PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ....zum Nachdenken ( langer Beitrag !)


Susanne1310
23.08.2005, 18:26
So, nun tue ich es doch.

Wie Ihr wisst möchte ich mich einem Gespräch mit dem leitenden Chefarzt der Gynäkologie stellen. Ich finde das von mir selbst schon extrem mutig. Aber ich muss feststellen, dass ich durch das Engagement hierzu wieder in tiefe Erinnerungen gestürzt werde. Erst vor 2 Tagen ertappte ich mich beim weinenden Einschlafen, weil es so gewisse Geistesblitze gibt, die mir spontan in den Sinn kommen und diesen vernebeln.
UFF.

Ich möchte mir mein Erlebnis gern von der Seele schreiben - eigentlich hatte ich das schon lange vor. Ich hoffe Ihr seit mir nicht böse, wenn ich dies nun an dieser Stelle tue. Werde mich kurzfassen so gut es geht. Achtung - Taschentuchgefahr!

Also.
Am 30.o1.2005 hatte ich einen normalen Untersuchungstermin bei meinem Gyn. Es wurde ein 5 minütiges CTG von Johanna und eins in derselben Kürze von Corinna gemacht. Irgendetwas war anders: es war das CTG - Geräusch bei Johannas Ableitung. Ihr Herzchen pochte wie wild und es beruhigte sich nicht. Ich sprach den Arzt daraufhin an - er meinte es sei alles normal.
Am 02.02. - mittwochs - begann mein Bauch zu ziehen. Ich erschrag mich regelrecht beim Anblick im Spiegel - ich hatte über Nacht extrem viele Schwangerschaftsstreifen bekommen, wie aus dem Nichts. Mir kam das alles komisch vor. Mit Hilfe meiner Hebamme bekam ich einen "Geburtsplanungstermin" ohne Überweisung im Krankenhaus. Termin war der nächste Tag - nachmittags. Mein oberstes Ziel jedoch war mich jemanden wegen der Beschwerden anzuvertrauen. Mein Gyn verhielt sich zu passiv.
Am 03.02. - donnerstags - um 15.00 Uhr hatte ich also den Termin. Der Oberarzt machte eine Untraschalluntersuchung im Schnellverfahren. Er meinte: auffällig sei nur die geringe Menge Fruchtwasser ( wie bitte? wieso wenig, ich hatte immer eherzu viel). Dann gab er mir den Kaiserschnitttermin für 1,5 Wochen später. Ich wies ihn auf meine vollkommen neu auftretenden Schmerzen hin und sagte noch, dass ich bis gestern absolut Beschwerdefrei war. Er sagte: Es wird sie nicht trösten, aber derartige Schmerzen sind normal. (wenn der Arzt es sagt, es wird schon stimmen) Im Kreissaal wurde die Patientenkurve angefertigt - das wars - ich durfte nach Hause.
Am 04.02. - freitags - ich wachte mit Schmerzen auf. Sie waren erträglich, nicht anders, als den Tag zuvor. Erst im Verlauf des Tages nahmen sie etwas zu. Am Nachmittag fiel mir zum ersten Mal die Stille im Bauch auf. Ich begann instinktiv all das zu tun, was meine Mäuse sonst zu Purzelbäumen animierte. Nichts. Mhm ... sie waren aber schon im Vorfeld öfters ruhig, noch machte ich mir keine Sorgen. Also dann entschloß ich spazieren zu gehen. Dann gings los - Schmerzen, Abbruch, ab in die warme Badewanne, es waren anscheinend doch Wehen. Nichts wie in die Klinik.
Im Kreissaal empfing mich eine leicht mürrische Hebamme. Sie versuchte ein CTG zu schreiben - vergeblich - mir war klar: meine Kinder sind tot. (ich weiß nicht wieso ich das wusste) Dann der Ultraschall. Die Ärztin schallte und schallte, ich habe nach 2 Minten erkannt - nichts - die Ärztin sagte nichts. Totenstille, die Ärztin schluckte laut, die Hebamme drehte sich dezent zur Seite und ich lag da wie bestellt und nicht abgeholt. Dann brach ich das Schweigen und sagte das, was die Ärztin nicht konnte: die Kinder sind tot. Man möge meinen, dass ich jetzt schreien durfte oder aufstehen und mit den Füssen stampfen - nein, sie schallte und schallte. Dann bettelte(!) ich um die Erlaubnis aufstehen zu dürfen.
Nun ja, dann kam der Chefarzt. Er bestätigte die Diagnose und im selben Atemzug kam: wir bestellen Ihnen dann mal den Seelsorger oder besser einen Psychologen (?!). Ich dachte nur eins: reiß dich zusammen, die liefern dich noch in die Klapse ein. Endresultat: ich konnte nicht trauern, nicht weinen, nicht schreien, ich funktionierte. Schrecklich.
