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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ist hier noch jemand wach?


Carmelita
06.05.2005, 02:14
Hallo,

ist hier vielleicht gerade noch jemand wach? Ich bin hochgeschreckt aus dem Schlaf, habe eine Panikattacke bekommen und schnell aufgestanden (als ich es wieder konnte). Mir geht es so elend zurzeit. Alles ist durcheinander geraten. Meine ganze Gefühlswelt, alles! Ich habe Angst davor, was die Zukunft bringt, Angst, dass meine Ehe das alles nicht übersteht und Angst, dass ich verrückt werde. Was ist nur mit mir los?

Wer ist noch wach? Bitte melden!

Gruss
Carmelita

Carmelita
06.05.2005, 03:32
Schade, leider nicht.

Ich überlege gerade, ob ich wieder schlafen geh, oder nicht... Oder ob ich, obwohl keiner hier zu sein scheint, schreiben soll (versuchen!), was mit mir los ist.... Ich glaube, ich versuche es einfach mal, obwohl ich nicht weiss, ob dies überhaupt so das richtige Forum dafür ist, aber ich glaube, im Offtopic dauert es länger, bis das Posting zu sehen ist...

Also: Mir geht es gerade furchtbar mies. Meine Panikattacken, die ich vor ca. 2 Jahren schon einmal vermehrt hatte, sind wieder da. Letztes Mal waren sie "nur", weil ich beruflich und privat zu sehr eingespannt war, zuviel Stress hatte. Aber diesmal.... Diesmal sind sie irgendwie schlimmer. Sie haben vermutlich mit meinem unerfüllten Kinderwunsch zu tun. Jedenfalls war das der Auslöser. Nun geht es mir zusehens schlechter und schlechter und ich weiss überhaupt nicht mehr, was in meinem Leben noch richtig ist und was nicht.

Sind meine Freunde richtig? Mein Beruf? Meine Lebenseinstellungen? Und das Schlimmste: Ist mein Mann der Richtige? Hab ich mit ihm eine Zukunft, liebe ich ihn noch? Wie soll mein Leben aussehen, wenn ich nie (!) ein Kind bekommen werde? Nicht jetzt, nicht in 5 Jahren, nie!?

Was ist dann der SINN meines Lebens?? Hab ich dann umsonst gelebt? Oder alles falsch gemacht?? Ich will nicht sagen, dass jeder, der kein Kind hat, umsonst gelebt hat; bitte versteht mich da nicht falsch! Aber ich habe für mich einfach keine Alternative! Dabei ist mir klar, dass ein Kind (adoptieren) gar nicht die Lösung meines Problems wäre!!!

Das Problem liegt nur in mir. In meiner Kindheit vielleicht. Oder in meinen Depressionen, die ich im Grunde mehr oder weniger habe, seit ich 10 Jahre alt bin (also seit leider ca. 20 Jahren). Und ich bin sicher, wenn ich mit mir im Reinen wäre (so wie Leute halt mit sich überhaupt im Reinen sein können), wäre das mit dem Schwangerwerden gar kein Problem mehr. Denn sowohl Ärzte als auch Heilpraktiker als auch Tina13, bei der ich letzte Woche "zum Blockaden-Finden" war, sagen, mein Körper sei GESUND. Also warum würde ich sonst nicht schwanger werden??

Irgendwie bin ich sogar froh, nicht schwanger zu werden, weil ich zurzeit damit wahrscheinlich, so traurig es ist, überfordert wäre... ;( Meine ganze Welt gerät aus den Fugen. WAS IST NUR LOS MIT MIR??? Dann noch ständig die Gedanken dazwischen "Wäre ich von einem ANDEREN Mann schon schwanger?? Würde es mir dann besser gehen??"

Ich weiss einfach nicht mehr, was ich machen soll. Ich bin ja noch in dieser Gruppentherapie (jaaa, immer noch!), aber das ist ja nur 1x die Woche für 1 3/4 Stunden... Das reicht mir irgendwie gar nicht.

