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Susanne1310
14.08.2005, 18:01
Hallo Ihr Lieben,

ich habe, bevor ich zur Tastatur gegriffen habe, erst einmal fleißig gelesen. Mir ist aufgefallen, dass ich mit meinem Problem nicht allein dastehe und das hilft mir bereits jetzt ein wenig weiter.

Ich habe vor 6 Monaten meine Zwillinge Corinna und Johanna in der 36SSW, also unmittelbar vor der geplanten Geburt hergeben müssen. Der unsagbare Schmerz und die grauenvolle Leere in meinem Herzen sind etwas gemildert. Aber nach wie vor schnürt sich mir das Herz zusammen, wenn ich glückliche frisch gebackenene Mütter mit ihren Säuglingen sehe.
Ich frage mich schon seit längerem wann ich diesen Anblick endlich wieder ertragen kann. Ich habe Angst zukünftig vor solchen Ereignissen weglaufen zu müssen. Schrecklicher Gedanke. Ich empfinde das Sprichwort: Was des einen Freud ist, ist des anderen Leid., als sehr lebendig und allgegenwärtig.
Hört das irgendwann einmal auf?
Kann ein "neues Kind" wirklich die Trauer um den Verlust etwas mildern?

Liebe Grüsse
Susanne

Nicole72
14.08.2005, 19:10
Liebe Susanne,

ich möchte dich ganz lieb willkommen heißen in diesem besonderen Forum. Leider ist es kein schöner Anlaß der uns zusammenführt.
Es tut mir sehr leid das deine beiden Babys nicht bei dir bleiben konnten.
Magst du mehr über deine beiden Mädchen erzählen?
Auch ich habe meine Zwillinge verloren. Ohne Vorwarnung in der 20. SSW. Das ist jetzt bald 3 Monate her und bestimmt bist du auf deinem Trauerweg schon ein bisschen weiter als ich.....

Ich kann auch noch keine Babys sehen und wenn ich eine schwangere Frau sehe, steigen mir die Tränen in die Augen...

Ich habe schlechte und manchmal auch gute Tage und am meisten hilft mir der Austausch mit anderen betroffenen Muttis. Niemand kann unseren Schmerz so verstehen wie eine Mami der das gleiche passiert ist.

Ob ein neues Kind den Schmerz lindern kann, weiß ich nicht....aber bestimmt hilft es.

Hier findest du immer ein offenes Ohr (Auge)....
Ich drück dich mal ganz vorsichtig wenn ich darf.......

Stille Grüße
Nicole

Constance
14.08.2005, 19:32
Liebe Susanne!

Ein trauriges Willkommen hier in unserer Mitte.
Es tut mir entsetzlich leid, dass Du Deine beiden Mädchen hergeben musstest.
Die Trauer wird sich verändern, sie ist irgendwann nicht mehr so unerträglich. Ja, man lernt mit ihr zu leben, aber ganz verschwinden wird die Trauer nie.

Ein Folgekind wird den Verlust nicht mindern, selbst wenn man Dir sowas erzählen möchte.

Auch mein Cedric starb in der 36.SSW. Noch heute ist es so unfassbar für mich.

Traurige Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen
Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

Constance
14.08.2005, 19:36
Liebe Susanne!

Habe gerade gelesen, dass Du aus Brandenburg kommst.
Wohnst Du auch direkt in der Stadt Brandenburg?


Liebe Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen
Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

simone finck
14.08.2005, 21:56
liebe susanne,

sei willkommen hier im forum. ich kann mich constance und nicole nur anschließen. du wirst hier sicherlich sehr intensive und gute kontakte zu anderen Betroffenen finden.

Auch ich habe zwillinge verloren, das ist nun schon mehr als vier jahre her - doch der schmerz ist immer wieder sehr präsent.

