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Esther
29.07.2005, 14:57
Hallo ich bin Esther. Bin 28 Jahre alt, Mama von drei Kindern. Nach meiner Sterelisation beschloss ich eine Refi durchführen zu lassen die auch Erfolg hatte.

Aber leider hatte ich dann am 16.06.2005 in der 9. Woche eine Fehlgeburt. Und da wußte ich noch nicht mal so sehr lange das ich bereits so weit schwanger bin. Ich hatte 3 Tests gemacht. Sonntags- der blieb nicht positiv, montags- der war pos und mittwochs- immer noch pos. Da mein Lebensgefährte und ich aber dabei waren uns zu trennen, habe ich mich nicht getraut ihm das zu sagen. Die Vermutung war zwar auch von ihm da, aber ich blieb ruhig. Donnerstags wollte ich zu meinem FA gehen. Doch morgens fing ich ganz leicht an zu bluten. Ganz helles rosarotes Blut. Nicht viel, nur ein wenig. Ich legte mich hin, machte gar nichts und hoffte, das mein Kind bei mir bleibt. Doch mittags um kurz nach eins musste ich auf die Toilette gehen. Und als ich mich ganz vorsichtig abputzte merkte ich, das ich sehr viel stärker blutete, richtig blutete und das da irgendwas "rauskommt". Krämpfe hatte ich da mittlerweile schon. Also wischte ich nochmal vorsichtig und hatte mein Kind in der Hand. Und dieses Bild sehe ich jetzt jeden Tag vor mir. Ich hielt ein kleines unförmiges etwas, das gerade dabei war ein Mensch zu werden in meiner Hand. Ich habe ungefähr ne halbe Stunde auf der Toilette gesessen, das Blut floss munter weiter. Ich hab geheult und auch jetzt fange ich gerade wieder an. Ich hab mich in Watte und Hygieneartikel gepackt mein Kind immer noch in der Hand. Dann habe ich ein Kästchen genommen, es darin gelegt und bin auf unseren Berg gegangen. Was gar nicht so einfach war, denn ich hatte tierische Krämpfe. Ich hab ein Loch gebuddelt und es beerdigt. Und saß da auch nochmal so eine Stunde lang und hab geweint und geweint. Dann ging ich wieder ins Haus und rief meinen Lebensgefährten an, das ich eine Fehlgeburt hatte. Seine Reaktion war gleich null. An diesem Tag war ich ganz alleine. Hab es niemanden gesagt. Und ich blutete und hatte Krämpfe. Freitags kam er dann für ein-einhalb Stunden zu mir um mich zu trösten. Mehr kam da nicht von ihm. Aber ich ging immer noch nicht zum Arzt. Sonntags waren die Krämpfe immer noch da und ich blutete auch immer noch, so das ich letztendlich doch ins Krankenhaus ging. Alleine. Ich wollte da niemanden reinsehen lassen. Da ist doch kein Zwergenkind mehr. Dann der obligatorische Schwangerschaftstest per Urin und nochmal die Blutabnahme. Die Ultraschalluntersuchung. Die vaginale Untersuchung. Alles alleine. Niemand der mich gehalten hätte. Und dann kam auch noch der Oberarzt dazu, untersuchte mich nochmal und legte mir am Schluß die Hand auf die Schulter um mir die Worte zu geben, es gibt ja noch viele Männer, mit denen sie nochmal schwanger werden können. Man weiß nie warum es eine Fehlgeburt gibt und ob es so nicht besser war. Und das von meiner Erzählung her, wie groß der Embryo war und von meiner letzten kaum merklichen Blutung her, ich rein rechnerisch schon in der neunten woche war. Das war noch schlimmer für mich. Das Herzchen hat schon geschlagen. Ich bekam krampflösende Mittel mit auf den Nachhauseweg, da alles abgegangen war. Ein abortus completus steht auf dem gelben Krankenhauszettel. So wenige Worte, für so viele Hoffnungen, Träume, Wünsche und Tränen.
Und seit dem 16.06.2005 quäle ich mich. Richtig. Ich sehe meine Kinder an und frage mich, wie hätte mein Zwergenkind ausgesehen. Ich sehe meinen ehemaligen Lebensgefährten und frage mich, hätte es seine Augen bekommen? Ich trauere immer noch und alle sagen das ich mich hineinsteigere. Schwangere Frauen kann ich nicht sehen, da treten mir die Tränen in die Augen. Babys machen es noch schlimmer. Ich sitzt hier und heul. Ich bin fertig mit den Nerven. Hab ne Maske übergestreift. Wann hört es auf weh zu tun. Wann hör ich auf zu weinen. Vor ein paar Wochen war ich noch schwanger gewesen. Da war mein Zwergenkind noch bei mir. Hätte ich vielleicht nicht so viel geweint weil mein Lebensgefährte und ich uns trennten, hätte ich mich mehr ausgeruht, hätte ich........................

bata
29.07.2005, 15:08
Liebe Esther,
das tut mir furchtbar leid, daß Du Dein kleines Baby verloren hast.
Sei hier herzlich willkommen, Dir alles von der Seele zu schreiben.
Ja, Trauer tut weh .
Aber sie ist auch wichtig, um all das zu verarbeiten.
Du hast ein wundervolles Ritual gefunden, Dich von Deinem Kind zu verabschieden.
Das wird Dir ein wenig helfen.
Du hast so einen Ort, wo Du Deinem Kind nahe sein kannst.
Das mit Deinem Lenebsgefährten macht das alles noch noch schwerer.
Ich finde es schade, daß er Dir nicht zur Seite steht, denn es war auch sein Kind.
Ich wünsche Dir von Herzen, daß Du Menschen hast, die Dich begleiten, und vor allem nicht bestimmen wollen, wie kurz, doll oder lang Deine Trauer zu sein hat!
Liebe Grüße, Bata

