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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hallo,ich bin neu hier!


GabiRobel
05.10.2005, 14:54
Hallo,ich bin heute zum ersten Mal hier im Forum und denke ich sollte mich kurz vorstellen.
Mein Name ist Gabi,ich bin 38 Jahre alt und habe (mit meinem Stern) 4 Kinder. Sascha starb 1991 bei der Geburt.
Ich muss sagen,Ärzte und Familie liessen mich mit der ganzen Trauer sehr alleine.
Wie gut wäre damals eine Gruppe wie diese gewesen !!!!
Ich werde mich also in nächster Zeit erst einmal durchs Forum lesen. Und ich hoffe,dass ich mich das ein oder andere Mal auch einbringen kann.

Ulrike Yannah
05.10.2005, 21:07
Liebe Gabi,

ein trauriges Willkommen hier im Forum. Für Dein Sternenkind *Sascha* zünde ich ein Kerzlein an:

http://www.beepworld.de/memberdateien/members36/kikik/kerze_hochoval.jpg

Wenn Du magst, kannst Du hier gerne erzählen, was auf Deiner Seele liegt. Ich möchte Dir Mut machen, denn ich habe erst hierher gefunden, als meine Tochter Rebecca schon fast "erwachsen" war und ganz viel Verständnis, Hilfe und Unterstützung bekommen.

Ich sende Dir liebe Grüße
[font color="#993333"][FONT FACE="Century Gothic"]Ulrike mit zwei einzigartigen, erwachsenen Kindern, einer wundervollen Enkelin und einem Sternen-Engel Rebecca http://www.kprkpr.de/Weihnachten/Weihnachtsbilder/Sterne/ster11.gif
http://www.beepworld.de/members88/rebeccasseiten

GabiRobel
06.10.2005, 17:43
Hallo Ulrike,

Danke für deine lieben Worte.
Ich habe mich auf deine Homepage geklickt,und habe fürchterlich geweint ,als ich deine Geschichte gelesen habe. Vieles,was du beschrieben hast,kam mir sehr vertraut vor. Es tut mir sehr leid,dass du all das durchmachen musstest.

Ich werde dir meine Geschichte erzählen....vermutlich wird es etwas länger dauern alles niederzuschreiben....mit Tränen in den Augen ist der Monitor so schlecht zu erkennen...