Der schmerz wandelt sich - irgendwann. das ist bei jedem anders. da gibt es keine regel, da darf es auch keine geben.

auch heute noch - und das obwohl ich nun endlich ein lebendes kind habe - fühle ich schmerzen im herzen, wenn ich zwillinge sehe. ich vermisse meine kinder.


hier wirst du gut aufgehoben sein mit deiner trauer um deine geliebten zwillinge.

ich wünsche dir von herzen alles liebe,

simone

andreab
14.08.2005, 21:57
Liebe Susanne,

es hört nicht ganz auf, sondern dieses Gefühl der Bodenlosigkeit verändert sich - zumindest bei mir.
Und das Tag für Tag und Woche zu Woche.

Es ist jetzt 6 Jahre her, daß meine Tochter Emma-Marie nur 6 Wochen nach der Geburt sterben mußte.
Wir haben auf eine Tochter Lucie, die 1 1/2 Jahre später gesund geboren wurde und unser Leben auch Tag für Tag und Woche für Woche berreichert und mich eine tiefe Dankbarkeit und Liebe fühlen läßt.
Dieses andere Gefühl ist jedoch auch da, und das zerreißt sich, seit 6 Jahren.
Ich habe noch keine gut wirkende Methode gefunden, die mich wieder "normal" sein läßt.
Mein Fühlen, Glauben und Hoffen, sind so anders geworden.

Du schreibst, deine Beiden sind vor 6 Monaten gestorben, und ist es nicht oft so, als wäre es eben erst gewesen?.
Kennst du noch das Gefühl schwanger zu sein?
Das alles ist und lebt so tief in uns Frauen, daß ich mich oft frage, wie soll eine Frau, die ein Kind oder ihre Kinder nicht im Leben bei sich haben darf, das wiederrum ins Leben integrieren.

So, nun höre ich mal auf, sonst endet es wieder nie.....

Ich hoffe, es tut dir irgendwie gut, hier im Forum zu sein.
Mir hat es vor 6 Jahren und nun heute auch wieder, seeeehr gut getan.
Besser als jede Therapie...

sei lieb gegrüßt zur Nacht

Andrea

Rike
15.08.2005, 00:50
Liebe Susanne!

Estmal möchte ich Dir mein Mitgefühl für den Verlust Deiner Kinder ausdrücken.Immer wieder, wenn ich in diesem Forum lese, macht es mich so unendlich traurig, dass so viele Frauen dieses Leid erfahren müssen und diesen schweren Weg durch die Trauer gehen müssen. Ich hatte vor vier Jahren eine Togeburt in der 27.ssw, und wenn ich es jetzt mit etwas Abstand betrachte,wundere ich mich darüber, wieviel Zeit vergangen ist, obwohl ich doch eigentlich dachte, kurz nachdem es passiert ist, dass ich das niemals überleben werde, und obwohl ich eigentlich nicht weiterleben wollte. Aber irgendwie habe ich es geschafft, ich habe weitergelebt, und ich habe auch irgendwann mein Lachen und meine Liebe zum Leben wiedergefunden. Aber meine kleine Lea-Marie vermisse ich unendlich, und ich kann auch jetzt noch, nach vier Jahren, tausend Tränen um sie weinen.Ich kann Dir nur sagen, dass die Trauer niemals wirklich aufhört,aber sie verändert sich, und wird irgendwann sanfter und erträglicher. Ich hatte Tage, an denen ich vor Schmerz nicht wusste, wie ich all das schaffen soll, wie ich jemals wieder zur Arbeit gehen könnte, meinen Kolleginnen begenen sollte, die doch die Schwangerschaft miterlebt hatten, ich wusste gar nicht, wie es überhaupt geht, ein normales Leben zu führen...Mein Glück war, dass ich instinktiv die für mich richtigen Wege gefunden habe, mit meiner Trauer umzugehen, ich habe mich nur mit den Menschen über meine Trauer unterhalten, die ihr auch begegnen konnten, und bei denen ich mich vertsanden gefühlt habe,habe eine gute Selbsthilfegruppe gefunden, in der ich heute noch mit meiner Freundin aktiv bin...All das gehörte zu meinem Weg, wieder das Leben nach dem Tod meiner Tocher zu lernen.Im August 2003 wurde nach einer sehr angstvollen Schwangerschaft unser Sohn Simon geboren, und wir waren überglücklich...Die Sehnsucht nach Lea-Marie bleibt, und ein Folgekind kann niemals das verlorene Kind ersetzen.Lea-Marie ist in unserem Herzen, und Simon, ihr kleiner Bruder, hat nun mit ihr einen Schutzengel, der bestimmt ganz gut auf ihn aufpasst....Simon war und ist ein Geschenk nach ganz viel Trauer und Schmerz, und durch ihn wird es leichter, mit dem Verlust zu leben. Aber die Sehnsucht bleibt immer......
Ich wünsche Dir auf deinem Weg durch die Trauer ganz viel Kraft und Mut, all deine Gefühle leben und aushalten zu können....
Gruss, Rike mit Lea-Marie im Herzen und Simon an der Hand

