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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : habe ich einen fehler gemacht ??


Kirsten1971
26.12.2005, 11:42
hallo ihr lieben
ich brauche dringend euren rat und eure meinung !!
gestern hatten wir unser alljährliches weihnachtstreffen bei den schwiegereltern. fünf meiner schwägerin und ich hatten ein zuerst noch nettes gespräch, dann kam plötzlich das thema krankenhäuser und natürlich unweigerlich fragen über unseren kleinen stern. das fand ich ja auch besser als das ewige schweigen darüber, aber dann fing meine eine schwägerin an zu erzählen wie es bei ihrer ss lief. sie hatte einen blasensprung in der 26. ssw , kam in die uniklinik, lag 4 wochen stramm mit wehenhemmer. in der 30. ssw kam max dann per ks , er konnte schon alleine atmen, hatte nur atemunterstützung und ist heute ein kerngesunder vorschüler. ich sagte meiner schwägerin das sie viel glück hatte aber bei mir war es ja schon die 20 ssw wo der blasensprung war. ich hatte mich dafür endschieden die geburt nicht aufzuhalten, weil mir das risiko zu groß war später ein schwerstbehindertes kind zu haben, die ärzte haben mir auch dazu geraten. meine schwägerin ist der meinung ich hätte es versuchen müssen und mein kind nicht aufgeben dürfen. das hört sich echt so an als ob ich mein baby umgebracht hätte. ich habe die ganze nacht nicht geschlafen, nur noch geweint, ich habe jezt echt zweifel ob das die richtige entscheidung war. habe ich mich echt richtig endschieden oder hätte ich mehr für mein kind tun können?? ich bin im moment total verzweifelt und traurig- ich brauche eure meinung und euren rat .
traurige grüße kirsten 1971

Chantal mit Lina
26.12.2005, 12:00
Liebe Kirsten,

bitte glaub mir du hast keine Fehler gemacht. Ganz sicher nicht. Wo du den Blasensprung hattest denke ich mal das du dir ganz genau überlegt hast was du nun machen sollst. Und ich glaube eine Mutter hat es im Gefühl, was das beste in dieser Situation ist. Du kannst nichts ungeschehen machen, du darfst dir diese Frage, ob es ein Fehler war aber auch nicht stellen. Denn ich glaube das würde deinem Kleinen Engel gar nicht gefallen. Es hatte seinen Grund warum dein Engel zu den Sternen wollte. Deine Schwägerin hat sicher auch das richtige gemacht, aber sie hat das richtige in IHRER Sitution gemacht. Und du hast ganz sicher das RICHTIGE in deiner Sitution gemacht.
Quäle dich nicht mit solchen Gedanken. Nehme es als Geschenk das du das Glück hattest einen kleinen Engel in dir zu tragen.

Ich weiss es ist immer einfacher gesagt, ich selbst habe immer noch starke Probleme mit Lina´s Tod fertig zu werden, denn ich vermisse sie sehr und lange habe ich mir dir Schuld an ihrem Tod gegeben. Doch meine Tochter hätte sicher nicht gewollt, das wir solche negative Gedanken haben.

Du bist eine Tolle mama, denn du wirst nie vergessen was für ein tolles Kind du in dir getragen hast.

Ich drück dich einfach mal....

sabrina80
26.12.2005, 12:45
Liebe Kirsten,
wenn du möchtest, dann leg deinen Kopf an meine Schulter und weine dich erst mal aus!
Wie schon Chantal sagt, eine Mutter hat im Gefühl was richtig und was falsch ist! Du hast die richtige Entscheidung getroffen! Jeder kann nur für sich entscheiden, deshalb nimm dir die Worte deiner Schwägerin nicht so zu Herzen. Vielleicht hätte sie in deiner Situation genauso entschieden, doch das kann sie nicht wissen, denn ihre Situation war eine andere!
Laura durfte ja 33 Stunden bei uns sein, doch ich habe tief im inneren gewußt, sie hat keine Chance! Sven war da hoffnungvoller! Ich sage immer, es war der Mutterinstinkt, ich habe gewußt, sie darf nicht bei uns bleiben!
Genauso hast du gewußt, was das beste für deine Tochter ist!

traurige liebe Grueße

Sabrina mit Laura Sophie (*08.08.05 +09.08.05) ganz fest im Herzen

TTanja
26.12.2005, 13:09
Liebe Kirsten,

... weißt du, diese Frage hab ich mir auch schon 100 mal gestellt....
Lee starb auch nach einem SS- Abbruch in der 21. SSW. Den Blasensprung hatte ich in der 17. SSW.

Die Ärzte hatten mir auch zum Abbruch geraten....
Ich hatte lange Diskussionen mit Ärzten und Psychologen. :-( Die mich aber letztendlich nicht weiterbrachten, weil du ja irgendwie mit der Entscheidung alleingelassen wirst. Du wirst ja nur beraten.

Als Lee geboren war, war er tot.... ich hatte es nicht glauben wollen, obwohl es mir die Ärzte prophezeit hatten. Und ich war geschockt.

Und ich weiß nicht, ob du dein Baby gesehen hast.... aber Lee war so klein... so winzig... und doch vollkommen. Und ich hätte es nicht ertragen, wenn er hätte beatmet werden müssen. Dieser kleine zierliche Körper.... Er hätte Schmerzen gehabt. :-(

Und doch taucht immer wieder die Frage auf: hab ichs richtig gemacht? Was wäre denn gewesen, wenn er überlebt hätte und wäre schwerstbehindert? Wäre das besser? Oder für wen wäre es besser? Bin ich ein Egoist, weil für mich alles besser wäre als ein totes Baby?

