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  #1  
Alt 11.02.2019, 14:56
Liya1988 Liya1988 ist offline
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Registriert seit: 07.02.2019
Ort: München
Beiträge: 5
Standard Kinderwunschzeit mit Hindernissen

Hallo Ihr Lieben,
ich bin noch ganz frisch auf diesem Forum, also stelle ich mich kurz mal vor und erzähle meine Geschichte. Es tut sehr gut, das mit jemandem teilen zu können.
Ich und mein Partner sind beide 30 Jahre alt und wohnen in München. Wir sind seit 9 Jahren ein Paar und sind in dieser Zeit durch dick und dünn gegangen. Wir haben viele Tiefen erlebt, aber noch viel mehr Höhen, ich kann mir keinen anderen Mann an meiner Seiter vorstellen.
Schon seit meiner Teenagerzeit habe ich PCOS. Ich hatte mir noch nie Gedanken drüber gemacht. Ich nahm ja eh die Pille, also war das PCOS in Vergessenheit geraten. Als mein Partner und ich ganz frisch zusammen waren, passierte es - ein paar Mal die Pille vergessen und schwups, ich war schwanger. Damals eine Horrorvorstellung, alles in mir schrie "nein!". Ich wollte meine Schwangerschaft unbedingt abbrechen. Mein Partner war zuerst dagegen, meinte dann aber, dass er in jedem Fall hinter mir steht und so geschah es dann. Ich habe es machen lassen und nahm danach viele Jahre lang vorbildlich die Pille. Gewissensbisse hatte ich jede Menge, bis heute. Würde ich die Zeit zurück drehen können, würde ich alles anders machen.
Im November 2017 haben wir dann endlich entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ich hörte mit der hormonellen Verhütung auf und wir fingen an zu üben. Ich dachte ständig über den Abbruch von damals nach und sagte mir ständig, dass es jetzt vielleicht nicht mehr klappt, weil das so eine große Sünde war und ich jetzt dafür bestraft werde. Die Monate vergingen und ich hatte immer mehr Panik und Zweifel. Ich habe mein Zyklus mit Mönchspfeffer zwar in den Griff bekommen, trotzdem geschah aber nichts. Dann, im September 2018, kam mein lang herbeigesehnter Urlaub in die Heimat, das erste mal mit meinem Partner. Ich war überglücklich und total entspannt - als wir zurück kamen waren wir schon zu dritt, unwissentlich
Als ich es zufällig, bei einem Arzttermine erfuhr, war ich der glücklichste Mensch der Welt, mein Freund natürlich auch. Als ich ein paar Wochen später, der Herzschlag des kleinen Bärchens sah und wie er ganz leicht gezappelt hat, habe ich vor Glück geweint. Leider erführ ich zur selben Zeit, dass meine Mama im Krebs Endstadium war und nicht mehr lange zu leben hatte. Ich verbrachte jede freie Minute mit Gebeten, dass sie bitte ihr erstes lang ersehntes Enkelkind doch noch erleben darf...Was soll ich sagen, es folgte die schlimmste Zeit meines Lebens, meine Schwangerschaft endete in der 12 SSW mit einer missed abortion und zwei Wochen später ging auch meine Mama...Ich dachte vor Schmerz und Kummer würde mein Herz explodieren...
Ich bin ein Mensch, der wirklich immer versucht positiv zu bleiben, also rappelte ich mich langsam wieder auf. Wir üben jetzt auch weiter. Ich versuche mir einzureden, dass es nun zwei mal ohne Hilfe geklappt hat, trotz PCOS, also muss es auch ein drittes Mal klappen. Selbstverständlich lese ich auch das Buch „Gelassen durch die Kinderwunschzeit“, es hat mir oft in meinen Depriphasen geholfen. Trotzdem habe ich immer wieder Zweifel ob wir je ein eigenes Baby haben werden. Ich bekomme sogar ganz böse Gedanken, die mir sagen, dass es keine einfachen Zweifel sind, sondern meine Intuition. Das macht mir dann noch mehr Angst. Ich arbeite trotzdem ständig an meinen inneren Bildern und an meinen Gedanken.
Es tut mir leid, dass es so ein langer Roman werden musste, es musste aber alles ein mal raus.
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  #2  
Alt 14.02.2019, 10:04
Mine 77 Mine 77 ist offline
aktiver Benutzer
 
