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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Trauerzeit


Susanne 34
22.10.2005, 12:43
Hallo Ihr Lieben,
jetzt sind es mehr als 6 Wochen, dass unser David zu den Sternen gegangen ist. Die Trauer ist anders geworden, aber nicht weniger. Bekannte und Freunde leben ihren eigenen Alltag und fragen nur noch selten, wie es mir geht. Ich nehme ja auch wieder voll am "Leben" teil, aber es wird nie mehr so sein wie vor Davids Tod. Vor 3 Tagen, ich dachte schon, ich hätte mich zumindest seelisch stabilisiert, ging es wieder richtig abwärts. Gestern habe ich dann auch wieder vor den Kindern weinen müssen, was ich eigendlich gar nicht will, ihnen geht es nämlich auch nicht so gut.
Und jetzt stellt euch vor: Gestern habe ich gesehen, dass mitlerweile die 3!!!! Nachbarin in unserem Mietshaus schwanger ist. All die Jahre hätte ich mir wenigstens mal eine Familie mit gleich alten Kindern gewünscht und jetzt sind 3 Frauen schwanger und ich sitze hier und weine. 2 der Frauen sind ungefähr so weit, wie ich wäre, wenn Davids Tod uns nicht alle Freude genommen hätte. Wie soll ich bloß Allen aus dem Weg gehen, ich muß ja schon weinen, wenn mein Mann erzählt, dass er eine von ihnen gesehen hat. Wie soll das bloß weitergehen?
Noch eine Frage an euch: Ich war vor Davids Tod immer gesund gewesen. Nach seiner stillen Geburt hatte ich eine langwierige Magenentzündung und seit einer Woche nun ganz schlimme Rückenschmerzen (so wie ein Hexenschuss). Ich kann mir natürlich denken, dass es seelische Gründe hat. Ging oder geht es euch auch so? Warum muss ich zu all den Tränen, zu der Schlaflosigkeit, zu den Konzentrationsproble-men...jetzt auch noch solche starken körperlichen Schmerzen haben?
Ich kann meine Kinder nicht mehr hoch heben, mich nicht bücken...
Gerade fühle ich mie so sehr gestraft vom Leben und weiss gar nicht warum?
Traurige Grüsse von Susanne aus Berlin

Tanja11
22.10.2005, 14:25
Liebe Susanne,

ich kenne das zu gut.Meine kleine Mara ist seit dem 15.August nicht mehr bei uns und es tut immer noch so weh.Auch wie Du sagst ist es so schmerzhaft andere Schwangere zu sehen, ich gönne es von Herzen jeder Frau -aber immer die Frage warum ich nicht?? Und wir werden einfach nie eine Antwort bekommen.
Meine Hebamme sagte zu mir:"stehe jeden Tag auf, funktioniere einfach
auch wenn es noch so schwer fällt und irgendwann noch ganz weit weg aber irgendwann wird es ein Tag geben wo Du wieder lächeln kannst und irgendwann kommt der Tag wo Du wieder lachen kannst".Diesen Satz möchte ich Dir schicken.
Deine körperlichen Beschwerden kommen auch ganz sicher von Deinem
seelischen Zustand, denn Körper und Seele kann man nicht trennen.
Viel Kraft und gute Tage für Dich
von Tanja mit Engelchen Mara

Constance
22.10.2005, 14:34
Liebe Susanne!

Ich kenne das Problem. Seit Cedric´s Tod habe ich oftmals Verspannungen, mein Magen ist sehr empfindlich und oftmals ein Gefühl, als ob mein Hals zugeschnürt ist.

Körperlich bin ich völlig gesund.... es ist halt psychisch bedingt.
Die Beschwerden treten immer dann auf, wenn es mir psychisch schlecht geht.

Liebe Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen
Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

Sonja64
22.10.2005, 17:54
Liebe Susanne,

die Trauer fragt nicht nach der Zeit. Sie verändert sich, sich ist nicht mehr dauernd so heftig, aber sie kommt auch später noch ab und zu ganz stark.

Ich schubse Dir mal die Geschichte vom Trauerkind nach oben, die Geschichte beschreibt die Trauer sehr gut.