Ach, Kirsten,
ich denke mal, wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.... und wir haben aus Liebe gehandelt. Und unsere Babys wissen das! Da bin ich mir ganz sicher. :-(

Ach Mensch.....
es tut mir einfach total leid....

Traurige Grüße

Tanja mit Linda an der Hand http://www.am-horizont.de/smilies/3358.gif
und den Sternenkindern Lee (+ 2.05.03) und Amy (+ 11.07.04)http://www.am-horizont.de/smilies/ura.gif

KathrinKr
27.12.2005, 21:21
Liebe Kirsten,

ich finde das, was deine Schwägerin von sich gibt, unendlich naiv. Sie hat wahnsinniges Glück gehabt. Ich kenne ganz andere Frühgeborene, die auch heute mit 11 Jahren noch nicht selbsständig essen und trinken, geschweige denn laufen können und von denen eines blind, eines taub ist.

Sei ganz lieb gegrüßt!
Du hast dir deine Entscheidung garantiert nicht leicht gemacht.

Kathrin

Stefanie_Hamburg
28.12.2005, 11:16
Liebe Kirsten,
in meiner ersten Schwangerschaft hatte ich einen vorzeitigen Blasensprung in der 18. SSW. Wir wurden nicht über die Risiken für das Kind und für mich aufgeklärt (das ganze passierte im Urlaub in Spanien) und ich lag im Krankenhaus (strenge Bettruhe, durfte noch nicht mal zur Toilette aufstehen) und hoffte. Nach 2,5 Wochen war mein Sohn tot (keine Herztöne mehr, er war nach dem Blasensprung auch nicht mehr gewachsen). Wäre ich umfassend über die Risiken für das Kind (nur geringe Überlebenschancen, wenn überhaupt, dann schwerstbehindert, denn ohne Fruchtwasser kann sich z.B. die Lunge nicht richtig entwickeln) und für mich (Gefahr einer lebensbedrohlichen Infektion) informiert worden, hätte ich sofort die Geburt einleiten lassen. Deine Schwägerin hat riesiges Glück gehabt, allerdings war bei ihr der Blasensprung zu einem Zeitpunkt passiert, als das Kind schon lebensfähig war (nach der 24. SSW). Außerdem vermute ich, dass sie Fruchtwasser nachgebildet hat, denn nach vier Wochen auf dem Trockenen hätte ihr Kind sonst wohl kaum nach der Geburt alleine geatmet.
Mach Dir keine Vorwürfe, Deine Situation war einfach eine andere als Ihre.
Wenn Du Dich gerne mit anderen Frauen, die ihr Kind durch vorzeitigen Blasensprung verloren haben, austauschen möchtest, dann lade ich Dich ein, in meiner Mailinggruppe vorbeizuschauen (siehe mein Profil).
Viele Grüße
Stefanie

Nadia28
28.12.2005, 18:58
Liebe Kirsten,

genau wie die anderen bin ich der Meinung, dass Du in Deiner Situation das "richtige" gemacht hast. In einer solchen Situation muss jeder für sich und sein Kind entscheiden, es ist das eigene Gefühl das, worauf man hören sollte.

Außerdem war Deine Schwäherin in einer ganz anderen Situation, sie war in ihrer ss viel weiter. Mir haben die Ärzte im Kh gesagt (ich kam in der 21. ssw mit Blasensprung ins kh), dass die Situation ab der 26. Woche eine völlig andere ist, da ist es schon rein rechtlich so, dass man "nicht einfach so" die SS abbrechen kann. Ich möchte jetzt nicht mit der "rechtlichen" Seite anfangen, da es hier einzig und allein um die persönlichen Gefühle geht, aber ich möchte Dir nur verdeutlichen, wie unterschiedlich Eure Situationen waren/sind.

Die Überlebenschance der Kinder ist in der 26. SSW um ein vielfaches höher als in der 21. SSW. Die Ärzte haben mir gesagt, dass jeder einzelne Tag zählt und die Chance, dass Leon überlebt, mit jedem Tag wächst. Ich habe vier Wochen gebangt und gehofft und mein Leon ist in der 26. Woche geboren, hat es aber dennoch nicht geschafft, da seine Lungen sich wegen des fehlenden Fruchtwassers nicht ausreifen konnten - es gibt leider nie einen sicheren Weg.

Bitte, mach Dir keine Vorwürfe, jeder muss für sich entscheiden, es gibt leider keinen ultimativen Weg der mit Sicherheit einen guten Ausgang hat. Unsere Kinder haben es leider nicht geschafft, das tut weh und wir fragen uns ständig, was wir anders hätten machen sollen, aber wir sollten uns nicht in Vorwürfen verstricken, das hätten unsere kleinen Engel nicht gewollt.

Liebe Grüße
Nadia mit Leon (*+ 19. Januar 2005) für immer im Herzen

Christine313
28.12.2005, 22:33
Liebe Kirsten,

mach´dir bitte keine Vorwürfe, du hast so gehandelt wie es zu dieser Situation die einzig richtige Entscheidung war.

Im Nachhinein und als Außenstehende und mit zeitlichem Abstand hat man immer gut reden...

Du hast dir damals bestimmt auch jegliche Situation und Möglichkeit ausgemalt und durchgespielt, und du bist zu diesem einen Entschluß gekommen der sich für dich als der einzig Richtige anfühlte.

Sei nicht traurig und versuche den Worten deiner Schwägerin nicht so viel Gewicht beizulegen.

Liebe Grüße
Christine