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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie verhalt ich mich "richtig" ?


Sabine Marie
06.08.2005, 18:21
Also erstmal ein hallo an alle. Ich selbst bin nicht betroffen, aber eine sehr gute Freundin von mir und und und ich fang am besten von vorne an. Meine freundin hat seit mehreren Jahren einen tollen Mann an ihrer Seite und ihr größtes Glück sollte mit einen gemeinsammen Baby vollendet sein. Aber langen lange Zeit tat sich einfach nichts während in unseren Freundeskreis ein Baby nach den anderen ( mich eingeschlossen) das Licht der Welt erblickte blieb ihre Sehnsucht unerfüllt. Aber dann endlicht klappte es aber sie verlohr das Baby in den ersten 3 Monaten. Auch die zweite Schwangerschaft nahm leider auch so ein tragisches Ende..und dann kam die 3.! Wir hofften und bangten mit ihr und alles lief wunderbar. Als die "kritischen" Monate vorbei wahren da war die freude riesengroß. Ich freute mich so sehr für ihr Glück, da sie echt ein toller Mensch ist und ich wuste das sie eine wundervolle Mama sein würde. Aber dann kam der gestrige Tag. Ich hatte sie schon die ganze Zeit nicht erreichen können aber richtig besorgt war ich nicht sie war ja mitlerweile in der 36 SSW. Sie erzählte mir das im Krankenhaus war da ihr Baby gestorben sei. Die Plazenta hatte sich gelößt und als sie mit der Feuerwehr im Krankenhaus ankamm was das Baby schon gestorben. Es wurde dann ein Kaiserschnitt gemacht und nach ein paar Tagen kam sie wider nach hause. Nach hause in eine Wohnung mit den komplett fertig eingerichteten Kinderzimmer. Wie gesagt ich bin pers. nicht betroffen aber ich bin so sehr traurig und trauer um dieses kleine Wesen. Es ist so furchtbar und ich würd ihr so gerne helfen..das ist der Grund warum ich hir bin. Ich weis das jeder auf seiner Art trauert und man sowas nicht verallgemeinern kann aber ich währe so dankbar wenn mir vieleicht jemand schreiben konnte was er für erfahrungen gemacht hat mit den Freunden. Was einen gut getan hat. Ich will ihr so gerne helfen aber blos wie....???????????????

Beate35
06.08.2005, 18:27
Hallo Sabine,

erst mal Hallo,es tut mir leid,was Deiner Freundin passiert ist.

Einen "richtigen" Tip habe ich glaub ich nicht,außer;sei für sie da.

Hör Ihr zu,laß sie weinen...laß sie reden...,der Weg wird hart.

Es tut mir leid,wenn ich Dir keine wirkliche Hilfe war.

Liebe Grüße
Beate

Christine313
06.08.2005, 18:51
Liebe Sabine,

sei für deine Freundin einfach nur da.
Es muß nicht viel gesagt werden; manchmal ist eine Umarmung tausendmal mehr wert, als irgendein Wort.
Laß´ sie nicht allein. Vielleicht will sie erzählen.
Eigentlich wollen alle Mütter hier von ihren Engelchen erzählen.

Und wenn du einfach nur da bist Tee kochst, sie im Arm hälst und du mit ihr weinst.....es wird ihr sicherlich helfen.

Das Schlimmste wird sein, wenn sich plötzlich alle abwenden und so tun als wäre nichts passiert.
Denn für deine Freundin ist etwas ganz furchtbares passiert; sie hat ihr Kind verloren. Und ein Kind ist doch nicht "Nichts".

Ach, das tut mir so leid für deine Freundin.....

Liebe Grüße
Christine

Betty_2
06.08.2005, 22:46
Hallo Sabine,

aus dem gleichen Grund wie du bin ich hier. Möchte deshalb kein extra-Posting aufmachen.

Ein gut befreundetes Pärchen musste vor kurzem auch ihr Baby gehen lassen. Sicherlich waren alle tief betroffen. Doch niemand traut sich irgendwas zu sagen bzw. alle versuchen nicht darüber zu sprechen.