Dann einige Minuten später der Therapievorschlag: nach Hause, Wehen abwarten, dann spontan entbinden. Nun, ich war allein zu Hause - mein Mann noch auf See, die Kinder lagen sich in den Armen - wie sollte Frau diese dann spontan entbinden. Die Ärzte: es gibt da Mittel und Wege, denn die Kinder sind ja schon tot. (mit anderen Worten hätten sie das Köpfchen von Johanna zertrümmert, um beide auf die Welt zu bekommen)Ich bin zur Furie geworden, habe den ganzen Laden zusammen geschrien und letztendlich waren die Ärzte wohl froh mich in Narkose zu haben. Beide Würmchen kamen dann per Kaiserschnitt auf die Welt. Eine Hebamme meinte später zu mir: wäre ich nach Hause gegangen, wäre ich mit meinen Kindern gestorben, weil die Eihülle bereits zerstört war. Zudem hätte ich die Kinder nie spontan herauspressen können, da Corinna Johanna im Arm hielt.
Am nächsten Tag wurde ich von der Entbindungsstation auf eine fachfremde Station in ein Einzelzimmer gelegt. Dies fand ich gut, aber was dann resultierte war nicht so toll. Man vergaß mich. Man möge es nicht glauben, aber die Ärzte haben mich dort abgestellt und das wars. Somit bekam ich mein Abstillmedikament 1 Tag zu spät - kurze Zeit darauf einen Milcheinschuss - und starke Brustschmerzen. Die Stillbeauftragte zeigte sich nicht, weil sie so viele (4) stillende Mütter zu versorgen hatte und ich nicht so wichtig sei. Meine Hebamme ist fast ausgerastet und hat diese Dame zu mir zitiert. Diese sagte wortwörtlich, dass ist kein Witz: Na ja Frau Meister. Wissen Sie, auf der Entbindungsstation liegen so viele frisch gebackene Mütter, die sind doch sehr wichtig. Sie hingegen haben ja nichts zum stillen, deshalb muss ich erst die Mütter versorgen. (!!!!????) Ich fühlte mich ein wenig wie Ausschussprodukt - Frau. Nun ja, ich hatte die ersten Tage keine Visite, weil man mich nicht berücksichtigte. Was passierte? Ich bekam einen Lochienstau mit steigenden Fieber. Es wurden kein Uterusstand und nichts kontrolliert. Erst mit Hilfe meiner Hebamme trafen dann ab dem 4 Kliniktag die Ärzte zur Visite ein. Diese verstanden meine Aufregung nicht: viel Gewese um nichts sozusagen.
Zum Thema Kinder ansehen schickten sie mir eine Ärztin im Praktischen Jahr. Sie kam mit dem Glaswagen angerollt, in welchen meine geliebten Mäuse wirklich liebevoll hinein gepackt waren - aber die gute angehende Frau Doktor hielt es rein gar nicht für nötig meine Mutter und mich allein zu lassen. Sie saß da wie ein Fisch. Ich traute mich nicht meine Babies auf den Arm zu nehmen. Ich fasste sie an den Händen an, küsste sie und das wars schon. Sie schaute etwas entnervt, so dass ich das Gefühl hatte, diese Kontaktaufnahme beenden zu müssen. 10 Minuten hatte ich für diesen so wichtigen Schritt, 10 Minuten, die eigentlich für mein ganzes Leben reichen sollten. Ich bin bis heute darüber nicht hinweg!
Am Montag kam dann mein Mann von See nach Hause. Nichts ahnend nahm ihn meine Schwiegermutter am Flughafen entgegen und musste ihm die Botschaft überbringen. Er war geschockt und wollte sofort zu mir. Er kam dann auch mittags bei mir an. Kein Arzt sprach mit ihm, kein Angebot länger bei mir bleiben zu dürfen - nichts. Er existierte als Vater überhaupt nicht. Diese Position nahm er dann auch automatisch an: er wollte seine Töchter nicht sehen, er wollte nicht einmal das Foto sehen. Er wollte mich nur aus diesen schrecklichen Mauern rausholen und vorher unser Haus Kindersachenfrei herrichten.
Nach 9 Tagen bin ich dann nahezu aus der Klinik geflohen.
Erst zu Hause begann ich wirklich zu trauern. Mein Mann fing mich dabei liebevoll auf, ohne ihn wäre ich womöglich auf schlimme Ideen gekommen. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich 2,5 Monate dieser furchtbaren Welt den Rücken zukehren und mit ihm zur See fahren zu dürfen.
Diese Reise haben wir auch dazu genutzt unsere Töchter See zu bestatten. Ihre letzte Ruhestätte liegt unmittelbar vor Alaska, dort wo die Wale jährlich einkehren um Nachwuchs zu zeugen.

