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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Emily Luise- ich hätte so gerne ihre Äuglein gesehen


Madlen_Emily
26.09.2005, 12:41
Ich habe mich heute hier zum ersten mal eingelogt und weiß eigendlich gar nicht wirklich, was ich mir hiervon verspreche. Wie ich gelesen habe, geht es wirklich vielen Frauen/ Familien so wie es auch mir und meinem Mann geht.
Wir mussten unsere kleine Tochter Emily Luise viel zu früh gehen lassen. Nachdem die erste Schwangerschaft missglückte, erhofften wir uns, dass diesesmal alles gut gehen wird. Doch diese Schwangerschaft zeigte sich ziemlich früh schwieriger als erwartet.
Nach einigen Wehenproblemen wies mich meine Frauenärztin in der 29 Woche in die Klinik ein- ich sollte "nur" an den Wehentropf. Doch dort stellte man fest, dass sich ein kleiner Riss in an meiner Fruchtblase befand. Nun war die Sorge für uns sehr groß. Ist unser Kind scho lebensfähig? Was können wir tun?
Die Ärzte verordneten mir strickte Bettruhe- und ich tat es gerne.
Ich kam zu einer Frau aufs Zimmer, die genau das selbe "erlitt". Wir beide bangten um unsere Kinder. Doch ihr Sohn kam in der 28 SSW zur Welt und verstarb nac nicht ganz 12 Stunden.
Ich selber war fix und fertig- konnte mit ihr nicht reden- musste an mich und mein Kind denken. Bei uns wird alles wieder gut.
Und es wurde gut. Ganze 4 Wochen lag ich im Krankenhaus. Mein Blasensprung hat sich zugesetzt- wie es nur bei sehr wenigen Frauen der Fall ist- und mir wurde gesagt, dass ich das Krankenhaus nach der 34 Woche verlassen dürfte, da es meinem Kind blendend ginge und einer Geburt dananch kaum etwas entgegenspricht.
Doch dann kam überraschend das Schlimmste Ereignis überhaupt. Am Mittwoch, dem 7.9.05 ging ich, wie jeden Morgen zum CTG und es war alles so gut wie noch nie. Die Wehentätigkeit ließ nach, die Herztöne waren supergut. Ich legte mich ins Bett und dort blieb ich bis zum abendlichen CTG. Doch als sie es mir anlegen wollten fanden sie keine Herztöne mehr. Es wurde dann ein Ultraschal gemacht und ich sah nur das Gesicht des Arztes und wußte es. Ich musste ihn zwei mal fragen, ob alles in ordnung sei, bis er mit NEIN antwortete.
Das Herzlein unserer Tochter hörte einfach auf zu schlagen. Ich schrie- ich weiß nicht wie lange ich schrie. Und plötzlich wurde mir bewußt, dass ich nichts tun kann und ich hörte auf zu schreien. Das schwerste war es dann, meinem Mann diese Nachricht, die wir bis heute nicht begreifen, zu übermitteln.
Wir brachten unsere Tochter, durch künstlich eingeleitete Wehen, am Freitag, dem 9.9.05 um 18:24 Uhr mit 1910g und 44,5 cm Körperlänge zur Welt- auf natürlichem Weg.
Davor hatte ich die größte Angst und bekam schon eine Gänsehaut, wenn ich nur daran dachte. Doch im Nachhinein war es das aller schönste und Beste, was uns passieren konnte. Ich dachte auch nie, dass ich einmal so glücklich sein würde, mein Kind- mein totes Kind- in meinen Armen zu halten.
Unsere Familie ist extra 1000km weit angereist, um an diesem Ereignis dabei sein zu dürfen. Wir konnten sie begrüßen und auch langsam Abschied von ihr nehmen. Mein Mann durchtrennte die Nabelschnur und hat sie auch gewaschen. Ich strahlte an diesem Tag nur- genauso, wie es unsere Emily jetzt vom Himmel aus tut- jeden Abend. Momentan fühle ich mich als die glücklichste, aber gleichzeitig als die traurigste Frau auf der Welt. Aber das geht bestimmt einigen von euch so.
Sie war ein so hübsches Kind und hat uns gezeigt: Schaut- mir geht es gut. Und das weiß ich auch, dass es ihr gut geht. Ich bin eigendlich ziemlich stark für alle anderen, doch manchmal- eigendlich wenn ich allein bin, weine ich. Aber mehr um mich selber- um uns. Warum ist es uns nicht vergönnt dieses Kind im Leben zu begleiten? Warum durfte ich sie nur auf ihrem ersten und auf ihrem letzten weg begleiten?WARUM, WARUM, WARUM?- darauf gibt es für uns wohl nie eine zufriedenstellende Beantwortung.
Doch was mir immer wieder hilft ist ein Satz, den der Pfarrer auf der Beerdigung sagte: "Zum Lieben gehört auch das Loslassen!" Und ich liebe meine Tochter sooo sehr- ich habe sie losgelassen und ich weiß, dass sie irgendwann auch ein Geschwisterchen haben wird. Aber ich hätte doch auch sooo gerne ihre Äuglein gesehen.