Körperliche Schmerzen nach der stillen Geburt von Gilles hatte ich auch. Mir tat jeder Knochen weh, die Haut tat weh, ich konnte kaum den Kopf hoch halten, hatte Rückenschmerzen. Mir war schlecht, ich hatte Magenschmerzen und Bauchschmerzen. Alles an meinem Körper, jede Faser schmerzte - nur meine Kaiserschnittnarbe nicht. Ich spürte sie vor lauter anderer Schmerzen fast gar nicht.

Nach und nach wurde es besser. Ich trauerte heftig. Und je mehr ich geweint habe, um so besser ging es mir körperlich. Heute kommt die Trauer zwar noch regelmäßig, aber anders. Es ist besser geworden.

Ich weiß nicht, ob Dir meine Zeilen helfen. Ich wünsche Dir, daß Du die Zeit für die Trauer hast, die Du brauchst.


Alles Liebe

Sonja
mit Sternilein Gilles

Gaby888
23.10.2005, 20:41
Liebe Susanne.

Es tut mir so unendlich leid, dass du deinen Schatz gehen lassen mußtest - so unendlich leid!!

Ich kann dir zwar nichts über körperliche Beschwerden berichten aber etwas über die Trauer und das Gefühl, es "geschafft" zu haben. Es ist jetzt 1 1/2 Jahre her, dass ich meine Drillinge verloren habe und es gibt immer wieder Momente, in denen ich so sehr vermisse....
Es gibt Zeiten da denkst du, JETZT habe ich es im Griff, ich kann damit leben. Und dann passiert etwas völlig unvorhergesehenes: deine Kollegin wird schwanger, eine Freudin feiert und plötzlich steht da eine mit dem Kinderwagen.... oder oder oder
Und plötzlich ist all deine Kraft verpufft....
Aber ich kann dir versichern: Die Abstände werden größer und es wird besser. Es braucht viel viel Zeit!
Ich weine heute noch um meine Kinder, wenn mich etwas Unvorhersehbares "kalt" erwischt.

Ich wünsche dir viel viel Kraft und Energie und nehme dich zart in den Arm!

Herzliche Grüße

Gaby mit den vier Sternenkindern Lina, Max und Pünktchen (19+6SSW) und Krümel (6.SSW) ganzn ganz fest im Herzen

Susanne 34
25.10.2005, 22:28
Hallo ihr lieben Frauen,
vielen Dank für eure mitfühlenden und tröstenden Worte.
Heute geht es mir relativ gut, dass heißt, ich vergesse sogar manchmal für Momente, was geschehen ist. Solche Tage sind sehr wichtig, um die Tage der tiefen Verzweiflung zu überstehen.
Mein Rücken ist etwas besser geworden, dafür kann ich wieder mal kaum schlafen. Kennt eine von euch vieleicht irgendein "Geheimrezept" gegen diese schreckliche innere Unruhe?
Viel Kraft auch für euch und einen liebevollen Gruß zu unseren geliebten Sternen von Susanne aus Berlin

astrid
29.11.2005, 22:55
Liebe Susanne,
es ist schrecklich, dass Du Deinen kleinen David still zur Welt bringen musstest. Ich kann mir vorstellen wie Dir zu mute ist und möchte Dir ganz viel Kraft schicken- in dieser schweren Zeit.

Rückenschmerzen kenne ich erst jetzt- Gregors stille Geburt ist dann auch schon 10 Monate her und erst jetzt habe ich mein ursprüngliches Gewicht wieder und eben schreckliche Verspannungen und Rückenschmerzen. Dagegen helfen warme Bäder, Massage und Rückenübungen und natürlich ganz wichtig: Trauerarbeit

Die Schlaflosigkeit kenne ich ebenfalls- die unerträgliche Unruhe. Ich habe mir damals alle Bücher zum Thema stille Geburt etc. ausgeliehen, die ich bekommen konnte und habe ganze Nächte im Internet verbracht. Das hat tatsächlich geholfen...Und natürlich ein guter "Schlaf-gut-Tee" aus der Apotheke.

Gib Dir Zeit und Ruhe.

