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Katja80
20.08.2005, 13:05
Hallo,

ich heiße Katja und bin 25 Jahre alt. Ich habe am 13. Juni 2005 meinen Sohn Tim still geboren in der SSW 19+6.

Mein Mann und ich wünschten uns schon seit ca. 1 Jahr ein Kind. Im März ging ich dann zu einem neuen Arzt um mich beraten zu lassen. Eine Woche später ging ich zu meinem Hausarzt wegen Übelkeit. Aufgrund einer Hormonstörung sagte er, ich sei sicher nicht schwanger und gab mir nur Tropfen mit. Ich bin dann zu einem anderen Hausarzt, der meiner Übelkeit auf den Grund gehen wollte. Ich sollte am nächsten Tag zum Ultraschall wieder kommen. Da entdeckte er es sofort auf dem Monitor und schickte mich zum FA:-)

Wir haben uns so gefreut. Ich hatte auch gleich das Gefühl es wird ein Junge. Mein Mann sowieso:-)

Am 10. Juni bekam ich abends Wehen. Ich wußte nicht, dass es welche sind. Ich dachte, es wäre Luft im Bauch. Am 11. ging es mir gut und ich war richtig aktiv. Am 12. Juni auch. Wir waren auf einem Flohmarkt in Oldenburg und ich hatte eine Babydecke erstanden. Mein Mann hatte später im Internet ein neues Babybett bestellt. Kurz nach Mittag hatte ich ein komisches Gefühl. Die Bauchschmerzen kamen dazu und ich rief meine Hebamme an. Sie sagte, ich solle sicherheitshalber ins Krankenhaus fahren...

Ich hörte zum erstenmal seine Herztöne... Und kurze Zeit später zerplatze mein Traum als die Ärztin aus dem Zimmer rannte und sagte, sie hole sich Verstärkung. Dieses komische Gefühl war die Fruchtblase... Am 13. Juni dann kurz vor Einleitung der Geburt kam Tim dann von alleine still auf die Welt....

Zwei Wochen später fing ich wieder an zu arbeiten und am 04.08. wurde ich gekündigt.

Zum 01.09. habe ich wieder eine neue Stelle bekommen. Aber ich darf davor keinen Urlaub nehmen, damit ich meine angefangenen Sachen bei meinem alten Chef fertig bekomme. Sonst hätte er mich nicht gehen lassen, da ich erst zum 30.09. gekündigt wurde, die neue Stelle aber zum 01.09. besetzt werden musste....

Sonja hat mich auf diese Seite aufmerksam gemacht. Danke dafür.

Ich habe tatsächlich immer das Gefühl funktionieren zu müssen. Und wenn ich an die letzte Zeit denke, hatte ich soviel Stress, dass ich kaum Zeit für Gedanken an Tim hatte... Ich habe sogar eher an ihn als Fehlgeburt gedacht und nicht an meinen Sohn. Das erschreckt mich jetzt sehr.

Jetzt ist es sehr lang geworden.

Liebe Grüße
Katja

Susanne1310
20.08.2005, 19:06
Liebe Katja,

es tut mir leid, dass es auch Dich getroffen hat. Jede Frau, welche nicht zu uns stossen muss, kann glücklich und zufrieden sein.

Ich bin sprachlos.
Ich bin wütend.
Ich könnte schon wieder ausholen und die ganze Welt vermöbeln, wenn ich deine Worte lese.
Wieso ist es in dieser deutschen Kultur einfach nicht möglich Trauer zu verarbeiten. Wie Du sagtest: wieso muss eine Frau, die so derartig Schockierendes erlebt hat, bitte schön dann auch noch gekündigt werden? Es ist wirklich erschreckend, dass unsere Mitmenschen ein werdendes und heiss ersehntes neues Leben so wenig achten. Es ist absolut egal, wann das Ungeborene gehen musste, allein die Tatsache, dass es gehen musste ist doch wohl schrecklich genug.

Entschuldige bitte.
Aber ich weiß, wie es sich anfühlt etwas in der Hand zu halten und dann doch hergeben zu müssen. Es gibt keine Worte, um das auszudrücken, was uns Frauen nach Derartigem bewegt.
Sei willkommen bei uns.

Liebe Grüsse
von Susanne und im Herzen Johanna und Corinna

Sonja64
20.08.2005, 19:35
Liebe Katja,

sei Willkommen in diesem Internet-Forum. Wie schön, daß Du zu uns gefunden hast.

Es ist ein trauriger Anlaß, der Dich zu uns führt - wir alle hätten die Erfahrung, ein Kind zu verlieren gerne nie gemacht. Die erste Zeit, die ersten Monate sind sehr schwer. Wer könnte es besser verstehen als wir hier?