Jetzt wisst Ihr, wieso ich unbedingt den Gang zurück ins Krankenhaus machen muss. Das darf nie nie nie mehr passieren!!
Nebenbei bemerkt: ich arbeite in diesem Krankenhaus als Ausbilderin in der Krankenpflege - und es ist einfach nur peinlich.

So und nun habe ich eure Aufmerksamkeit genug strapaziert. Tut mir leid, aber mir war es einfach ein inneres Bedürfnis dies niederzuschreiben.

Achso, Ihr werdet Euch sicher fragen was die Todesursache war. Nun, laut Arzt, frei übersetzt: kollegialer Selbstmord. Er hat es so nicht gesagt, aber in diesem Sinn formuliert. Mit Hilfe eines außenstehenden Arztes, einem Medizinalrat haben wir die Todesursache rekonstruiert. Beide Mäuse waren schon ziemlich groß und schwer, zu groß und schwer für meinen Uterus. Die Kombination Platzmangel und Fruchtwasserarmut begünstigten in der Nacht von Donnerstag zu Freitag ein ausreichend langes Abquetschen der Nabelschnüre. Zuerst wurde Johannas komprimiert, lang genug um am folgenden Sauerstoffmangel zu sterben und dann Corinna ebenso, weil ich blöde Kuh in der Nacht die Seitenlage von links auf rechts geändert habe. Mit anderen Worten, der Tod meiner Kinder war absolut sinnlos. Meine Schmerzen resultierten aus der Tatsache, dass beide Mäuse bereits 2 Tage zuvor nach Sauerstoff suchten und dabei instinktiv die Körperchen ausstreckten - das was ein atemnötiger Erwachsener auch tut. Daher auch die plötzlichen Dehnungsstreifen auf meinem Bauch. Schreckliche Gewissheit: wäre am Tag vor dem Tod ein CTG geschrieben worden hätte man unweigerlich einen Notkaiserschnitt gemacht und beide wären jetzt in den Armen ihrer Mama und ich glücklich.

Susanne

Constance
23.08.2005, 21:45
Liebe Susanne!

Es tut mir so schrecklich leid. Es ist so unfassbar.
Du hast so recht, sowas darf nicht passieren nie wieder.
Ich wünsche Dir Kraft, viel Kraft.