Mein derzeitig wirklich größtes Problem ist, dass ich nicht weiss, wie es mit meinem Mann weitergehen soll. Er ist mein aller- allerbester Freund und ich war totsicher, dass ich ihn liebe. Und plötzlich ist ALLES in Frage gestellt. Auch diese Liebe. Ich bin mir plötzlich nicht mehr sicher... Das ist sooo ein schlimmes Gefühl, das glaubt Ihr nicht!!!!! ;(

Wir sind zusammen, seit wir 17 sind!! Wir sind durch dick und dünn zusammen gegangen. Haben alles mitgemacht - gemeinsam. Ich weiss, er liebt mich aufrichtig, ist ein ganz lieber, feiner Mensch. Und ich?? Ich ZWEIFLE?? Ich schäme mich so, ich schäme mich so.....

Und ich bin traurig. Was soll ich denn ohne ihn machen? Einerseits kommen dauernd so fiese Gedanken, dass ich mich trennen sollte (?!?), andererseits habe ich totale Verlust- und Trennungsängste. Spinn ich???

Mir geht es überhaupt nicht gut. Deshalb kann ich auch nicht schlafen, was ich um diese Uhrzeit eigentlich sollte.... Habe ich ja auch schon. Von 12 bis 1... Dann bin ich hochgeschreckt, weil ich nicht mal im Schlaf meine Gedanken abschalten kann.

Wirklich, ich bin kurz davor durchzudrehen. Ich habe schon überlegt, ob ich wieder Fluktin (Antidepressivum) nehmen soll. Das habe ich vor Jaaaahren abgesetzt und es klappte auch super - bis jetzt :-( . Jetzt geht es mir so schlecht, dass ich das Gefühl habe, dass es so nicht weitergehen kann und irgendwie scheint das niemand zu bemerken!!!!

Heute war meine glückliche, schwangere Schwägerin wieder kurz bei uns (bzw. gestern). Ich bin so neidisch. Ein hübsches, junges, schwangeres Mädel. Gesund durch und durch... Physisch und psychisch. Nicht, dass ich es ihr nicht gönne, nein. Aber es stimmt mich so traurig. Wieso ich wieder nicht??? Nicht nur nicht schwanger, auch nicht glücklich? WARUM?

Traurige Grüße
Carmelita

ElkeMaria
06.05.2005, 07:38
Liebste Carmelita,

das hört sich ja gar nicht gut an. Hoffentlich konntest Du noch wenigstens ein paar Stunden Schlaf finden.

Das wachliegen und sinnieren kenne ich auch . Gottseidank ist es bei mir nur in den ganz frühen Morgenstunden, so dass ich dann einfach aufstehen kann und mir einen etwas stärkeren Kaffee machen kann.

Ich denke, Du beantwortest Dir die Frage nach dem Auslöser in Deinem letzten Absatz selber. Deine Schwägerin war da. Schwanger, gesund, glücklich. Eigentlich alles, was Du selber für Dein Leben gern wärst.

Dass Du denkst, Du wärst mit einer Schwangerschaft und einem Kind total überfordert, verstehe ich auch. Es ist bei Dir ein so übermächtiger Wunsch. Du glaubst, jetzt schon mit Deinem Leben nicht fertig zu werden - wie dann erst mit einem kleinen Baby.

Was all diese Existensängste angeht, die Trennungsgedanken, ob denn Dein Mann der Richtige wäre, Freunde, Berunf und so weiter, da kann ich Dir leider gar nicht helfen. Aber Du schreibst, Du bist in Gruppentherapie. Gibt es denn nicht die Möglichkeit einer Einzeltherapie? Ich glaube nämlich nicht, dass in der Gruppe die Probelme des einzelnen so intensiv behandelt werden können wie es nötig wäre.
Außerdem kann man sich sehr gut ein bißl zurückziehen; die anderen machen lassen; seine eigenen Probleme hinten anstellen.

Ich glaube aber ganz fest, wenn Du diese alle Probelmatiken anpacken könntest, würde es auch mit dem Kind klappen; zumal doch Dein Körper bereit zu sein schein.

Vielleicht hab ich Dir doch ein bißl von Deinen schlimmen Gedanken nehmen können, auch wenn nicht der ulimative Tip dabei war.
Alles Liebe,

Elke
Denn Wünsche werden wahr, wenn im Herzen die Zuversicht ist.