Ich zünde für Deinen Tim eine Kerze an, die hell zu ihm leuchten soll.

http://www.helgas-zottelbaeren.de/kerzen/44.jpg


Alles Liebe

Sonja
mit Sternilein Gilles

Katja80
20.08.2005, 21:46
Liebes Krümel,
liebe Sonja,

Danke für Eure lieben Worte. Ich bin auch froh zu Euch gefunden zu haben.

Es gibt nicht die richtigen Worte für das was uns passiert ist. Aber es reicht schon zu sagen, es tut mir leid und ich bin da. Leider höre ich diese Worte nicht, die ich so gerne hören würde.

Ich habe für Tim eine helblaue Laterne gekauft und heute sein Foto angesehen und eine Kerze in die Laterne gestellt. Es fällt mir sehr schwer sein Foto anzusehen. Aber langsam wird es doch leichter. Ging es Euch auch so?

Liebe Grüße
Katja

simone finck
20.08.2005, 22:32
liebe katja,

auch ich mag dich willkommen heißen, wenn auch aus traurigem anlass. du hast ja einen gewaltigen berg vor dir. arbeitswechsel und das alles ohne eine kurze verschnaufpause. dazu die trauer um deinen sohn. vielleicht kannst du dir doch den einen oder anderen tag frei nehmen?

es ist schön, dass du tim die laterne geschenkt hast. du liebst ihn und dieses gefühl erreicht ihn, wo immer er jetzt auch sein mag. hoffentlich hast du neben deinem arbeitswechsel ausreichend stille und ruhe, um das geschehene zu verarbeiten.

ich wünsche dir viel kraft für die kommende zeit, schön, dass du hierher gefunden hast,

alles liebe wünscht dir
simone

rosenrot73
21.08.2005, 00:30
Hallo Katja

Es tut mir sehr leid zu lesen, daß Du Deinen Sohn so früh hergeben mußtest. Vielleicht hast Du gelesen, daß ich erst vor wenigen Tagen ähnliches erlebt habe. Mein Sohn, unser 5.Kind, bekam auch keine Chance - sein Tod wurde bei einer Routineuntersuchung am Tag der vollendeten 17.Schwangerschaftswoche festgestellt. So etwas reißt einem den Boden unter den Füßen weg - es ist alles wie ein böser Traum, aus dem man nur schnell erwchen möchte. "Jonas" sollte unser Sohn heißen und obwohl er diesen Namen ja offiziell nicht tragen kann, so bleibt er doch so in unseren Herzen.
Ich hatte auch schon einige Babysachen hier, weil ich alle Sachen der Geschwister im letzten Jahr weggegeben hatte. Das macht es nicht unbedingt leichter.

Ich glaube nicht, daß Du Deinen Tim wirklich als Fehlgeburt siehst, aber bei all dem zusätzlichen Stress hat wohl eine Art Verdrängungsprozess eingesetzt, was vollkommen verständlich ist. Irgendwann möchte man mit allem abschließen. Aber trotz allem ist und bleibt Tim in Deinem Herzen - und nur das zählt.

Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute! Ich denke, die Zeit heilt Wunden, aber es bleiben Narben. Das müssen wir wohl akzeptieren.

LG Tanja mit 4 Jungs hier und einem Sternenjungen

Constance
21.08.2005, 12:40
Liebe Katja!

Ein liebes Willkommen auch von mir, auch wenn der Grund ein sehr trauriger ist. Es tut mir sehr leid, dass Dein kleiner Tim gestorben ist.
Ich wünsche Dir viel Kraft für Deinen Weg der Trauer.
Fühle Dich hier verstanden und gut aufgehoben.

Stille Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen
Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

Sonja64
21.08.2005, 13:45
Liebe Katja,

ich habe fast einen Monat gebraucht, um mir die Fotos von unserem Sohn ansehen zu können. Am Anfang hatte ich einfach Angst, daß er auf den Fotos nicht so aussehen würde, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Auch wußte ich nicht, ob die Hebamme meinen Sohn auch "würdevoll" fotografiert hat und er nicht wie einfach hingelegt und abfotografiert aussieht.

Einen Tag vor der Trauerfeier habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und die Fotos hervorgeholt. Ich hatte die Idee, die Fotos mitzunehmen und unseren Familien bei der Trauerfeier zu zeigen, damit sie ihn wenigstens mal sehen konnten. Die Fotos sind schön, unser Sohn ist auf den Fotos wunderschön.

Ja, und dann überfiel mich jedesmal, wenn ich die Fotos angeschaut habe, eine unendlich tiefe, verzweifelte Trauer. Ich vermißte ihn so sehr.

Zwei Fotos stehen auch heute noch hier auf einem Tischchen mit einer Kerze und einer Vase für frische Blumen. Es tut nicht mehr so weh - aber vermissen werde ich Gilles mein Leben lang.


