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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nach 4 Wochen zur Normalität?????


Annette 1970
18.08.2005, 19:31
Hallo
Heute ist es genau 4 Wochen her, als ich unsere kleine Tochter in der 19. SSW tot, nach eingeleiteter Geburt, zur Welt brachte.
Für mich wird die Welt noch lange nicht in Ordnung sein, aber für die Gesellschaft, für das Umfeld, so erscheint es mir, wäre jetzt scheinbar langsam die Zeit sich "am Riemen" zu reissen.
Dabe finde ich, dass ich das alles schon ganz gut mache. Ich selbst empfinde mich eigentlich als stark, da ich ein gewisses Maß an Normalität durchaus aufrechterhalte. Alleine wegen unserer 2,5 jährigen Tochter kann und will ich mich nicht gehen lassen. Aber ich habe wohl noch viele Tränen zu weinen und habe manchmal das Gefühl, dass hierfür nicht unbedingt noch Verständnis aufgebracht werden kann. Ausser meiner besten Freundin, die mich auch ins Krankenhaus begleitet hat, begegnet man mir wie sonst. Und teilweise landet bei mir auch so ein Gefühl, als ob man mich auffordern würde, jetzt doch langsam mal wieder die alte Annette zu werden. Die alte Annette??? Ich glaube die wird es so nie mehr geben. Denn ich weiß schon jetzt, dass sich mein Leben grundlegend geändert hat.

Über Erfahrungsberichte würde ich mich freuen. Denn ich denke ich bin völlig normal!
(Habe mir auch das Buch von Hannah Lottrop gekauft und fühle mich bestätigt)

Viele liebe Grüße an alle traurigen Mamas und Papas!
Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Annette
mit Hannah Marie (2,5 Jahre) und Helena im Herzen

Constance
18.08.2005, 19:53
Liebe Annette!

Ich muss Dir völlig recht geben, die alte Annette wird es wohl nicht mehr geben.
Das habe ich auch an mir bemerkt, ich habe mich verändert.
Meine Prioritäten haben sich sehr verschoben.

4 Wochen sind keine Zeit. Ich weine selbst jetzt nach 2 Jahren noch.
Sicher nicht mehr täglich, wie vor 2 Jahren. Man muss nicht wieder funktionieren, nach so kurzer Zeit. Trauer braucht Zeit und sie holt sich diese Zeit.

Ich glaube viele Menschen wollen uns nur so schnell wieder "funktionstüchtig" haben, damit sie sich nicht mit unserem Verlust beschäftigen müssen.

Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst.

Ich war in den ersten 4 Monaten kaum in der Lage auf die Straße zu gehen. Ich bekam sofort Probleme mit dem Kreislauf und stand ständig kurz vor einer Ohnmacht. Nur zum Friedhof ging ich täglich, besser fuhr.
Wir stellten unser Auto immer am Hintereingang ab, weil ich keinem Menschen über den Weg laufen wollte.

Es ist in Ordnung, so wie Du es bist. Laß Dir nichts anderes einreden.

Liebe Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen
Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

simone finck
18.08.2005, 23:20
liebe annette,

mein leben war nach dem tod der kinder völlig auf den kopf gestellt. alle familienmitglieder und auch bekannte und teilweise freunde fingen so nach 4 - 5 wochen an, mich mit themen wie "man muss wieder normal werden" zu belästigen. es war wirklich ein belästigen.

ich habe lange gebraucht, wobei ich womöglich nie wieder diese normalität gefunden habe, die ich vor dem tod der kinder lebte.

außenstehende möchten normalität als halt, sie fühlen sich hilflos und überfordert mit dem schmerz und der unfassbarkeit des todes eines kindes.

ich kann dir nur raten, nach deiner trauer-zeit zu gehen, dich an keine regeln zu halten oder gar wegen anderen menschen so zu tun, als ob alles wieder in ordnung wäre.

damit unterdrückst du deine trauer, und sie wird zu einer anderen zeit und in einer anderen form wieder auftauchen.

ich wünsche dir alles liebe und viel kraft für die kommende zeit,

simone

Katja75
19.08.2005, 11:51
Liebe Annette,

Du hast recht, die alte Annette wird es so wie sie vorher war, nie mehr geben. Du hast Dich veraendert und wirst Dich auch noch viel mher veraendern. Manhce Facetten von frueher kommen wieder zu Tage, aber einiges wird einfach nicht mehr so wie es mal war und in meinen Augen ist das auch gut so!