Registriert seit: 31.05.2018
Beiträge: 51
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Liebe Liya,


gerade habe ich deine Zeilen gelesen und ich möchte dir gleich antworten. Erst mal, schön, dass du hierher gefunden hast, hier kann man zur Ruhe kommen und sich alles von der Seele schreiben. Gut dass du das auch getan hast, das ist ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung, ;-).
Ich fühle sehr mit dir, vorallem was du vor eingen Monaten erleben musstest.

Schon eine Fehlgeburt ist sehr schmerzhaft und dann der Verlust deiner Mama. Wie tapfer muss man da sein? Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut das weiterhin so meistern. Aber auch Nischen, der Trauer freien Lauf zu lassen.

Man merkt, dass dir die Geschichte deiner ersten Schwangerschaft noch sehr zu schaffen macht, ich stelle mir das auch sehr einschneidend vor. Versuche dir zu vergeben, du würdest es heute anders machen, aber da konntest du nicht anders.

Es liest sich so, dass du an Gott glaubst. Bitte auch Ihn um Vergebung, dass er dir die Last abnimmt, da du Sie nicht mehr tragen kannst. Vielleicht wirst du nochmal viel weinen müssen, aber es wird sich etwas lösen. Denn uns wurde versprochen, dass wir nie allein sind und wir getragen werden, gerade in den schwersten Zeiten.

Vielleicht hilft dir auch ein kleines Ritual, ein Luftballon der mit etwas persönlichem beschriftet ist etc., und du lässt diesen vielleicht auch mit deinem Freund/Mann davonfliegen, als Symbol der Liebe und des Loslassens. Nimm dir dir Zeit, dich zu verabschieden um dich dann wieder einem neuen Kind widmen zu können. Du kannst natürlich auch einen zweiten Luftballon für das zweite Kind dazunehmen, wie es für dich stimmig ist.

Mir kam auch vorhin der Gedanke, so traurig das mit deinem Kind und deiner Mama ist, wenn es einen Himmel gibt so wie wir uns diesen vorstellen, dann sind die beiden da jetzt zusammen. Beiden geht es gut und bestimmt wünschen Sie sich auch sehr, dass es dir bald wieder besser geht.



Ich hoffe ich schreibe jetzt nicht zuviel, oder zu persönlich, doch ich möchte dir so gerne Mut zusprechen und wünsche dir sehr, dass sich alles wieder zum Guten wendet.


Wenn du möchtest fühle dich umarmt,


Yasemin
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  #3  
Alt 14.02.2019, 11:54
Liya1988 Liya1988 ist offline
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Registriert seit: 07.02.2019
Ort: München
Beiträge: 5
Standard

Liebe Mine,

vielen lieben Dank für deine Worte! Das ist sehr lieb!
Du hast Recht damit, dass ich mir selbst die Geschichte meiner ersten Schwangerschaft vergeben sollte. Ich habe es schon mehrmals versucht, ich habe es laut ausgesprochen, ich habe es aufgeschrieben, usw. trotzdem bleibt immer diese Traurigkeit über diese Fehlentscheidung von damals. Ich denke mir immer wieder, hätte ich es damals nicht gemacht, dann wären wir jetzt junge Eltern von einem 7 jährigen Kind. Ich verstehe ja, dass man die Zeit nun mal nicht zurückdrehen kann. Ich muss es akzeptieren und annehmen wie es ist. Daran werde ich aber noch arbeiten müssen.
Und ja, daran dachte ich auch schon oft dass meine Mama und mein Kind jetzt zusammen sind, vielleicht wird meine Mama der Seele meines Kindes sogar helfen, den Weg zu mir wiederzufinden? Das hoffe ich sehr.
Woran ich zur Zeit aber am meisten arbeite, sind meine inneren Bilder. Komischerweise kann ich das Bild von meinem Baby in meinen Armen und meinem Freund der uns dabei umarmt nicht sehen. Dabei habe ich nicht das richtige Gefühl sondern eher Zweifel. Dafür kann ich mir leicht vorstellen, wie wir zu dritt Auto fahren und das Baby in der Babyschale liegt, oder wie wir zu dritt zu Besuch bei Schwiegereltern sind. Meinst du, oder meint ihr, das ist problematisch, dass ich nicht alle Situationen mit den dazugehörigen Gefühlen visualisieren kann? Das verunsichert mich immer.
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  #4  
Alt 19.02.2019, 10:18
Benutzerbild von Biggi
Biggi Biggi ist offline
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Registriert seit: 19.04.2005
Ort: Tremmen, Brandenburg, Deutschland.
Beiträge: 3.337
Standard Das Unterbewusstsein muss immer mit