Susanne1310
15.08.2005, 16:35
Liebe Nicole,

ich freue mich immer über mögliche Austausche zu diesem Thema.
Auch heute noch ist das Leben wie eine Berg und Talfahrt - mal gute und mal schlechte Tage. Es gibt Momente, in denen ich mich nicht zusammen reißen kann und weine wie ein Schlosshund. Mein Umfeld versucht mich zu verstehen, aber letztendlich stehen sie hilflos neben mir. Zum Teil wenden sie sich sogar von mir ab, weil sie sich mit diesem Schmerz nicht konfrontieren wollen.
So wirklich Hilfe von anderen kann Frau tatsächlich nicht erwarten. Wie Du sagtest, am besten kann es nur eine betroffene Frau nachempfinden. Aber auch hier gibt es Einschränkungen. Jede Frau ist anders und denkt auch anders über diese Tragödie nach. Die einen meinen es sei Schicksal - welch böses Schicksal, die anderen meinen es wird seine Gründe gehabt haben - welche Gründe bitte schön?
Bei mir kommt noch der Aspekt hinzu, dass die behandelnden Ärzte im entscheidenen Moment nicht adäquat gehandelt haben. Es treibt mir die Wut in den Bauch, da ich im medizinischen Bereich arbeite und ich, als ich merkte, dass etwas nicht stimmt einen hoffnungslosen Feiztanz hingelegt hatte. Es war aber umsonst, und das im warsten Sinne des Wortes.
Über meine Kruemelchens würde ich gern erzählen, wobei ich nicht so sehr viel berichten kann. Ich hatte zwar eine wundervolle Schwangerschaft, aber da ich mitten im Studium stehe habe ich diese Schwangerschaft nicht mit den Zügen genossen, wie es viele andere Frauen machen. Noch ein Fehler, den ich nun bitter bereue.
Wenn Du dich mit mir weiter unterhalten möchtest, dann sei herzlich willkommen. Vielleicht kann ich Dir etwas helfen, vielleicht aber auch Du mir.
Eines jedoch kann ich Dir schon jetzt versichern - den Verlust eines Kindes zu verkraften ist fast unmöglich. Den Tod zweier Kinder auf einen Schlag ist rationell nicht fassbar und wird uns für immer prägen.

Liebe Grüße
von Susanne

Susanne1310
15.08.2005, 16:40
Hallo Constance,

lieben Dank für deine ehrlichen und liebevollen Worte.
Es stimmt: kein Wort der Welt kann ausdrücken was wir empfinden und kaum ein anderer kann dies nachempfinden.

Ja, ich komme aus der Stadt Brandenburg/Havel. Wieso fragst Du?

Liebe Grüße
von Susanne

Susanne1310
15.08.2005, 16:44
Liebe Simone,

danke für deine lieben Worte.
Wenngleich ich mich gerade fürchterlich erschrecke.
Ich wußte nicht, dass es so viele verwaiste Zwillingsmuttis gibt. Ich bin mir sicher, dass auch ich in 4 Jahren noch immer meinen Mädchen hinterher trauern werde.
Schon jetzt treibt mich jedes Zwillingspärchen in tiefe Trauer. Mir wird von Tag zu Tag mehr bewusst wie besonders es gewesen wäre 2 identische Mäuse gehabt zu haben. Es war ein langersehnter Glückstreffer, der einfach so veronnen ist.