Esther
29.07.2005, 17:18
Leider habe ich keine solchen Menschen. Alle meinen das es jetzt lang genug her ist, um wieder ein normales Leben anzufangen. Das ich ja 3 Kinder habe und dieses ganze heile Welt Gerede. Ich bin alleine und ich trauere. So sehr dolle, das es mir schwer fällt, morgens die Augen auf zu machen. Den Tag zu leben. Alles ist mechanisch. Wie ein Roboter. Ich weiß ja selbst, das ich Kinder habe und doch trauere ich mit allem was ich bin um das eine, das ich verloren habe. Das nicht mehr in mir ist. Dessen Schritte ich nie hören werde. Meine Kinder anzusehen ohne mich zu fragen, wie wäre es gewesen/geworden, das kann ich noch nicht. Und selbst mit meinem Ex kann ich darüber nicht reden. Denn, er ist ein Mann und Männer haben keine Gefühle- Zitat von ihm. Ich lege die Hand auf meinen Bauch und weine. Selbst das ich einen Ort habe, an den ich trauern kann, hilft mir sehr wenig. Die Medikamente die mir mein Arzt verschrieben hat, will ich nicht nehmen. Ich muß alleine aus diesem Tal herauskommen. Und es gibt auch manchmal Nächte, da blicke ich hinauf zu den Sternen und weiß, da oben ist mein Zwergenkind. Und irgendwann kann ich es doch einmal sehen und in meine Arme nehmen. Bloß ist die Zeit momentan noch so lang für mich und der Tränen sind noch so viele in mir. Das warum steht immer noch in meinem Kopf. War ich Schuld? Bin ich Schuld? Warum habe ich es verloren?

simone finck
29.07.2005, 23:47
liebe esther,

es tut mir sehr leid, dass du dein baby verloren hast. du wirst hier in diesem forum auf menschen treffen, die deinen schmerz verstehen und mit denen du dich austauschen kannst. dies ist umso mehr wichtig, als dass du sagst, dass du niemanden hast, dem du dich mit deiner trauer anvertrauen kannst.

weshalb unsere babies uns wieder verlassen, so ganz werden wir das nie verstehen. und so stellen wir uns vor, dass wir schuld daran sind, dass sie wieder gegangen sind. wir wollen eine erklärung finden für das, was so schmerzvoll vorgefallen ist.

du bist eine wundervolle mama für dein baby gewesen - und bist es auch jetzt noch. du bist ohne jegliche schuld. du hast dein baby geboren, es empfangen und bestattet. du hast deinem kind deine tränen geschenkt.

trauer bedeutet auch, dass wir uns vorstellen, wie wäre es gewesen mit dem weiteren kind? wie hätte es ausgesehen? hätte es das süsse lachen seiner geschwister gehabt?


wenn du tief in deine stille gehst, dann wirst du spüren, wie dein kind war. wie zart, wie wundervoll.


lebe deine trauer, liebe esther. trauer ist trauer, egal welche lebensumstände wir haben. du hast lebende kinder und du hast ein sternenkind. und dieses will auch betrauert werden.

ich hoffe, dass du wertvolle kontakte hier findest und wir dich einen teil deines weges begleiten können.

liebe grüsse,

simone

Esther
30.07.2005, 12:18
Ich hatte heute wieder eine dieser Nächte die von Tränen, Wut und Trauer bestimmt war. Und auch jetzt geht es mir immer noch nicht gut. Ich dachte, das wenn man endlich unten angekommen ist, und wieder anfängt nach oben zu krabbeln, das man das auch durchhält. Pustekuchen! Ich wäre jetzt in der 13. Woche. Am 29. Januar wäre der Geburtstermin gewesen. Ich dreh mich hier im Kreis, hab das Gefühl das ich langsam verrückt werde. Will nichts mehr tun, will mich nur noch in meine Decke verkriechen und ???? warten das es besser wird? Wird es eigentlich besser? Hören diese Gedanken des Schuldigfühlens irgendwann auf? Kann ich irgendwann an mein Zwergenkind denken ohne gleich in Tränen auszubrechen? Kann ich irgendwann wieder so etwas wie ein normales Leben führen? Ich höre in mich rein und denke an mein Zwergenkind. Und ich weiß, das es immer da ist. Und doch tröstet es mich nicht.

simone finck
31.07.2005, 23:06
liebe esther,

dein sternenkind ist sicherlich noch in deiner nähe, denn dein verlust ist ja noch nicht so weit weg. da fühlst und spürst du dein baby noch. das ist so. es gibt keine schuld in bezug auf den tod deines kindes.

nimm dein kind wahr, es sind innige traurige momente, in denen du kontakt zu ihm hast, gib ihm diese zeit. gib dir diese zeit. erzähle deinem baby von seinen geschwistern. erzähle ihm von seinem papa - erzähle ihm von dir.

ich hoffe, dass du bald im hauptforum schreiben wirst. es wird dir sehr helfen, dort kontakte zu anderen betroffenen frauen zu finden.


ich wünsche dir von herzen alles liebe und viel kraft für die kommende zeit,

simone