Traurige Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen
Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

DianaNoopy
23.08.2005, 22:21
Liebe Susanne,ich bin sprachlos,
es ist so Schrecklich was mit Deinen geliebten Kindern passiert ist.
Ich würde genauso wie Du reagieren und alles in meiner Macht stehende tuen,dass der Arzt noch seine Strafe bekommt.

Liebe Susanne,Deine Töchter haben einen wunderbaren Platz wo sie ihre letzte Ruhe bekommen haben.
Ich finde den Gedanken,den ich jetzt habe, wunderschön,dass sie jetzt mit den Walen schwimmen.

Laß Dich in die Arme nehmen.

Ich schicke Dir und Deinem Mann ganz viel Kraft.
LG von Diana mit Lyn-Denise
und unseren Engelskinder
*JADEN*(12.07.03)
http://www.schmetterlingskinder.de/dcforum/User_files/4076ca423ffeb970.jpg
*MINI*(28.05.04) und
*GLÜCKSBÄRCHI*(27.01.05)

Henrike29
23.08.2005, 23:29
Liebe Susanne,

ich habe hier noch nie geschrieben, nur gelesen, aber Deine Geschichte macht mich so sprachlos... Wie sinnlos scheint der Tod einer Töchter...

Und die Behandlung, die Dir widerfahren ist, sollte sich wirklich nicht wiederholen.


Ganz, ganz liebe Grüße und viel Kraft,

Henrike

Katja80
24.08.2005, 08:41
Liebe Susanne,

es ist so schrecklich, was Dir passiert ist. Soetwas darf nicht passieren. Du hast Dich gemeldet und gesagt, es stimmt etwas nicht. Aber es wurde nicht ernst genommen...

Ich verstehe Dich sehr gut und bewundere Dich für Deine Kraft. Begleitet Dich Jemand zum Gespräch, der dir den Rücken stärken kann?

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für das Gespräch

Deine Sternenkinder sind bestimmt sehr stolz auf Dich

Liebe Grüße
Katja

Susanne1310
24.08.2005, 16:59
Hallo Katja,

nein, mich begleitet niemand. Es ist ja auch niemand hier, der das könnte.
Mein Mann kurvt irgendwo im Roten Meer herum.
Meine Schwiegermutter, welche das ganze Drama miterlebt hat, da mich damals ins Krankenhaus begleitet hat, ist über den verlust gegangenen Gedanken Oma zu werden nahezu zerbrochen - die kann ich darum nicht bitten.
Und meine Eltern, im speziellen meine Mutter ist nicht fähig überhaupt klar zu denken. Sie redet nur noch von Mord an ihren Enkeltöchtern.
Ansonsten ist da niemand, der mir so nahe steht, dass er mich begleiten könnte.
Also mach ich das allein.
Morgen ist der Termin, sofern der Onkel Doktor nicht wieder den Termin absagt. Mal sehen.

Liebe Grüße
von Susanne

Katja80
24.08.2005, 17:08
Hallo,

dann wünsche ich Dir für morgen ganz viel Kraft.

Ich finde das ganz toll von Dir.

Liebe Grüße
Katja

Susanne1310
24.08.2005, 20:30
Danke schön!

bata
24.08.2005, 22:30
Liebe Susanne,
ich habe Deine Geschichte gelesen und bin fassungslos, wie die Ärzte
Dich abgewiesen haben.
Daß Du gespürt hast, dass etwas nicht in Ordnung ist, und keiner das Gefühl einer Mutter, deines, ernst genommen hat...
Ich finde es sehr mutig von Dir, dass Du dieses gespräch führen möchstest.
Klarheit schaffen ist wichtig zum "Aufräumen", finde ich.
Und wenn der Arzt etwas sensibel ist, wird er hoffentlich der nächsten Schwangeren mehr Mutterinstinkt zubilligen und habndeln.
Meine Hochachtung-
liebe Grüße, bata