Liebe Grüße
von Susanne

Susanne1310
15.08.2005, 16:55
Liebe Andrea,

ich kann mich noch heute an viele Momente der Schwangerschaft erinnern, als wenn es gestern war. Ich ertappe mich dabei, daß ich mir meinen ultradicken Babybauch zurück wünsche. Ich fand den Kugelbauch so schön - er war glatt, die überflüssigen Pfunde waren nicht mehr zu sehen, ich fühlte mich frisch und munter und war sooooo stolz auf die Aussage: ich bekomme gleich 2.
Ich kann mich auch heute noch an jeden Augenblick in der Klinik erinnern, an jedes Wort welches fiel. Sogar die Menschen, die es gesagt haben. Ich erinnere mich noch heute an gedanklose Wortwahlen, w.z.B. der Stillbeauftragten, die trotz meines Milcheinschusses erst nach massiven Drängen bei mir aufschlug und meinte: " Tut mir leid, aber auf der Entbindungsstation liegen so viele frisch gebackene Mütter, die stillen wollen. Die haben ja erst einmal vorrang. " Noch heute könnte ich ausholen und dieser Frau meine Faust ins Gesicht stemmen - vor Wut und Verbitterung.
Ja, ich glaube das wird niemals verblassen.
Ja, ich glaube es wird noch lange lange Zeit sehr weh tun.
Ich habe aber ein kleines Ziel, ich möchte anderen Frauen in unserem Krankenhaus helfen, wenn ihnen das gleiche widerfährt. Ich möchte mich als freiwlllige Helferin eintragen lassen. Ich denke dies wäre für mich eine gewisse Hilfe das Geschehene abzuarbeiten und daran gleichzeitig zu wachsen. Und ich glaube keine Frau, die das erlebt hat wird böse sein, wenn eine ebenso gebranntmarkte Frau neben ihr zu weinen beginnt.

Ich grüße Dich
Susanne

Susanne1310
15.08.2005, 17:04
Liebe Rike,

danke für deine Worte.
Auch ich erschrecke langsam und immer mehr, wenn ich mit ansehen muss wieviele Frauen in unserem hochtechnisierten Land dieses Schucksal erleiden. Und da sagten mir die Ärzte derartige Vorfälle wären selten - das ist wohl nicht ganz wahr.

Ich habe mir schon gedacht, das auf meine Frage wegens Folgekind derartige Antworten folgen werden. Aber Du hast da etwas für mich ganz wertvolles gesagt: dein Töchterchen ist der Schutzengel deines Söhnchens. Das klingt so lieb und herzlich - ich werde es lernen genauso zu sehen, falls es uns erlaubt sein sollte noch einmal ein Kind zu bekommen. Wobei ich glaube, dass ich eine schrecklich verängstigte Schwangere sein werde und dazu noch eine mit großem Mundwerk. Oh weh. Aber zumindest steht mein Entschluss fester denn je: ich möchte doch noch einmal den Schritt wagen. Ich war mir da nicht so sicher und schon fast dabei mir zu sagen:
ich glaube man kann auch ohne KInder glücklich werden.

Danke schön
von Susanne

Andrea mit Sternchen Janin
15.08.2005, 18:52
Liebe Susanne!
Ein trauriges Willkommen hier bei uns im Forum der Sternenkindereltern.
Es tut mir sehr leid, dass deine beiden Mädchen nicht bei dir bleiben durften.
Meine Janin ist in der 21. SSW still geboren. Es ist nun schon über sieben Monate her und doch gibt es Tage, an denen der Schmerz mir fast das Herz zerreist und die Sehnsucht nach ihr unendlich groß ist.

Und auch nachdem Janin's kleine Schwester nun in meinem Bauch wächst, so hat sich an der Trauer dadurch nichts verändert.
Unser zweites Kind wird hoffentlich gesund in unseren Armen landen und uns ein wenig trösten, aber niemals wird es unsere Erstgeborene ersetzen können oder die Trauer verteiben.
Es ist ein sehr langer Weg...