Ich bin selber Mutter von zwei Kindern. Musste auch nicht diese Erfahrung machen, doch ich bin davon überzeugt, dass die Beiden darüber reden wollen...bzw. dass zu keinem Tabuthema werden zu lassen.

Es ist so schwer den richtigen Weg und Worte zu finden, damit umzugehen...um niemanden zu verletzen. Deshalb bin ich auch hier, um Wege zu finden, wie ich sie vielleicht unterstützen kann.

Deshalb möchte ich mich deinem Posting anschliessen. Danke!!

LG Betty

Gast
06.08.2005, 23:26
Liebe Sabine,

ich finde es so toll von Dir, dass Du Dir Gedanken machst und helfen möchtest.

Und wie auch die Anderen schon geschrieben haben...sei einfach da!

Rede mit ihr...lass sie reden.

Ich weiß von mir, dass ich ein unglaubliches Mitteilungsbedürfnis hatte.
Ich wollte von meinem Kind erzählen.

Wenn Du nicht weißt, was Du sagen sollst, nimm sie einfach in den Arm.
Floskeln können da sehr weh tun.
Ein ehrliches "Ich weiß nicht, was ich sagen kann.Es tut mir so leid!" ist mehr wert, als alle möglichen, hilflosen Erklärungsversuche.
Denn Trost gibt es einfach nicht.

Man kann nur versuchen, ihr beim Aushalten des Schmerzes bei zu stehen.
Wenn Euch danach ist, weine mit ihr.

Wenn sie Fotos hat, was ich sehr hoffe, zeig Interesse.
Schau Dir mit Ihr gemainsam die Bilder ihres Kindes an.
Sag ihr, wie süß ihr Baby ist.....
Scheu Dich nicht davor, den Namen ihres Kindes zu nennen!!

Es wird ihr gut tun, wenn jemand ihr Kind sehen möchte, Interesse zeigt,und nicht zurück schreckt.
Ihr Kind als vollständiges Kind anerkennt und nicht als etwas, das ja nicht gelebt hat!
Denn sie ist Mama, und ganz sicher auch stolz auf ihr Baby und möchte es zeigen.
Welche Mama will das nicht.

Das sind jetzt ganz spontan die Sachen, die mir einfallen.
Sachen, die ich mir manchmal in meiner Trauer gewünscht hätte, und von denen ich weiß, dass sie anderen Müttern, mit denen ich zu tun habe, gut getan haben.

Ich wünsche Dir und Deiner Freundin alles Liebe und viel Kraft für die kommende Zeit.

Denn der Trauerweg führt leider nur mitten hindurch, durch die Trauer.
Ein Weg drumherum bringt nichts und ist oft nur eine Flucht.

Liebe Grüße

Gabi

Manu70
07.08.2005, 09:17
[FONT FACE="Comic Sans MS"]Hallo Sabine,

hier ein paar allgemeine Tipps:

Was hilfreich ist:

Nimm ihren Schmerz, ihre Trauer wahr und zeige deine Anteilnahme. Sei einfach da.

Sage ihnen, dass es dir leid tut, was mit ihrem Kind und ihnen geschehen ist. Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst, dann formuliere das auch so.

Biete deine Hilfe im Alltag an: Zuhören, Besorgungen machen, überlege dir, was notwendig sein könnte.

Lass sie über ihr Kind sprechen, so viel und so oft sie wollen.

Mach ihnen Mut zur Trauer, ihre Gefühle auszudrücken und die Dinge zu tun, zu denen ihr Herz sie drängt.

Lass ihnen die Zeit zu trauern, hilf ihnen, mit sich selbst Geduld zu haben und nicht die Schuld bei sich zu suchen.

Rede mit ihnen über die positive Zeit mit ihrem Kind und die schönen Dinge. Sei einfach da, mit all deinen Sinnen.

Versichere den Eltern, dass sie das Bestmögliche für ihr Kind getan haben.

Halte die Erinnerung an das tote Kind in Ehren und lass ihm seinen Platz in der Familie.

Was kränkt:

Bitte lass dich nicht von deiner eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit davon abhalten, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen.

Sag nicht, du wüsstest, was sie empfinden, nur weil du vielleicht auch Kinder hast. Du weißt es nicht, und selbst wenn du selbst betroffen bist, ist jede Situation anders, vergiss das nicht.