bata
24.08.2005, 22:39
Liebe Susanne,
ich wollte auch noch sagen, dass ich es Unding finde, dass die Dich da
einfach abgeschoben haben. x(
In meiner Rückbildungsgruppe für Verwaiste Mütter, die ich damals besuchte, erzählte mir eine Frau in etwa das gleiche:
Keiner hat sich reingetraut.
Sie haben irgendwann eine Schwesternschülerin reingeschickt, um zu fargen, ob sie Hunger hat! x(
Das Problem liegt , denke ich, darin, dass bei Ärzten und Pflegepersonal der Umgang mit Trauer und trauernden Müttern so völlig ausgeklammert wird, im Studium und in der Ausbildung.
Ich hoffe sehr, dass sich da bald was ändern wird.
Zum einen für die trauernden Eltern, zum andern auch für die Klinikmitarbeiter, denn ich könnte mir vorstellen, dass viele sich wünsche würden, was richtig ist zu tun, in solch schlimmen Moment.
Liebe Grüße, Bata

Susanne1310
25.08.2005, 18:22
Hallo Katja,

Termin ist wieder ausgefallen.
Wer weiß ob es überhaupt noch einmal dazu kommt.
Noch gebe ich nicht auf!

Liebe Grüsse
von Susanne

Tina/23
26.08.2005, 16:31
hallo,
wie es bei dir im krankenhaus abgelaufen ist, ist ja das schlimmste, was man sich in so einer situation vorstellen kann...
ich kann es gar nicht fassen.
bei mir war das völlig anders. ich war von anfang an in einem einzelzimmer. alle paar minuten kam jemand herein, um sich nach meinem befinden zu erkundigen. mein freund durfte 24 stunden am tag bei mir bleiben und mit mir in einem bett schlafen. meine geburt wurde in der 20 woche eingeleitet und ich bekam alle 4 stunden wehen einleitende mittel. das zog sich sehr lange hin, deswegen hatte ich auch genügend zeit vor und nach der geburt mit einer seelsorgerin zu sprechen. die Ärzte rieten mir auch das kind anzusehen und ließen es mir so lange, wie ich wollte im zimmer. kurz vor der entlassung bekam ich eine mappe mit einem foto und vielen adressen für selbsthilfegruppen und dergleichen. mein kind wurde in einem sammelgrab bestattet, mit trauerfeier, wo ich die seelsorgerin wieder traf udn sie mich sofort in die arme nahm und sich nach meinem befinden fragte.
die 4 tage im krankenhaus und auch die reaktion meines frauenarztes sind mir somit in sehr guter erinnerung gebleiben.
alles andere ist schon schlimm genug, deswegen ist es eine zumutung noch so mit dir umzugehen.
schöne grüße christina

Susanne1310
28.08.2005, 20:27
Hallo Christina,

ich weiß dass es sich schlimm liest. Es fühlt sich auch genauso an, dass kannst Du mir glauben.
Aber es scheint derartig schlimm nur sehr selten abzulaufen - welch ein Glück. Mir wirds immer bewusster: Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort.
Wünschte mir nur, dass unsere Beiträge auch einmal von Ärzten, Hebammen und Schwestern gelesen würden, dann gäbe es auch so einen Fall wie mich nicht.
Nun ja....

Liebe Grüsse
von Susanne

folke
29.08.2005, 12:12
liebe susanne,

unglaublich, was dir passiert ist ! besonders diese "stillberaterin" war ja wohl das letzte !

es tut mir so leid, dass deine beiden mädchen nicht bei euch sein dürfen ... aber bitte mach dir selbst keinerlei vorwürfe !!! du hast zu jedem zeitpunkt nur das beste für deine beiden getan und gewollt !!!

diese viiiiiiel zu kurzen 10 minuten .................
bei mir ist es noch nichteinmal dazu gekommen . wir wurden zwar gefragt, ob wir martin sehen wollten, haben aber vor lauter schock ganz falsch entschieden... da hätte es jemanden gebraucht, der uns einfach gut beraten und geführt hätte ... dass ich mein kind nie gesehen habe werde ich mein leben lang bereuen.