Ich hoffe, dass dir dieses Forum bei deinem Weg helfen kann, so wie es auch mir schon sehr geholfen hat.
Hier wird immer jemand sein, der dich versteht und da ist.

Diese Kerze soll leuchten für deine Zwillingsmädchen Corinna und Johanna.
http://www.am-horizont.de/Kerzen/kerze7.jpg

Stille Grüße,
Andrea mit Janin für immer im Herzen und kleinem Hoffnungsbär im Bauch

Rike
15.08.2005, 23:10
Liebe Susanne !
Magst Du mir sagen,ob es auch medizinische Gründe hat, warum Du an einer weiteren Schwangerschaft zweifelst? Dass diese Zweifel von den Gefühlen her da sind, ist glaube ich ganz normal, denn wir Frauen, die die Erfahrung einer Totgeburt gemacht haben, haben wohl allen Grund dazu, daran zu zweifeln, dass unser Körper es schaffen wird, ein Baby lebendig zur Welt zu bringen...Zumindest war das bei mir so. Ich dachte, das, was Millionen von Frauen schaffen, nämlich ein Kind zur Welt bringen, schaffe ich nicht, es stirbt einfach in mir. Die Ursache für den Tod von Lea-Marie war ein Hellp-Syndrom, das ist eine schwere Verlaufsform einer Gestose.Im Krankenhaus konnte oder wollte man mir nicht viel dazu sagen, die Ärzte meinten, wenn sie wüssten, wieso eine Frau eine Gestose bekommt, würden sie einen Nobellpreis bekommen...Erst zuhause, als die Beerdigung hinter uns lag und die richtige, schmerzliche Trauerzeit und Verarbeitung begann, habe ich mich selber mit dem Krankheitsbild der Gestose auseinandergesetzt. Dem Internet sei Dank, sind die Möglichkeiten da fast unbegrenzt.Ich stiess auf die Seite der Gestose-Frauen, und fand alles was ich wissen wollte heraus. Leider auch, dass die Wiederholungswahrscheinlichkeit für eine Gestose sehr hoch ist.Die Gestose-frauen bieten auch Sprechstunden per Telefon an, und so konnte ich persönlich mit einer Frau sprechen, die das alles selbst erlebt hatte, und sich dazu noch medizinisch hervorragend auskannte.Die Gestose-Frauen vermittelten mich an eine Klinik in Rüsselsheim, wo mir Blut abgenommen wurde und eine Gebärmutterspiegelung gemacht wurde. Die Blutuntersuchung in einem Labor für Humangenetik ergab, dass ich eine Gerinnungsstörung habe, die kleine Thrombosen in der Plazenta bewirkt hat, so dass meine Kleine nicht mehr ausreichend versorgt wurde:Deshalb war sie mit ihren 700 Gramm für die 27.SSW auch doch recht leicht...Schon zwei Wochen vor ihrem Tod, hatte sie einen Wachstumsstop.Schade, dass das mein Frauenarzt verpennt hat, er hat mir bei der letzten VU lediglich gesagt, sie sei "etwas klein". Das ich da schon Eiweiss im Urin hatte und etwas Blut, liess ihn auch nicht aufmerksamer werden, und ich kannte mich zu der Zeit zu wenig aus....Aufgrund