Sascha ist mein zweites Kind.Meine Tochter Nadine war zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre alt.
Meine Schwangerschaft verlief - laut Frauenarzt - vollkommen normal.
Sascha war zwar die ganze Zeit über kleiner als seine schwester,aber immer noch im Bereich des Normalen....
Also war ich in der 38. SSW zu meinem normalen Vorsorgetermin beim Arzt....Ultraschall,Wehenschreiber,Herztöne....all es normal...
Da er wegen eines Notfalls "meinen " Wehenschreiber brauchte,wurde ich für den nächsten Tag erneut bestellt....Ich ging also mit Nadine zusammen hin.
Der Wehenschreiber wurde angeschlossen,doch die Sprechstundenhilfe konnte keine herztöne lokalisieren.....also wurde der Arzt gerufen....ein Ultraschall brachte die Gewissheit....mein Baby war tot. Meine Tochter stand neben mir und mir blieb nichts anderes übrig,als stark zu bleiben. Man schickte mich einfach wieder nach Hause und riet mir mich sofort im Krankenhaus vorzustellen.
Zu Hause rif ich meinen - damaligen - Mann auf der Arbeit an und bat ihn nach Hause zu kommen.
Nachdem wir meine Tochter zu den Schwiegereltern gebracht hatten,fuhren wir zum Krankenhaus.
Erst ließ man uns stundenlang in der Aufnahme sitzen.Dann - als endlich jemand Zeit für uns hatte - rief man uns auf die Frauenstation. Dort wurde ich - alleine - ins Behandlungszimmer "gebeten",wo der Stationsarzt,der Chefarzt,der Oberarzt und eine Sekretärin sowie eine Assistentin warteten.Alle waren bei der Chefarzt-Untersuchung dabei....das erste was er fragte war,wieviele Zigaretten ich denn wohl am Tag rauche und ob ich Drogen nehmen würde. Dabei rauche ich nicht,trinke während der Schwangerschaft keinen Alkohol und nehme bestimmt weder Drogen noch irgendwelche Medikamente.....
Danach entließ man uns auf die Frauenstation. Der stationsarzt redete mir noch eindringlich ins Gewissen auf jeden Fall einer Obduktion zuzustimmen.
Dann ließ man mich für 1 1/2 Tage auf meinem Zimmer liegen.Das waren die schlimmsten Tage meines Lebens,dort zu liegen,mit meinem toten Sohn in meinem Bauch.....
Endlich entschied man sich,die Geburt einzuleiten....die Alternative Kaiserschnitt wurde entschieden abgelehnt.....Man versprach mir aber,mir etwas zu geben,was "das Ganze" einfacher machen würde.
Mittlerweile habe ich vier Kinder zu Welt gebracht,aber keine Geburt war schmerzhafter als diese. Und das Grausamste war - was auch immer man mir verabreicht hatte - ich bekam alle Gespräche um mich herum mit,konnte mich aber nicht bemerkbar machen.So konnte ich zuhören ,wie meine Mann mit der Hebamme zur Überzeugung gelangte,dass es besser wär,mir mein Kind nicht zu zeigen....und ich konnte dem Stationsarzt zuhören,wie er Witze machte,als er mich von meinem Sohn entband.....Das Einzige,was blieb....ist ein Foto....aber selbst da hielt es keiner für notwendig,meinen Sohn wenigstens etwas zu säubern,oder ihm etwas überzuziehen. "Schließlich ist es ja nur für den Notfall"...Mein Sohn kam in die Pathologie und ich für ein paar Stunden zurück auf mein Zimmer. Zum Glück habe ich mich schon während der Schwangerschaft für eine ambulante Geburt entschieden und meine Hebamme wartete zu Hause auf mich. Ohne sie hätte ich diese schlimme Zeit nicht überstanden.Sie war die Einzige ,die mir wirklich mit Rat und Tat zur Seite stand.Sie begleitete mich auf meinem Spießrutenlauf zu den Behörden....
Jeder gab mir zu verstehen,dass es ja wohl meine Schuld sein müsse...
Erst 6 Wochen nach der Beerdigung gekamen wir endlich den Abschlussbericht vom Krankenhaus. Da erfuhr ich dann auch zum ersten Mal,dass mein Sohn ohne sein Herz geerdigt wurde.Da die Untersuchung zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war.
Für jeden Außenstehenden nur eine Lapalie,für mich in diesem Moment die Hölle auf Erden.
Aber ich hatte Glück im Unglück.Der Arzt der mir den Bericht "übersetzte",nahm sich sehr viel Zeit....mit Tränen in den Augen ging er Wort für Wort mit mir durch,tröstete mich und riet mir,mir mit einem weiteren Baby Zeit zu lassen.
Es stellte sich heraus,dass sich zum Einen die Plazenta zur Hälfte abgelöst hatte und das mein Sohn einen sehr schweren Herzfehler hatte....Warum die ganzen Untersuchungen via Ultraschall beim Frauenarzt......meine Hebamme sagte mir,er hätte es erkennen müssen,und man hätte frühzeitig über einen Kaiserschnitt nachdenken müssen.Denn selbst wenn er noch durchgehalten hätte,sein Herz hätte eine normale Geburt nicht überstanden.
Also denke ich heute,es war vermutlich besser so....zumindest für ihn.
Mein Mann und auch seine Familie ließen mir nun nicht viel zeit um zu trauern.....schließlich war er ja noch gar nicht da....und so wurde ich sehr schnell wieder schwanger.Diese Schwangerschaft wra die reinste Hölle,denn die Ärzte ließen mich zu unzähligen Untersuchungen antanzen....schließlich musste man ja sicher gehen,dass dieses Kind gesund ist.....sogar nach der 20.SSW sprachen die Ärzte noch von einem möglichen Abbruch.....aber Gott sei Dank,meine Tochter kam kerngesund zur Welt....weder zu früh noch untergewichtig oder hypernervös....für mich auch heute noch ein Wunder :D

Es gäbe bestimmt noch vieles zu erzählen,aber ich denke fürs Erste reicht es ;-)

Ich danke dir fürs Zuhören !!!:*

Ulrike Yannah
06.10.2005, 21:24
zunächst mal danke für Deine Zeilen und dass Du uns von Dir und Deinem *Sternenkind* erzählt hast. Manchmal habe ich richtig die Luft angehalten beim Lesen, weil das ja wirklich viel ist, was Du erleben musstest. Und leider hast auch Du die Erfahrung machen müssen, wie hilflos und ignorant manche Menschen sind (damit meine ich zum Beispiel die Beschreibung des Arztes, der auch noch Witze gemacht hat, während Dein Baby tot geboren wurde)

Darf ich Dich mal fragen, wie Deine Tochter Nadine diese Erlebnisse alle verkraftet hat? Hintergrund meiner Frage ist, dass meine "große" Tochter damals sieben Jahre war und sie z.B. ignoriert dieses Thema bis heute völlig.

