös, wie ihr euch denken könnt.

Ich habe seit einer Woche oder so ein kontinuierliches leichtes Ziehen im Unterleib. Das kann natürlich alles und nichts bedeuten, aber ich kenne das Gefühl noch vom letzten Mal, da waren es ja auch keine verfrühten Menstruationsbeschwerden. Ich bin übrigens was meinen Zyklus angeht pünktlich wie die Maurer.

Auf der einen Seite habe ich also dieses Bauchgefühl, dass es geklappt haben könnte. Auf der anderen Seite will ich mir auch nicht zu viel einreden. Es kann halt wie gesagt alles und nichts heißen und bis auf "so ein Bauchgefühl", dieses Ziehen und die Tatsache, dass wir eiiiiiinigermaßen in Eisprungnähe unverhüteten Sex hatten habe ich nichts, was mich sicher sein lässt. Da hilft wohl nur warten.

Aber vielleicht könnt ihr mir den einen oder anderen Tipp geben: Ich bin doch bestimmt nicht die erste, die die letzten paar Tage bis zur erwarteten Blutung rumbringen muss. Womit habt ihr euch abgelenkt? Habt ihr euch getraut, euch schon ein kleines bisschen zu freuen? Und soll ich mit meinem Freund darüber reden? Ich tendiere im Moment eher dagegen, denn ich will nicht die Pferde scheu machen ohne Grund. Es kann ja genauso gut sein, dass ich ganz pünktlich meine Regel bekommen werde.

Ohje, bin ich unruhig. Falls es noch jemandem gerade so geht: Wie gehts du damit um?
Danke schon mal an euch alle und liebe Grüße,
Katharina
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