ich hoffe, dass du bald einen neuen termin bekommst, dass dich bis dahin der mut nicht verlässt und dass du dann auch alles vorbringen und fragen kannst, was du dir vorgenommen hast !!! ( vielleicht machst du dir vorher ganz "pragmatisch" eine liste zur gedankenstärkung)

ich hoffe, bald von diesem für alle betroffenen so wichtigen termin zu hören ...

du bist sehr mutig! ich bewundere dich !!!

liebe grüsse von folke
mit martin im herzen

oh, habe gerade dein anderes posting entdeckt, noch nicht richtig gelesen....
aber das gespräch war wohl doch schon... vergiss den letzten absatz... schön, dass es geklappt hat ! und glückwunsch zum babyknuddeln!
mit martin im herzen

CLAUDIA_JANETSMAMA
29.08.2005, 18:58
Liebe Susanne ,

für Deine geliebten Töchter

*~ Johanna *~

*~ Corinna *~

möchte Ich gerne meine Kerze entzünden .........

http://www.forum.frauenworte.de/user_files/2305.jpg


……es ist so unfassbar ......

Ich kann dich so gut verstehen , deine Absicht noch mal dorthin
zurück zugehen , das Gespräch suchen , so etwas darf nie nie mehr
geschehen ..........
Und doch bin Ich fast froh darüber das dein Termin „ geplatzt ist „
Kannst du nicht doch warten bis dein Mann wieder
zu Hause ist , oder hier im Forum eine Frau suchen
die dich begleitet ......einfach nur dabei ist ....dich stützt .......

Du wirst sicher noch Fragen haben an die Ärzte , schreib
Sie dir auf , leg dir vielleicht eine Art Stichwortzettel an .
Laß dir alles an unterlagen mitgegeben oder kopieren .
Damit du mit einem Arzt dem du vertraust noch mal darüber
Reden kannst .

Ist eine Selbsthilfegruppe in deiner Nähe ? wenn ja kannst
du gemeinsam mit ihnen an der ganzen Situation
im KH etwas versuchen zu ändern ....

Liebe Susanne , du bist unwahrscheinlich mutig !!!!!!!
Sicher kannst du versuchen diesen Weg alleine zu gehen .......
und doch möchte ich dich einfach bitten dir Verstärkung zu holen ....

Liebe grüße
Claudia






http://www.snugglepie.com/cb/17941.png

[link:www.beepworld3.de/members22/muetterchen/|http://www.arcor.de/palb/alben/60/3522960/400_3765386162306466.jpg]

Susanne1310
29.08.2005, 20:52
Hey Folke,

nee Gespräch war noch nicht, der Arzt stand jedesmal bis Ultimo im OP. Aber er zeigt ernsthaften Willen und besteht auf das Zusammentreffen.

Du, wenn ich nicht wenigstens eine derart liebe Hebamme gehabt hätte, dann hätte ich mich auch gegen das Anschauen der Kinder entschieden. In diesem Moment der Entscheidung erinnerte ich mich all der Toten, die ich in meinem Berufsleben schon gesehen hatte und bekam fürchterliche Angst. Aber meine Hebamme war da an meiner Seite und machte mir Mut - deswegen schleicht dieser Frau mein ewiger Dank nach. Nur leider hatte sie keine Zeit bei mír zu bleiben, dann wären es bestimmt nicht nur 10 Minuten geworden, sondern ein erfüllter Kontakt.
Nichts desto trotz, es gab eben auch liebe Menschen um mich herum und denen möchte ich an dieser Stelle auch meinen Dank kundtun, auch wenn sie es nicht lesen können.

Liebe Grüsse
von Susanne

Susanne1310
29.08.2005, 21:01
Liebe Christina,

danke für deine schöne Geste mit den Kerzen. Vielen lieben Dank für deine Mühen - es bedeutet mir sehr viel.