Andrea mit Sternchen Janin
26.09.2005, 14:53
Liebe Madlen!
Ich heiße dich herzlich hier bei uns Sternenkindereltern willkommen, auch wenn der Anlaß ein so trauriger ist.
Es tut mir sehr leid, dass eure Tochter Emily nicht bei euch im Leben sein darf!
Auch ich habe eine Tochter verloren, viel zu früh uns so sinnlos.
Und auch nach fast neun Monaten frage ich mich noch so oft: warum?
Diese Frage wird uns wohl nie jemand beantworten können.
Die Zeit der Trauer ist eine sehr schwere, sehr emotionale Zeit. Nachdem Janin fort war, war ich wie gelämt und es hat mich zerissen. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Ich wusste nicht, soll und kann ich mich mit dem Tod meines Kindes auseinandersetzen oder soll ich versuchen es zu verdrängen.
Aber verdrängen funktioniert nicht und ich habe gelernt, dass ich meinen Trauerweg gehen muss.
Dieses Forum hat mir so sehr dabei geholfen.
Hier wurde ich aufgefangen und hier habe ich betroffene Eltern kennengelernt. Nur von Betroffenen habe ich mich richtig verstanden gefühlt.
Obwohl auch andere Menschen eine wertvolle Hilfe sind.
Leider lässt das Verständnis aber auch oft allzuschnell nach.
Ich hoffe, dass du vielleicht auch deinen Platz hier bei uns finden wirst und dir unsere Unterstützung ein wenig helfen wird.

Diese Kerze soll für deine Tochter Emiliy leuchten und ihr Wärme ins Sternenkinderland senden.
http://www.am-horizont.de/Kerzen/Kerzeani.GIF
Stille Grüße,
Andrea mit Janin (*+ 02.01.2005/21. SSW) für immer unvergessen im Herzen

Silvi_Callista-Luisa
26.09.2005, 15:31
Auch ich heisse dich hier willkommen..auch wenn du nich wirklich weisst was du dir davon versprechen sollst so wünsche ich dir hier einen Ort zu finden an dem du dich mit allem was du gerade durchlebst, mit wut, trauer und tränen, Menschen zu finden die das gleiche erlebt haben und dich verstehen können...
Was du erlebt hast muss grausam sein...und ich habe tränen in den Augen wenn ich deine Geschichte lese...
Ich weiss ehrlich gesagt nicht wirklich was ich dir tröstendes sagen soll denn ich glaube einen wirklich trost wird es dir nicht geben..fühl dich bitte deswegen ganz still in die Arme genommen...

Liebe Emily ich wünsche dir da wo du nun bist alles liebe..lass dein Lichtlein im Herz deiner Mama weiter so hell leuchten...mögen alle sterne dir im Sternenkinderland hell leuchten!!

Stille Grüße Silvi

Madlen_Emily
26.09.2005, 17:39
Habt vielen Dank für eure so lieben Antworten.
Vor ein paar Minuten ist mein Mann nach Hause gekommen und ich habe ihm diese Seiten gezeigt.
Es gibt sooo viele Frauen, die ihre Kinder auf so ähnliche aber doch sooo unterschiedliche Weise verloren haben.
Ich wünsche allen Frauen, Männern und Familien, dass sie einen Weg finden um mit dem Passierten zurechtzukommen.
Ich wünsche es uns aber auch selber.