Biggi
06.05.2005, 08:14
Guten Morgen, liebe Carmelita,

ich hoffe sehr, dass du inzwischen noch ein wenig schlafen konntest.

Ich habe nun dein Posting gelesen und gelesen,
und ich finde,
die gehen so viele Fragen im Kopf herum.
Zu viele eigentlich.

Wenn ein einem so schlecht geht,
mit allen Fragen des Lebens,
dann ist dies NICHT der Zeitpunkt, die alle zu beantworten,
oder auch nur beantworten zu wollen.


Panik fühlt man,
wenn die Angst ganz riesengroß wird.

Die Angst wird immer dann riesengroß,
wenn man ihr Widerstände entgegensetzt.
Wenn man sie nicht würdigt.
Oder, wenn man Angst vor der Angst hat.

Ich weiß nicht,
ob du annehmen kannst, was ich dir schreibe,
ich möchte es aber auf jeden fall versuchen.


So, wie ich dich empfinde,
bist du ein Mensch, der sehr, sehr viel fühlt.
Und gleichzeitig ein Mensch, der sehr, sehr viel denkt und fragt.

Das gibt einen Kampf der Titanen,
das ist ein Kampf Kopf gegen Bauch.
Und der kostet immer Ressourcen.

Dann rüsten Kopf und Bauch,
alle beide immer weiter gegeneinander auf.
Und so wird die Angst immer größer,
so kann Panik entstehen.

Da läuft was heiss.
So, wie beim Auto manchmal der Motor heiss läuft.
Weißt du,
das ist nicht der Moment, wo man einen gang höher oder tiefer schaltet,
oder die Fahrtrichtung ändert.

Das ist ein Moment,
da kuppelt man aus,
lässt rollen,
und sucht einen Parkplatz, einen Rastplatz.


So ist deine Situation nun keine,
in der man Antworten findet,
keine,
in der man das, was man gerade tut,
einen Gang höher oder tiefer tun sollte,
keine,
in der man Entscheidungen trifft.

Ich möchte dir gerne raten,
sofort Rast einzulegen.
Und mal zu verschnaufen,
so im wahrsten Sinne des Wortes.
Ausatmen.

Und dann nur zu fühlen.

Fühlen, und zwar OHNE ZU BEWERTEN,
was du fühlst.

Das bedeutet, ohne Kontrolle des Kopfes und der Gedanken zu fühlen.

So, nur so kannst du herausfinden,
was sich hinter all dem verbirgt.

Versuche doch mal gerne,
diesen kleinen Rastplatz für dich zu erreichen.

Und herauszufinden, was mit dir los ist.

Was du dann triffst, kann eine Emotion sein,
es kann ein körperliches Gefühl sein,
es können aber auch Bilder sein, die dir hochkommen.

Mit ihnen arbeitest du nach den Regeln der Emotionalkörpertherapie.
Annehmen, respektieren, bedanken.

Dann und nur so,
wird diese Emotion zu einer vernünftigen Größenordnung gelangen.

Emotionen werden nur dann überdimensional,
wenn wir sie kontrollieren oder ignorieren.

Das aber nur zur Perspektive.

Zuallererst wünsche ich dir,
dass du deinen kleinen Rastplatz findest.

Ich bin sicher,
dass Tina dir helfen wird dabei.


Lieber Morgengruss


Biggi

Carmelita
07.05.2005, 15:14
Liebe Biggi,

ich danke Dir sehr für Deine Antwort. Ich verstehe, was Du mir sagen willst und ich denke, Dein Vorschlag ist richtig. Ich BRAUCHE auch einen Rastplatz.

Ich habe aber solche Angst, was das Ergebnis sein wird, dass ich gar nicht abschalten KANN. Was, wenn ich als Antwort bekomme, dass alles, was ich bisher gemacht habe, falsch ist?? Was, wenn ich meinen Mann verlassen "muss"? Was, wenn ich darüber, dass ich weiss, was ich will und warum ich so fühle, alt werde? Zu alt für ein Kind? Ich bin "schon" 30 und wie alt werde ich,bis ich schwanger wäre?? 40?