Alles Liebe

Sonja
mit Sternilein Gilles

Susanne1310
21.08.2005, 19:36
Liebe Katja,

ich denke es fällt jeder betroffenen Frau unterschiedlich schwer sich mit den Andenken ihres verstorbenen Kindes auseinander zu setzen.
Bei mir war es so:
Mir haben die Ärzte erst das Klinikfoto von meinen Babies angeboten. Ich brauchte 4 Stunden, bevor ich mich getraut hatte hinzusehen. Aber ich fand das Bild so scheußlich. Also beschloss ich mir die Babies anzusehen.
Nur gut. Sie waren viel hübscher in natura, als auf dem Foto. Und so habe ich, wenn ich mir das Foto ansehe immer gesagt: meine Babies sind viel viel schöner.
Von diesen Moment an habe ich, solange ich im Krankenhaus lag das Foto immer auf meine Brust gelegt und an das echte Aussehen gedacht. Diese Art und Weise hielt ich etwa 2 Monate bei, ohne mir das Bild anzusehen nebenbei bemerkt. Ich habe mir das Bild immer nur auf die Brust gelegt oder unter mein Kopfkissen.
Jetzt, 6 Monate danach kann ich mir das Bild ansehen ohne zu weinen. Im Gegenteil, es macht mich mittlerweile sehr stolz, denn es ist der Beweis dafür, dass ich Mutter bin.
Nur anderen Menschen enthalte ich dieses Bild vor. Es gehört nur mir allein.
Allerdings muss ich hierbei noch etwas hinzusetzen. Es klingt bestimmt komisch, dass ich immer nur von mir rede und nie von meinem Mann. Mein Mann wollte weder das Foto sehen, noch die Kinder in natura. Das hört sich furchtbar an, aber in unserem Fall nachvollziehbar. Mein Mann hat von der Schwangerschaft nur die ersten 3 Monate mitbekommen. Dann ist er zur See gefahren und plante alles so, dass er ab der 37ten SSW bei mir sein kann. 3 Tage vor seiner Rückkehr sind seine Kinder in mir gestorben. - das ist unsere Tragik an der Tragik.

Liebe Grüsse
von Susanne

Annette 1970
21.08.2005, 20:02
Liebe Katja!
Das ist eine wirklich "stressige" Geschichte. Ich habe ja schon das Gefühl dass in meinem Leben kein Platz für unsere Trauer ist. Aber Du hast ja bis jetzt wirklich keine Zeit gehabt, das Geschehene überhaupt richtig einzuordnen. Das schlimme ist, dass so ein Verlust für viele außenstehende Menschen nichts anderes ist als eine Art "Blinddarmoperation" oder eine andere Krankheit. Aber die Realität ist nun mal dass man ein kleines Kind verloren hat. Auch wenn das ganz schmerzlich ist bin ich doch froh darüber, dass ich mich dem Thema gestellt habe und auch heute noch stelle. Unsere kleinen waren nicht weniger Mensch, als ein Kind das in der 25. Woche lebend zur Welt kommt und dann geht.

Ich wünsche Dir von Herzen dass Du die Zeit für Deine Trauer findest und dabei von lieben Menschen begleitet wirst. Ich habe nämlich immer das Problem, dass ich an meine Gefühle nicht immer dran komme. Wenn ich einen ganzen Tag funktioniert habe, dann kann ich abends keinen Hebel umlegen und mal kurz ein paar von den Tausenden von Tränen, die ich sicher noch zu weinen habe, loswerden. Ich brauche dafür die richtigen Gesprächspartner, die richtige Stimmung, um überhaupt diese Schleuse öffnen zu können. Hinterher fühle ich mich immer wieder ein bischen leichter.
Ich hoffe auch Du findest einen Weg an diese Trauer ranzukommen.

Viele herzliche Grüße
Annette

(* Helena, 19. SSW, am 20.07.2005 zur Welt gebracht)

Katja80
22.08.2005, 21:08
Hallo,

Danke für Eure lieben Antworten.

Heute morgen habe ich Bluthochdruck bekommen und bin nun bis Mittwoch erst einmal zu Hause.

Gerade ging es mir ganz schlecht und ich wußte nicht, mit wem ich sprechen sollte... Es ist ein Problem von mir, dass ich mich nicht jedem öffnen kann....

Ich hätte so gerne mehr Zeit gehabt für die Trauer... Und ich bereue so früh wieder arbeiten gegangen zu sein.

Aber ich werde bestimmt noch einen Weg finden...

Danke
Katja

Chantal mit Lina
23.08.2005, 09:38
Liebe Katja,

es tut mir leid, das auch du dein Kind hergeben musstest. Man findet wohl nie passende Worte dafür.Es tut mir einfach nur Leid. Deiner kleiner Tim ist nun auch im Sternenkinderland. Es geht ihm gut, das musst du dir immer vor Augen halten.

Ich komme übrigens auch aus Oldenburg. Bin 24 Jahre alt. Würde mich freuen wenn dich meldest.