Petra27
27.09.2005, 21:24
[font face="Comic Sans MS" font] [font color=#006699]

Hallo Madlen,

ein herzliches aber trauriges Willkommen hier.
Was kann ich dir schreiben...?
Bin etwas sprachlos, nachdem ich eure und Emily's Geschichte gelesen habe, sah doch alles so gut aus.

So änlich aber doch anders war es bei Laura Marie auch, erst die Sorgen und Ängste, wird sie zu früh auf die welt kommen und dann... ein Schwangerschaftsende mit dem man nie im Leben gerechnet hat.

Darf ich dir was sagen?
So wie du es mit beschrieben hattest, das Baby per Einleitung zur Welt bringen und dann unendlich stolz und traurig zu sein, ering es mir auch. Und ich denke wir dürfen stolz sein, haben wir doch unglaubliche Kraft und Liebe aufgebracht um unser "wertvollstes" Baby (sind alle Kinder damit gemeint) endlich hier begrüßen zu dürfen und leider so hart wie es ist auch wieder Abschied zu nehmen.

Ich hoffe und wünsche dir viele liebenswerte Menschen um dich zu haben die euch helfen und für euch da sind wärhend der ganzen Trauer und danach.

Gruß Petra mit Yara Elena geb.1.11.2003 hier bei uns & Laura Marie gest./geb.29.12.2001 (40.+2SSW) für immer in unserem Herzen.

Alte Klassenkameraden wiederfinden:

http://www.stayfriends.de

Constance
29.09.2005, 10:54
Liebe Madlen!

Auch von mir ein herzliches und warmes Willkommen.
Es tut mir unendlich leid, dass Dein Baby gestorben ist.
Deine Gefühle nach der Geburt kann ich sehr nachvollziehen. Ich habe viel geweint und fühlte mich aber auch gleichzeitig sehr überdreht.
Ich war so froh einerseits, meinen Cedric spontan entbunden zu haben (hatte vorher nur Kaiserschnitte) und mein Baby im Arm zu halten.

Der große Einbruch kam dann am nächsten morgen daheim, als ich nach Cedric sehen wollte, aber das Körbchen war leer. Ich bin wirklich in dem Gedanken aufgewacht, mal sehen ob Cedric schon wach ist. Erst beim Blick ins Körbchen(neben meinem Bett) fiel mir wieder ein, dass Cedric tot ist.

Liebe Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen
Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

Madlen_Emily
30.09.2005, 15:45
Liebe Petra!
Vielen lieben Dank für deine Antwort.
Wie ich es schon geschrieben habe, weiß ich eigendlich gar nicht so richtig, was ich mir von dem schreiben in diesen Seiten verspreche. Aber du hast mich anscheinend genau dort angesprochen, wo ich es gebraucht habe.
Ich brauche diese Seiten, um das Passierte niederzuschreiben- um es besser verarbeiten zu können.
Ich lese auch sehr viel hier drinnen, und muß sagen, dass wir- mein Man und ich- wahnsinniges Glück hatten. Es ist doch, trotz der ganzen Tragik- genau so abgelaufen, wie wir uns es immer gewünscht haben. Vielen Eltern erging es dort ganz anders- und auch dafür bin ich dankbar.

Liebe Grüße senden dir
Madlen mit dem kleinen Sternchen Emily Luise im Himmel (32+5 SSW- 09.09.2005 tot gebohren (leider tot, aber Gott sei Dank- sie ist gebohren):-)