Hallo, liebe Liya,
da hast Du ja schon ganz schön was durchgemacht…… oh je.

Es ist so: Am Anfang sind wir neutral wie ein unbeschriebenes Blatt, wenn es ums Kinderkriegen geht.
Und dann erst kommt Lebenserfahrung hinzu, und das Blatt schreibt sich voll.
Unsere Neutralität geht verloren.
Und das belastet tatsächlich unsere Empfängnisfähigkeit,
denn nicht unser Kopf sondern im Gegenteil,
das Unterbewußtsein muss mit und mit ihm nehmen wir dann wieder
volle Fahrt auf.

Als du das erste Mal schwanger warst, da hattest du vermutlich nicht einmal ein Bild von Dir und Deinem Kind vor Augen.
Du warst das unbeschriebene Blatt.

Siehst du dich heute mit Deinem Kind, stehen sofort weitere Bilder daneben.
Sie stehen vermutlich für eine Abtreibung und für die Notwendigkeit, Dir selbst vergeben zu müssen.
Versteh das bitte nicht falsch.
Die Abtreibung war zu diesem Zeitpunkt vollkommen richtig.
Nur das schlechte Gewissen musst du unbedingt noch loswerden.

Du kannst das beispielsweise mal flüstern: „ „Ich bitte um Vergebung“.
Flüstere es, auch wenn Du zweifelst.
Und dann fühle einfach in Dich hinein.
Erwarte nichts.
Flüstere nur.
Es tut sich immer was.

Ein weiteres Bild könnte ja fast ein Doppelbild sein.
Deine Fehlgeburt gemeinsam mit dem Verlust Deiner Mutter.

Da ist viel Tod gespeichert im Kapitel Leben.
Nimm Dir das Stück für Stück vor.
Sag Deinem Baby, danke, dass es da war.
Fühle und sei froh, dass Du es die kurze Zeit, die es da war, inniglich geliebt hast.

Sage gerne auch Deiner Mutter „Danke, dass du da warst“ und fühle all die Liebe,
die zwischen Euch fließen durfte.
Versuche, nicht allzu traurig zu sein in nur diesem Moment,
verstehe, dass alles seine Zeit hat.

Dieses ist nur eine Anregung.
Jeder Mensch hat zu jedem Gefühl seine ganz eigenen Bilder.
Schau Dir deine Versionen an.
Sag Danke.
Fühle.
Und tu sonst nichts.
Interpretiere auch nichts hinein.
Gehe einfach Schritt für Schritt.

Und warte vertrauensvoll ab.


Ich rate dir also, Deine Neutralität wieder herzustellen.
Und den Kinderwunsch solange zurück zu stellen.

Es geht hier um Trauerarbeit, und das ist wirklich Arbeit.
Viel hilft hier nicht viel.
Eher die Kontinuität, das Dranbleiben.

Überlege, ob Du Dir Natrium chloratum C 30 besorgst.
Man kann einmal die Woche 10 Kügelchen unter der Zunge zergehen lassen.
Natrium bringt alles wieder ins Fließen, ganz besonders die Trauer.