Annette, Dein Verlust ist noch nicht lange her. Cosmos ist jetzt 7.5 Monate bei den Sternen und ich weine immer noch jeden Tag. Und ich werde das auch noch lange tun. Natuerlich lache ich auch und ahbe Freude, aber immer mit einer gewissen Wehmut. Und den Schmerz, die Trauer wird uns wohl ein Leben lang begleiten.

Lass Dir Zeit und weine Deine Traenen.

Lieber Gruss
Katja mit Cosmo Liam im Herzen (*01.01.05 +03.01.05; 25.Woche
ET 07.04.05)

Katja75
19.08.2005, 11:53
Liebe Annette,

Du hast recht, die alte Annette wird es so wie sie vorher war, nie mehr geben. Du hast Dich veraendert und wirst Dich auch noch viel mher veraendern. Manhce Facetten von frueher kommen wieder zu Tage, aber einiges wird einfach nicht mehr so wie es mal war und in meinen Augen ist das auch gut so!

Annette, Dein Verlust ist noch nicht lange her. Cosmos ist jetzt 7.5 Monate bei den Sternen und ich weine immer noch jeden Tag. Und ich werde das auch noch lange tun. Natuerlich lache ich auch und ahbe Freude, aber immer mit einer gewissen Wehmut. Und den Schmerz, die Trauer wird uns wohl ein Leben lang begleiten.

Lass Dir Zeit und weine Deine Traenen.

Lieber Gruss
Katja mit Cosmo Liam im Herzen (*01.01.05 +03.01.05; 25.Woche
ET 07.04.05)

Maike
19.08.2005, 12:11
Liebe Anette...


ich habe letztes Jahr am 14. Juli meine Zwillinge in der 38. SSW verloren und war danach bis Weihnachten überhaupt nicht zu gebrauchen.
Ich habe alleine fast 2 Monate durch geweint...eine sehr schlimme Zeit aber sehr wichtig.
Es mußte einfach alles raus.
Ich gehöre leider zu den Menschen die für ihre Umwelt immer stark sein wollen und sich selbst dabei vergessen, was ich jetzt in meiner Folgeschwangerschaft als Quittung zurück bekomme.
Der Schmerz um meine Kinder ist wieder voll da und macht mir das Leben sehr schwer.


Ich habe mich damals entschlossen nicht wieder arbeiten zu gehen und bereue die Entscheidung bis heute in keinster Weise.
Der Tod meiner Kinder ist so ein schlimmer Einschnitt in mein Leben gewesen...ich konnte einfach nicht mehr in die "Normalität" zurück.
ich bin bis heute krank geschrieben und habe die Zeit genutzt um wieder zu mir zu finden.

Ich wollte die akute Trauer nicht jahrelang verschleppen...weh tun wird es immer aber das ist normal.

Ich wünsche dir viel Kraft für die Zukunft und bitte vergesse dich nicht!!
Das du trauerst ist wichtig, egal was andere sagen!!!!
Und wie lange du trauerst liegt bei dir..


Liebe Grüße

Maike

Susanne1310
20.08.2005, 19:18
Hallo Annette,

nach 4 Wochen zur Normalität ist das, was man allgemein von deutschen Eichen erwartet.
In unserer Gesellschaft spielt Tod und Trauer kaum eine Rolle, weil es niemand an sich heran lassen will.
Ich habe so ähnliche Erfahrungen.
Aber ich konnte, im Gegensatz zu vielen der hier schreibenden Frauen das "Glück" des ungebrochenen Mutterschutzes genießen, da meine Krümelchens bereits über 2500g schwer waren, also keine Frühchen mehr. Und so durfte ich dem "Funktionieren" müssen erst einmal entfliehen.
Aber nun, nach 6 Monaten kümmert sich kein Mensch mehr um das was im Februar passiert ist.
Glücklich Strahlemann kredenzt man der "gebranntmarkten" Frau ein taufrisch neugeborenes Enkelchen und wundert sich, wieso die Kollegin heulend zusammenbricht. Nicht das man (Frauen) auf die Idee kommen zu trösten, neeeeeee, bloß nichts anmerken lassen. Nichts sagen. Nichts machen. Die ist ja stark und hat sich gleich wieder ein. Und der Clou: alle Kolleginnen sind gestandene KRANKENSCHWESTERN und LEHRER für medizinische Assistenzberufe - Menschen, denen Trauer noch etwas bedeuten sollte.
Was fällt einem da ein? Nichts.