Ich hatte übrigens auch zwei schwangere Frauen im Haus- eine die genau zeitgleich wie ich war und die andere hat ca. 4 Wochen nach mir entbunden. Ich habe mich ihnen bewußt so bald wie möglich "gestellt" und auch von meinen Ämgsten und Nöten erzählt (natürlich nicht so zwischen Tür und Angel). Das hat ihnen und mir gut getan! Und heute sind hier zwei süße Babys, die mich ständig daran erinnern, dass mein Gregor jetzt auch hier sein könnte, was mir aber nicht mehr das Herz zerreisst, weil er nicht verschwiegen wird und deshalb trotzdem irgendwie anwesend ist!
Ich hoffe das war jetzt nicht zu wirr;-)

Alle Liebe!

sabrina80
30.11.2005, 15:53
Liebe Susanne,
erstmal möchte ich dich ganz fest in den Arm nehmen. Auch mir geht es noch heute, 17 Wochen nach Lauras Tot, immer wieder mal sehr schlecht. Habe sehr oft eine innere Unruhe und trinke dann einfach eine Tasse Tee. Nicht irgendein Tee, nein, es ist ein Beruhigungstee aus Passionsblüten. Es gibt auch noch einen Stressblocker-Tee mit Lemon, dieser hilft mir auch immer sehr gut! Wenn ich merkt, es geht jetzt garnicht mehr, dann lasse ich einfach meinen Gefühlen freien lauf, weine, schaue mir die Fotos an und denke einfach nur an meine kleine Maus. Unterdrücke bitte nicht deine Gefühl, sie müssen gelebt werden! Gehe jetzt auch täglich mit unserem kleinen Hund an die frische Luft, dass ist auch sehr, sehr hilfreich! Hoffe, ich konnte dir wenigstens etwas helfen!

traurige liebe Grueße

Sabrina mit Laura Sophie ganz fest im Herzen

Susanne 34
01.12.2005, 12:51
Liebe Astrid, liebe Sabrina,
vielen Dank für eure mitfühlenden Worte. Die Rückenschmerzen bin ich jetzt los, dafür spielt der Magen wieder verrückt. Aber ich versuche jetzt einfach zu akzeptieren, dass es mir nach Davids Tod eben auch nicht gut gehen kann. ich denke ja auch, dass der beste Weg zur Heilung der ist, durch die Trauer durchzugehen, so sehr es auch weh tut. Die 2 Tees werde ich mir gleich mal kaufen. Tee trinken ist ja sowieso eine feine Sache.
Sehr traurig bin ich darüber, dass meine Eltern so tun, als hätte es David nie gegeben. Wie ist dass bei euren Familien?
Viele liebe Grüße aus dem sonnig kalten Berlin von Susanne

sabrina80
01.12.2005, 16:27
Liebe Susanne,
ja, die Familie lebt einfach ihr Leben weiter, als wäre nichts passiert! Finde ich auch nicht so schlimm, doch wenn man dan mal zu irgendeiner Familienfeier oder Einladung nicht hingeht, weil es an diesem Tag wiedereinmal nicht gerade "so gut geht", dann bekommt man Vorwürfe! Mir wurde mal gesagt, ca. 8 Wochen nach Lauras Geburt/Tot, wenn ihr einkaufen geht für eure neue Wohnung, dann könnt ihr auch auf Geburtstage gehen. Als ich dann das letzte mal bei meiner Schwester unverhofft ein kleines Baby (8Wochen) sah, und es mir sehr schlecht ging, hieß es von meiner lieben Schwägerin, wenn ich es nicht ertragen kann, kleine Babys oder Kinderwagen zu sehen, dann sollte ich mich in Therapie begeben, es wäre ja nicht normal! Es tut verdammt weh, wenn man in so einer Situation auch noch solche Vorwürfe gemacht bekommt! Den Kontakt zu meiner lieben Schwägerin habe ich abgebrochen. Weißt du was besonders schlimm an der Sache ist, sie hat das Buch von Hannah Lottrop gelesen, es mir damals sogar extra gegeben, und dann solche Aussagen! Bin einfach der Meinung, sie hat es nicht gelesen! Wie du siehst, auch bei uns gibt es nach 17 Wochen teils kein Verständnis für unsere Trauer, aber auch mit solchen Dingen müssen wir leben! Nehme dich einfach mal in den Arm, glaube mir, es wird irgendwann etwas besser! Überigens, habe heute auch wieder so eine Unruhe in mir, morgen wäre der ET von Laura Sophie!
traurige liebe Grueße

Sabrina mit Laura Sophie ganz fest im Herzen