der Gerinnungsstörung wurde mir von der Rüsselsheimer Klinik empfohlen , in der nächsten Schwangerschaft ab der 7.Woche Heparin zu spritzen, zur Blutverdünnung.Es hat lange gedauert, einen Fraunearzt zu finden, der sich auf diese doch noch recht neuen Erkenntnisse einlassen konnte und bereit war, mir das Heparin regelmässig zu verschreiben.Heute denke ich, dass es Simon das Leben gerettet hat, denn ich hab es zumindest bis zur 37. Woche geschafft, da musste dann die Geburt eingeleitet werden, da die Blut- und Urinwerte wieder auf eine beginnende Gestose hindeuteten...Wir haben es also geschafft, aber die Ärzte haben uns von einer weiteren Schwangerschaft abgeraten...Die Untersuchung der Plazenta ergab nämlich auch, dass sie vollkommen verkalkt war und niemals bis zur 40 Woche gereicht hätte.Allein die Tatsache musste ich erstmal wieder verarbeiten, ich musste immer daran denken, was passiert wäre, wenn ich nicht an diesem Abend ins Krankenhaus gefahren wäre. Ich hatte ja keine Wehen, sondern einfach nur "ein komisches Gefühl".Deshalb kann ich nur allen Frauen nach einer solchen Erfahrung raten, ihren Gefühlen zu vetrauen, egal was Ärzte sagen, egal ob sie uns für hysterisch halten.Nochmal hätte ich so einen Verlust nicht überlebt...
Ich hatte in der Schwangerschaft mit Simon gute Tage und sehr schlechte Tage mit viel Angst. Wenn er sich mal nicht bewegt hat, weil er gerade in meinem Bauch geschlafen hat, kroch gleich wieder diese Panik in mir hoch!Angst und Hoffnung kamen immer in Wellen oder wie eine Berg- und Talfahrt.Als ich Simon dann in meinen Armen hielt, konnte ich dieses Glück gar nicht fassen. Ich habe mir nach Leas Tod nie getraut, zu denken, dass ich das mal erleben darf, dass mein Körper ein Baby am Leben halten kann, auch wenn das hart klingt.Manchmal tut es trotzdem noch weh, dass ich nie wieder schwanger werden darf, so dankbar ich auch für mein Sternenkind Lea und meinen Simon bin. Aber ich bin mit drei Geschwistern gross geworden und habe das sehr genossen. Für Simon hätte ich mir das auch gewünscht, zumindest ein Geschwisterchen. Dass er ohne seine "grosse" Schwester aufwachsen muss, macht uns sehr traurig.
Vielleicht möchtest Du ja mal erzählen, wie es passiert ist, dass Corinna und Johanna gestorben sind...Hattest du auch eine Gestose...?
Lass Dir die Zeit, die Du brauchst, um über eine neue Schwangerschaft nachzudenken, Dein Gefühl wird dir sagen, wann Du dazu bereit bist, diese Hoffnung zu wagen. Mich hat es immer genervt, wenn andere Leute mich gefragt haben "wann wir einen Neustart machen".Unser Neustart war, zu lernen, mit dem Verlust unserer Tochter zu leben.