Madlen_Emily
30.09.2005, 15:59
Liebe Constance!
Dir auch vielen lieben Dank für deine Mitteilung und dein Willkommen heißen.
Ich glaube, ich warte immer noch darauf, dass ich zusammen breche- aber mir ist es alles sehr bewußt- zu bewußt wahrscheinlich.
Vielleicht hatte ich wirklich meinen Zusammenbruch, als ich von dem Tod unserer kleinen Emily Luise erfahren habe. Ich habe geschriehen und mich vor "Schmerzen" gekrümmt, meinen Bauch so fest wie nie gehalten- ich wollte sie nicht los lassen. Aber ich mußte- für uns alle. Für sie, für mich und für meinen Mann- und ich habe es, so komisch sich das auch anhören mag, gerne für sie getan.
Momentan versuche ich mein Leben wieder zu normalisieren- so gut das möglich ist. Meine Gedanken kreisen eigendlich ständig bei meiner Tochter- um dieses schlimme Schicksal.
Wir werden sie nie vergessen und nie wieder aus unseren Herzen lassen- das ist ganz klar. Aber es muß doch auch weiter gehen- oder?
Manchmal denke ich, ich bin eine "Rabenmutter". Warum trauere ich so "komisch"?-Wahrscheinlich ist es meine Art. Ich bin ein sehr bodenständiger Mensch und kann viel aushalten und ertragen. Ich verstehe mich selber nicht- ich suche mich momentan in dieser Welt- möchte meine Normalität.
Auch in der Beziehung zu meinem Mann ist es sehr komisch. Wir sind uns so nah wie noch nie und doch so weit auseinander. Es ist mit Worten schwer zu beschreiben- es ist ein Gefühl.

Ich grüße dich und deine drei Kinder, wenn auch eines davon im Himmel auf dich aufpasst.
Madlen mit ihrem kleinen Stern Emily Luise (*/+ 09.09.05-32+5 SSW)

Madlen_Emily
30.09.2005, 15:59
Liebe Constance!
Dir auch vielen lieben Dank für deine Mitteilung und dein Willkommen heißen.
Ich glaube, ich warte immer noch darauf, dass ich zusammen breche- aber mir ist es alles sehr bewußt- zu bewußt wahrscheinlich.
Vielleicht hatte ich wirklich meinen Zusammenbruch, als ich von dem Tod unserer kleinen Emily Luise erfahren habe. Ich habe geschriehen und mich vor "Schmerzen" gekrümmt, meinen Bauch so fest wie nie gehalten- ich wollte sie nicht los lassen. Aber ich mußte- für uns alle. Für sie, für mich und für meinen Mann- und ich habe es, so komisch sich das auch anhören mag, gerne für sie getan.
Momentan versuche ich mein Leben wieder zu normalisieren- so gut das möglich ist. Meine Gedanken kreisen eigendlich ständig bei meiner Tochter- um dieses schlimme Schicksal.
Wir werden sie nie vergessen und nie wieder aus unseren Herzen lassen- das ist ganz klar. Aber es muß doch auch weiter gehen- oder?
Manchmal denke ich, ich bin eine "Rabenmutter". Warum trauere ich so "komisch"?-Wahrscheinlich ist es meine Art. Ich bin ein sehr bodenständiger Mensch und kann viel aushalten und ertragen. Ich verstehe mich selber nicht- ich suche mich momentan in dieser Welt- möchte meine Normalität.
Auch in der Beziehung zu meinem Mann ist es sehr komisch. Wir sind uns so nah wie noch nie und doch so weit auseinander. Es ist mit Worten schwer zu beschreiben- es ist ein Gefühl.

Ich grüße dich und deine drei Kinder, wenn auch eines davon im Himmel auf dich aufpasst.
Madlen mit ihrem kleinen Stern Emily Luise (*/+ 09.09.05-32+5 SSW)

monika_k
01.10.2005, 23:53
Liebe Madlen,
ein trauriges Willkommen.
Seit langem weine ich mal wieder beim lesen.Auch ich hätte Simon+Adrian so gerne in die Augen gesehen.Es fehlt mir ganz toll.
Auch in dem was du noch schreibst,erkenne ich mich oft wieder."Bodenständig-es muß weiter gehen-Glück im unglück zu haben..."
Ja es geht weiter.Ich habe auch liebe Menschen an meiner Seite-sogar schon ein Folgebaby.Aber die Trauer sucht sich immer wieder ihren Weg .
Lass dir Zeit,rede,schreibe,sei gut zu dir.Lass die Wut,den Schmerz und die Liebe zu.
Es wird Zeiten geben,da braucht man ein offenes Ohr oder eine Schulter zum anlehnen.Ich wünsche dir immer liebe Menschen an deiner Seite und auch hier wirst du immer jemand finden,der dich ein wenig auffängt.
Alles Liebe