Ich wünsche dir alles Liebe

Biggi


Birgit Zart

http://www.kinderwunschhilfe.de

Von mir ausgebildete Therapeuten in Eurer Region findet Ihr hier:
http://www.die-fruchtbarkeitsmassage.de

Auch auf Facebook könnt Ihr mich finden:
Kinderwunschhilfe Birgit Zart
sowie
Die Fruchtbarkeitsmassage- das Original nach Birgit Zart
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  #5  
Alt 21.02.2019, 10:53
Liya1988 Liya1988 ist offline
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Liebe Biggi,

ich bin total gerührt, von dir zu hören und bin dankbar für diese ausführliche Antwort. Tatsächlich habe ich in den letzten Tagen den Kinderwunsch etwas zurückgestellt und versuche mich erstmal um mich selbst zu kümmern und alles zu verarbeiten. Ich werde daran arbeiten emotional wieder im Grünen zu sein und mich in meiner Haut wieder wohl zu fühlen, das erscheint mir gerade auch am Wichtigsten.
Ich danke euch und bin froh euch gefunden zu haben!
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  #6  
Alt 25.02.2019, 12:25
Liya1988 Liya1988 ist offline
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Hallo ihr Lieben, ich möchte nur mal hinzufügen, dass ich letzten Freitag, völlig überraschend positiv getestet habe, ich kann es selbst noch gar nicht glauben! Das Beste ist, jetzt kann ich mir gar keine Bilder mehr vorstellen, weil ich nur noch Angst habe, dass es nicht wieder eine Fehlgeburt wird...Ich weiß, dass es falsch ist so zu denken, aber ich kann momentan nichts mit mir tun. Einerseits bin ich überglücklich, andererseits habe ich wahnsinnige Angst und glauben kann ich es erst recht nicht :-)
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  #7  
Alt 25.02.2019, 21:25
Mine 77 Mine 77 ist offline
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Liebe Liya,


das sind ja wunderschöne Neuigkeiten.....
Ich wünsche dir von Herzen, dass das kleine Wunder wächst und gedeiht und sich die nächsten neun Monate pudelwohl in deinem Bauch fühlt, ;-)))).


Ich verstehe deine Bedenken sehr gut, mir würde es glaube ich ähnlich gehen, das Vertrauen muss erst wieder aufgebaut werden. Wenn du dir keine Bilder vorstellen kannst, lächle deinem Baby einfach zu und sage Ihm, dass du es sehr liebst und Ihr das gemeinsam alles gut schaffen werdet. Eine tägliche positive Affirmation.



Ich drücke dir fest die Daumen und wünsche dir eine zuversichtliche Zeit und dass das Vertrauen in dich und Euer Kind immer mehr wächst,


alles Liebe,


Yasemin
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  #8  
Alt 27.02.2019, 20:15
Katharina1979 Katharina1979 ist offline
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Ort: Hessen
Beiträge: 172
Standard Liebe Lyia

Liebe Lyia,



nun bin ich noch gar nicht dazu gekommen, Dir auf Deinen ersten Beitrag zu schreiben, da ist schon ein kleines Wunder angekommen!
Also, erst einmal Glückwunsch dazu! Und einfach erstmal freuen, egal wie lange das kleine Seelchen bei Euch bleibt!
Tief durchatmen, jetzt eins nach dem Anderen.

Ich gratuliere jedenfalls erstmal und drücke Euch alle Daumen!


Vlg, K
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  #9  
Alt 28.02.2019, 13:25
Liya1988 Liya1988 ist offline
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Beiträge: 5
Standard

Hallo liebe Katharina, hallo liebe Mine, ich antworte euch beiden mal :-)
Ich danke euch für die Glückwünsche, ich bin selbst immer noch total erstaunt und kann es kaum fassen. Ich fühle das kleine Wunder in mir jeden Tag ein bisschen mehr.
Heute Nacht habe ich sogar geträumt wie meine verstorbene Mama erst ein Ohr an mein Bauch legt und dann etwas zu meinem Bauch sagt, was genau habe ich nicht gehört. Ich finde das total überwältigend. Vielleicht hat sie uns ja wirklich besucht und sich mit dem Seelchen schonmal unterhalten? Der Gedanke gefällt mir.
Ich war noch immer nicht beim Frauenarzt, der Termin ist erst nächste Woche. Bis dahin versuche ich ruhig zu bleiben und dieses Gefühl zu genießen.
Ich danke euch vielmals für eure Unterstützung und wünsche euch natürlich auch nur das allerbeste <3
LG, Liya
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