Mein Mann würde niemals diesem Gespräch beiwohnen. Das hat mehrere Gründe und es würde den Rahmen dieses Postings sprengen. Kurz gesagt: Er hält sich aus dieser Sache vollkommen raus, er unterstützt mich wo er kann, aber er hat nie seine Kinder reell wahrgenommen. Wie auch - er hatte keine Gelegenheit dazu. Und er wird sich dies auch nie antun - ein Grund keine Ultraschallbilder zu sehen und auch keine Fotos. Ich akzeptiere es. Ich bin froh darüber, dass er mir beisteht und mich stützt - wobei das aus der Ferne nicht einfach ist.
Somit klebt die Last bei mir.
Aber ich sehe es mittlerweile nicht mehr als Last, sondern eher als eine Herausforderung an welcher man wachsen kann ... auch wenn ich nicht länger geworden bin, aber dennoch bin ich seelisch gereift.
Da es bei diesem Gespräch um Fakten geht, nicht um Schuldzuweisungen, sehe ich mich auch imstande dies allein zu bewältigen. Anregungen, wie es anderes geht habe ich ja dank Euch allen zuhauf sammeln können. Und wenn es ganz arg kommt, dann gehe ich einfach.
Ob es etwas mit Mut zu tun hat, weiß ich nicht. Obwohl Zivilcourage wohl der bessere Ausdruck wäre.
Mal gucken....

Liebe Grüsse
von Susanne

Susanne1310
29.08.2005, 21:02
oh, hier sind die Beiträge verwirbelt worden - wie geht denn das? HUCH

ingrid_m
06.09.2005, 16:17
liebe susanne,

es tut mir sehr leid, dass deine beiden mädchen johanna und corinna gestorben sind.

die behandlung, die dir im krankenhaus widerfahren ist, macht mich schlichtweg sprachlos...

ich finde es sehr mutig, dass du diese vorfälle nicht auf sich beruhen lassen willst, sondern ein gespräch mit dem leitenden chefarzt führen willst.
nur: ich befürchte folgendes: der chefarzt wird sich rausreden, seine mitarbeiter "decken" und - das ist das schlimmste - dich mit schlechten gefühlen nach hause entlassen. auch ich möchte dir wenigstens empfehlen, zu diesem gespräch mit rückendeckung zu gehen. ich verstehe auch, dass dies aus deiner familie keiner leisten kann. vielleicht wäre wirklich eine neutrale person, aus einer selbsthilfegruppe oder dergl. das beste.

du schreibst, dass der termin nun abgesagt wurde.
das klingt so ein bisschen nach abwimmeln wollen...

vielleicht solltest du das, was du vorzubringen hast, schriftlich formulieren.
wie heißt's so schön: wer schreibt, der bleibt ;-)
und gut schreiben kannst du ja!!!
möglichst frei von emotionen und vorwürfen, ohne namen zu nennen, ohne persönlich zu werden,
einfach die fakten vortragen, und um stellungnahme bitten.
vielleicht auch mit deinen vorstellungen, was wünschenswert gewesen wäre, was dir geholfen hätte.

eine bekannte von mir, deren kind hier in der klinik verstorben ist, hat dies getan. es waren locker 20 seiten DIN A 4, super gegliedert und formuliert, sie hat es direkt an die klinikleitung geschickt.

und seither hat sich dort einiges getan! und tut sich immer noch mehr...
endlich wurde das sterben in dieser klinik thematisiert,
da ist ein riesenstein ins rollen gekommen...
so war die aktion in zweierlei hinsicht nützlich:
erstens, hat es ihr selber gut getan, alles geordnet zu verfassen und
zweitens, hilft es denen, die nach ihr kommen, weiter.

ich wünsche dir für deinen weiteren weg
und die aufgaben die du dir suchst
weiterhin viel kraft und mut.
alles liebe

ingrid