Liebe Gabi, für heute sende ich Dir viele liebe Grüße und wenn ich darf, nehme ich Dich mal ganz vorsichtig und leise in den Arm ...

[font color="#993333"][FONT FACE="Century Gothic"]Ulrike mit zwei einzigartigen, erwachsenen Kindern, einer wundervollen Enkelin und einem Sternen-Engel Rebecca http://www.kprkpr.de/Weihnachten/Weihnachtsbilder/Sterne/ster11.gif
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GabiRobel
06.10.2005, 23:00
Liebe Ulrike,

für meine Tochter Nadine war es eine schlimme Zeit,aber sie war die ganze Zeit - außer während der Geburt im KH - bei mir. Wir haben von Anfang an über alles geredet und zusammen geweint...und wir haben uns zusammen unseren Sascha immer wieder auf dem Foto angesehen.
Wir sind jeden Tag zum Friedhof gegangen und haben mit ihm geredet.
Es macht uns auch heute noch traurig aber wir wissen ,dass er immer bei uns ist.....auch für meine beiden Jüngeren ist Sascha Teil unseres Lebens.Wenn sie zB in der Schule nach ihren Geschwistern gefragt werden,sprechen sie von allen Dreien.
Viel Schlimmer waren für Nadine die Ereignisse ,die folgten:
Ich war im 7.Monat mit meiner jüngeren Tochter Vanessa schwanger,als mein Mann einen schweren Arbeitsunfall hatte....er ist seitdem im Wachkoma und in einem Pflegeheim untergebracht.Darüber kann sie nicht reden.....und wenn sie doch einmal über ihren Vater spricht,hat sie nur sehr negative Erinnerungen.....aber über ihren kleinen Bruder spricht sie mit sehr viel Gefühl.
Seit geraumer Zeit leben wir mit einem "neuen" Mann zusammen,und auch meine Töchter sagen "Papa" zu ihm.Er ist der Sohn meines jüngsten Sohnes.....und er hat es mir ermöglicht,einen Grabstein für Sascha aufzustellen.....auch für ihn gehört Sascha also zur Familie.
Auch ihm hat das Schicksal böse mitgespielt. Als wir zwei Jahre zusammen waren,hatte er einen Autounfall und ist seitdem querschnittgelähmt. Dieses Ereignis hätte Nadine fast aus der Bahn geworfen. Aber,obwohl mein Lebensgefährte sehr mit sich selber beschäftigt war nach dem Unfall.....hat er Tag für Tag mit ihr geredet ,sie in den Arm genommen und ihr die Angst genommen,dass auch er sie verlassen könnte.
Manchmal in ganz schwarzen Momenten ( meist im November,wenn sich saschas Geburtstag jährt)sitzen wir dann zusammen ,halten uns in den Armen und weinen zusammen....und sie sagt uns dann ,wie glücklich sie ist ,dass wir eine tolle Familie sind:D

Manchmal bin ich wirklich erstaunt,dass sie so toll geraten ist,wie sie ist....ein liebevoller,hilfsbereiter Mensch mit einem Riesenherz !

Ich umarme dich und sage Danke !!!

Alles Liebe
Gabi

ingrid_m
07.10.2005, 10:18
liebe gabi,

willkommen in diesem forum.
deinem großen-kleinen sascha möchte ich diese kerze anzünden:
http://bilder.muschel.net/kerzen/kerze033.jpg
ich habe deinen bericht mit tränen in den augen gelesen.
oh mann - was waren das für medizinisch eisige zeiten...
ich bin sehr froh, dass sich in den letzten jahren offenbar viel getan hat, und hoffe, dass sich weiterhin etwas tut, und sich hier ein neues - menschlicheres - bewußtsein bis in die letzten winkel ausbreitet.
diese dinge dürfen sich niemals mehr wiederholen!
dazu tragen wir alle ein kleines stückchen bei.

ich drück dich auch mal, wenn ich darf.
ingrid

GabiRobel
07.10.2005, 15:58
Liebe Ingrid,

danke für deine warmen Willkommensworte !!!!
....und für die wunderschöne Kerze !!!!
Auch ich drücke dich gaaaaanz herzlich zurück !!!

Gabi