Ganz viel Kraft wünscht Dir Rike

Constance
16.08.2005, 12:11
Liebe Susanne!

Ich lebe auch im Land Brandenburg, allerdings östlich von Berlin.

Liebe Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen
Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

Susanne1310
20.08.2005, 18:02
Hallo Rike und der Rest der Welt,

wieso sind Johanna und Corinna gestorben?
Also es war kein Krankheitsgrund. Die Kinder und auch ich waren kern gesund. Genetisch lag auch kein Problem vor, da ich in der 16ten Woche eine Fruchtwasseruntersuchung erkämpft hatte (war mit 34 Jahren zu jung dafür!!).
Das Problem ist so einfach erklärt, dass es einem fast schlecht wird. Die beiden Mäuse waren am Tag ihrer Geburt beide 2600g schwer und hatten beide jeweils eine Körperlänge von 49 cm. Sie waren fix und fertig und hätten nicht einmal mehr in den Brutkasten gebraucht, wären sie lebend auf die Welt gekommen. Mein Bauch hatte keinen Platz mehr für die beiden Schnecken.
Alles läuft darauf hinaus, dass die Ärzte dieses fatale Missverhältnis unterschätzt hatten.
Dabei kündigten sich die ersten Reifezeichen der Schwangerschaft bereits 14 Tage vorher an, mein Fruchtwasser neigte sich bedrohlich zu neige. Aber keine Reaktion der Ärzte.
Das letzte CTG am Monatg der betroffenen Woche zeigten sich eindeutige Stressreaktionen bei Johanna. Aber die Ärzte sagten nur, es wäre alles normal. An dieser Stelle möchte ich mal hinzufügen, dass ich Diplom Medizinpädagogik studiere und fast fertig bin, also kein medizinischer Laie.
Ab dem Dienstag fing meine Bauchhaut an zu reißen, bis dahin hatte ich keinen einzigsten Schwangerschaftsstreifen. Zudem traten zunehmende Schmerzen auf. Ich schaffte es mit Hilfe meiner Hebamme einen Termin im Krankenhaus zu bewirken und schilderte einen Tag vor dem Tod, exakt 16 Stunden vor der scheußlichen Diagnose, einem Oberarzt meine Beschwerden und betonte, dass hier etwas nicht stimmt. Aber der Arzt schickte mich einfach wieder nach Hause: Es sei normal.
Am Tag darauf hatte ich ab dem Morgen leichte Schmerzen, die nahmen im Laufe des Tages zu. Um die Mittagszeit wollte ich mir die Schmerzen weglaufen und hatte mich mit meinen Hunden in Bewegung gesetzt. Im Unterbewusstsein sagte mir etwas: Susi, hier stimmt etwas nicht. Meinen Spaziergang musste ich wegen Schmerzen abbrechen. Hatte mich in die Wanne gelegt und die Schmerzen schlugen im Intervall zu, an und abschwellende Schmerzen - erste Wehen. Ich bin ins Krankenhaus und da war es zu spät - beide tot.
Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass Johanna zuerst starb und wohl schon etwas länger tot war. Danach nahm ihre Schwester sie in den Arm und starb ebenso. Die Ärzte hatten ihre liebe Mühe beide aus meinem Bauch zu bergen. Das Schlimme für mich: ich weiß in welcher Reihenfolge ich die Seiten in der Nacht wechselte. Zuerst schlief ich auf der linken - Johannas Seite und dann auf der rechten - Corinnas Seite. Die jeweils andere quetschte aufgrund Platzmangels der anderen die Nabelschnur ab und es gab kein Entrinnen.
Deshalb sind nun beide tot. Nur, weil die Ärzte nur noch auf ihre Maschinen achten und hören, aber nicht auf die Äußerungen und subjektiven Empfindungen der Patienten. Schweiß Welt.
Und wieso ich Angst habe ein Kind zu bekommen hat nichts mit diesem Erlebnis zu tun. Ich war immer eine Frau, die nie Kinder haben wollte und es dennoch gewagt hatte auf ein Verhütungsmittel zu verzichten. 3 Jahre ging es gut und dann, schwubbs die beiden waren geschaffen worden. Es war ein 6er im Lotto, aber einer, auf den ich mich gelernt hatte zu freuen. Nun macht sich langsam wieder meine alte Einstellung breit: Soll oder darf man in eine derartig abartige Welt überhaupt noch Kinder setzen? Was, wenn ich wieder wie Don Quichotte gegen Windmühlen kämpfen muss und diesen Kampf wieder verliere? Ich bin ziemlich hin und her gerissen. Deshalb schwanke ich.
Bisher musste ich mir jedoch noch keine ernsthaften Gedanken machen, mein Körper und die Natur haben selbst dafür gesorgt, dass ich ein halbes Jahr nicht schwanger werden konnte - ich hatte keinen Eisprung. Ab diesen Monat jedoch sieht es etwas anders aus. Und spätestens wenn mein Mann von See wieder nach Hause kommt geht die alte Frage los: Sollen wir oder besser nicht.
Ich glaube aber eine Antwort gefunden zu haben: ich möchte es noch einmal versuchen. Sollte es wieder fehlschlagen, dann würde ich wahrscheinlich entgültig und rigeros adieu Kinderwunsch sagen und gleich Nägel mit Köpfen machen.
Das ist meine Horrorgeschichte, die leider kein fiktives Hirngespinnst ist, sondern bittere und knallharte Realität.

Machts gut und Tschüssis
Susanne

Susanne1310
20.08.2005, 18:03
Vielen lieben Dank für deine liebe Kerze.