Und ja, ich habe Angst. Auch vor der Angst. Die Angst ist übermächtig. Mit Tina zusammen habe ich die Angst beim EKT gaaanz groß werden lassen und ihr ein schönes Zimmer in meinem Bauch gegeben. Nur: Sie will da nicht bleiben, aber ich habe auch Angst, sie rauszulassen. Was, wenn ich dann durchdrehe??

Ich weiss, dass Gefühle, wenn man sie unterdrückt, nur stärker und umbarmherziger wiederkommen. Oh ja, das habe ich leider schon oft erfahren müssen. Aber ich habe sooolche Angst. Solche Angst.

Wir sind auch gerade dabei, ein neues Haus zu finden, aber ich habe meinem Mann schon gesagt, dass ich mich zurzeit gar nicht in der Lage fühle, ein neues Haus zu kaufen und umzuziehen etc. Weil ich einfach NICHTS MEHR WEISS. Nicht, was richtig ist, nicht was falsch ist.

Ich kenne meinen Weg nicht mehr und ich sehe nicht mal ein Licht, auf das ich zugehen kann. Mir geht es so schlecht, dass ich schon wieder kurz davor bin, Psychopharmaka zu nehmen (Fluktin?). Ich will einfach, dass es mir wieder gut geht. Mit oder ohne Kind -- das ist mir inzwischen schon fast egal.

Ich bin nicht mal mehr sicher, ob ich ein Kind will. Und die Familie meines Mannes, zu der ich mich immer so schön zugehörig gefühlt habe, bricht mir auch weg, entgleitet mir. Und irgendwie lasse ich das auch zu, aber es tut mir so weh. Aber ich kann einfach nicht ertragen, wie glücklich die alle sind, wie heil die Familie ist. Ich kann den schwangeren Bauch meiner Schwägerin zwar schon besser sehen als zuvor und auch das Baby der anderen Schwägerin kann ich schon besser akzeptieren, aber dieser "heile-Welt-Scheiss" geht mir andererseits auch auf den Keks. Und wenn ich meine Schwiegermutter mit ihrem "ei-ti-tei" höre, würde ich am liebsten gaaanz weit wegrennen. Und das tut mir selber so leid. Das war doch meine Familie :-(.

Ich weiss, ich denke zuviel und ich fühle vor allem zuviel. Du hast wohl recht - das ist ein Kampf der Titanen. Aber ich kann beides nicht ausstellen. Ich WILL es ja! Aber mein Verstand ist da und mein Gefühl ist da und vor allem zweiteres würde ich so gerne mal auf Urlaub schicken.

Ich habe versucht, so wie Tina es mir beigebracht hat, Engeln meine schweren Gefühle mitzugeben, aber die wollen die Last nicht. Bzw. sie helfen mir allerhöchstens beim Tragen, aber loslassen geht einfach nicht.

Alles fühlt sich bei mir wie eine offene Wunde an. Mir geht es zwar besser als gestern nacht, aber da ist noch ein schmerzendes Gefühl in der Magengegend... Und immer die Angst, dass die Angst gleich wiederkommen könnte, mich in den Nacken packen, sich in meinen Magen einsperren und mir den Schweiß auf die Stirn treiben könnte. Und ich würde sogern wissen, was los ist und habe Angst vor der Antwort. Angst, Angst, Angst.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu verwirrend... Ich hoffe, wir sehen uns bald mal persönlich. Und ich hoffe, es wird mir helfen. Ich habe so langsam immer weniger Hoffnung, dass mir übergaupt noch irgendwas hilft. Oder irgendwer. Ich habe die Angst, dass ich mich nun für immer so fühlen werde.

Liebe Grüße
Carmelita

Biggi
07.05.2005, 17:57
Meine Liebe,

was du jetzt brauchst,
ist nicht ein einziger Gedanke an die Vergangeheit,
und nicht ein einziger Gedanke an die zukunft.

Alles, was du brauchst, ist dieser rastplatz.

Der ist: Hier und Jetzt.
In diesem Augenblick.

Tritt auf die Bremse Liebes,
und sei mal hier und jetzt.

Nimm die Dinge um dich herum wieder wahr,
nimm dich selbst wieder wahr.

JETZT ist deine Angst gerade nicht da.

Das ist dein Strohhalm.

Greif zu und verschnaufe.

ganz lieber Gruss
Biggi