Du siehst, Du bist nicht allein.

Liebe Grüsse
von Susanne

rosenrot73
21.08.2005, 00:44
Hallo Anette

ich kann Dich gut verstehen - erst vor wenigen tag kam mein 5.Sohn am Tag der vollendeten 17.SSW tot zur Welt (Diagnose intrauteriner Fruchttod vor max. 4 Tagen, Geburt wurde eingeleitet). Ich stecke noch mitten in der Phase, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Glücklicherweise ist mein Mann eine große Hilfe, da er ähnlich wie ich empfindet und es gibt auch einige Menschen, die verstehen, daß auch eine späte "Fehlgeburt" seht weh tut. Leider ist nicht überall Verständnis vorhanden, selbst nach so kurzer Zeit ist. Gerade weil ich schon gesunde Kinder habe (wofür ich jetzt dankbarer denn je bin) wird erwartet, daß ich den Tod meines kleinen Sternenjungen gut wegstecke - er war ja "nur" das 5.Kind. Ich finde diese Einstellung dem Kind, das nicht in dieser Welt leben durfte, gegenüber verdammt respektlos!
ich versuche auch nach vorn zu blicken, denn ich habe ja auch Kinder hier, die mich brauchen, aber trotzdem muß platz für Trauer sein. Mein Sohn war ein Wunschkind - ich hatte Zukunftspläne, wir hatten uns auf ihn gefreut. All das ist zunichte gemacht worden und das tut weh. Und ich denke, es wird noch eine ganze Weile so bleiben. Sicher, mit etwas mehr zeitlichem Abstand wird es besser werden, aber ich werde mir nicht vorschreiben lassen, wie lange ich um ein Kind, daß so früh gehen mußte, trauern darf! Die Umwelt hat kein Recht darüber zu urteilen! Für mich war der Verlust dieses Kindes keine bloße Fehlgeburt. Dieses Kind war und ist mein/unser Sohn, auch wenn er nicht hier sein kann. Das müssen die anderen akzeptieren...

Du bist vollkommen normal- die anderen sollten eher ihr Verhalten überdenken. laß Deine Trauer raus - nur das hilft! Nach 4 Wochen kann gar nict alles wieder normal sein. Ich werde auch nie in den Zustand vor der "Fehlgeburt" zurückkehren, denn der 17.08. hat etwas in meinem Leben verändert. Das werde ich auch irgendwann akzeptieren können, aber ich lasse mir nicht vorschreiben, wie und wielange ich trauern darf.
Aber leider mußte ich schon im KH erfahren, daß ein totes Kind in der 17.SSW oft nur als "abgestorbene Frucht", die aus dem Körper der Mutter heruas muß, gesehen wird. Für mich ist es aber vielmehr und das halte ich für absolut normal!

LG und alles Gute und noch viel Kraft,

Tanja mit 4 Jungs hier und einem kleinen Sternenjungen

Katja80
21.08.2005, 11:40
Hallo Anette,

ich bin auch ganz neu hier, wie Du vielleicht gelesen hast. Es tut mir so leid um deinen kleinen Engel.

Ich finde vieles wieder, was Du in deinem Posting schreibst. Lass Dir die Zeit die Du brauchst. Verstell Dich nicht und zeige deine Trauer.

Das ist leichter gesagt als getan. Ich selbst kann es auch nicht.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit.

Ich denke mir immer, irgendwann werden wir unsere Babys wiedersehen. Und es hatte einen Grund, dass sie nicht bei uns bleiben durften, auch wenn ich den nie verstehen kann oder verstehen werde.

Ganz liebe Grüße
Katja