Meide sie nicht, auch wenn es dir unangenehm ist, die Isolation bereitet zusätzliche Kränkung.

Wechsle nicht das Thema, wenn sie von ihrem Kind sprechen. Hab keine Angst, sie darauf anzusprechen und den Namen des Kindes zu erwähnen, sie denken ohnehin dauernd daran.

Vermittle ihnen nicht, dass Trauer krankhaft ist und lass ihnen Zeit. Frage nicht: Ist es immer noch so schlimm? Geht es Dir noch nicht besser?

Mache keine Vorgaben, was und wie sie zu denken und zu fühlen haben und was deiner Ansicht nach das Normale wäre.

Beschönige nicht den Tod des Kindes und versuche nicht, daran etwas Positives zu finden, du tust ihnen damit sehr weh. Versuche nicht zu trösten, sage nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt, es stimmt nicht. Sage ihnen nicht, dass sie ja noch andere Kinder haben können, es tut sehr weh. Kein Kind kann das andere ersetzen und soll es auch nicht.

Schüre nicht Zweifel und Schuldgefühle durch Bemerkungen, die dir nicht zustehen. Unterlasse Anschuldigungen und Kommentare der Art (hättet ihr nur auf mich gehört, ich habe immer schon gesagt).




Sonst kannst du auch gerne auf meiner HP schauen (einfach den Banner unten anklicken), da habe ich auch etwas dazu geschrieben ("Etwas zum Nachdenken")

Liebe Grüße
Manu

[link:www.beepworld.de/members88/engelmaximilian |http://www.forum.frauenworte.de/user_files/871.jpg]

Gerlind
07.08.2005, 14:14
Liebe Sabine,

einiges wurde hier schon geschrieben.

Was ich persönlich auch ganz toll und wichtig finde, dass meine beste Freundin mit ihrer Familie auch 2-3mal im Jahr zum Friedhof geht, dass sie mich gefragt hat, was wir am Jahrestag machen wollen, dass sie dann einfach vorbei kam mit Blümchen und einer Karte für uns und auch noch Blumen auf den Friedhof brachte. Dass ich ihr erzählen kann, was mich bewegt und sei es, dass ich wieder eine Frau kennen gelernt hab, die auch ihr Kind verloren hat. Dass sie für mich Zeitungsausschnitte sammelt, wenn dort irgendwas zum Thema steht (Gedenkgottesdienste etc.) Dass ich weiss, dass sie um mich und unsere Tochter weiss und immer wieder auch daran denkt. Aber sie weiss auch, wie sehr wir uns wieder ein Baby wünschen ohne dass wir darüber viele Worte machen.

Sie ist einfach "immer" da, (hat selbst zwei kleine Kinder) auch ohne viele Worte und auch nach nunmehr schon über 2 Jahren.

Denn bei den meisten anderen hat das Interesse schon bald nachgelassen. Ich musste mir bisher zwar keine blöden Sprüche anhören (ich weiss aber, da hab ich wirklich Glück) aber es ist auch nicht schön, wenn von anderen so getan wird, als sei nie etwas gewesen- sei es aus Gleichgültigkeit oder aus Angst, was falsches zu sagen.


Alles Gute auch für deine Freundin

Gerlind mit Elena im Herzen bei mir

Sabine Marie
08.08.2005, 12:27
Hallo ihr lieben, ich möchte mich ganz ganz herzlich für eure Antworten bedanken...ich war so unsicher und hatte einfach nur Angst etwas falsches zu sagen oder zu machen aber eure Briefe haben mir und dadurch meiner Freundin geholfen und das ist für mich das wichtigste. Sie verdrängt in Moment total und hat noch nicht die Kraft gehabt sich die Fotos von ihren kleinen schatz anzusehen auch nach den Kaiserschnitt konnte sie es nicht. Wir reden viel über alltägliche Dinge aber gestern haben wir das erste Mal über die Schwangerschaft gesprochen und uns Fotos von ihren wunderschönen Babybauch angesehen..vieleicht ein Anfang?!
Nochmals Danke und ganz liebe und stille Grüße an euch und eure Sternchen vom ganzen Herzen.