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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich durfte nur wenige Wochen glücklich sein...


dini
21.06.2005, 14:14
Ich möchte heute den Mut haben meine Geschichte zu erzählen.
Ich habe in diesem Forum entdeckt dass meine Trauer nicht übertrieben ist und dass ich ein Recht darauf habe - auch wenn ich mich total unverstanden fühle von meiner Umwelt...
Viele Geschichten von euch hab ich immer bis zum Ende gelesen und sehr viele Tränen sind dabei geflossen.

Vielleicht hilft es mir nun ein wenig meine Geschichte aufzuschreiben:

Erst vor 2 Tagen habe ich mein so sehr gewünschtes Baby verloren.

Eigentlich muss ich weiter vorne anfangen.
Ich bin gelernte Erzieherin und mein größter Wunsch seit Jahren ist
es selber so ein wundervolles kleines Geschöpf zu haben - ein eigenes Kind!
Seit Jahren steckte ich jedoch in einer Beziehung die von Arbeit, Stress und Materialismus geprägt war. Kinder hatten in dem Leben meines Partners keinen Platz.
Nachdem ich nach 5 Jahren Beziehung dann auch gemerkt habe dass nicht
nur Kinder keinen Platz in unserem Leben hatten sondern auch die Liebe
nicht mehr da war, hab ich es endlich geschafft mich zu trennen.

Ende letzten Jahres führte mich das Schicksal mit einem Mann zusammen
den ich schon ewig kannte - 1000 mal berührt, 1000mal ist nichts passiert doch dann hat es zuuuum gemacht... :)
Alles passte - alles war perfekt
Sicherlich ging alles sehr schnell - aber wir wussten beide das wir
das wollten. Wir sind eigentlich gleich zusammen gezogen.
Und das schönste war, dass er auch diesen Kinderwunsch mit mir teilte.
Wir beschlossen den Nuvaring (das allerbeste Verhütungsmittel - kann
ich nur jedem empfehlen) einfach zukünftig wegzulassen.

Mein Zyklus war noch nie sehr genau - ich hatte auch schon vor 2
Jahren eine Ausschbung weil sich in der Gebärmutter eine Art
Hämatom gebildet hatte dass über Wochen ständig geblutet hat...

Trotz des ungenauen Zyklus schlug die Bombe sofort ein.
Ich war endlich schwanger!!!!!
Jedoch begann meine Schwangerschaft von Anfang an komisch.
Ich wachte am 29.05. zum ersten Mal nachts mit heftigen Bauchkrämpfen
auf. In der Nacht darauf dasselbe. Und so ging das fast eine Woche.
Ich hatte kaum geschlafen und hatte Angst wieder ein solches Hämatom
zu haben weil ich die Schmerzen zu kennen glaubte.
Der Unterschied jedoch war dass ich damals
einseitige Schmerzen hatte, mir jetzt aber der ganze Bauch weh tat.
Trotz grosser Angst wieder ins KKH zu müssen rief ich meinen
FA an und bekam auch gleich einen Termin.
Nadinchen - sagte er als ich ins Zimmer kam (mein FA kennt mich durch
Freundschaft mit meinen Eltern schon seid meiner Kindheit - aber er ist der
beste FA in meiner Stadt...)- der Test ist ganz schön positiv!!!
Ich hab übers ganze Gesicht gestrahlt - ich hab mich so sehr gefreut!!!
Aber diese Schmerzen waren mir doch unheimlich, aber als mein FA das
mit Festigung und Wachstum der Gebärmutterbänder erklärte, war
ich doch beruhigt.
Man konnte noch nichts sehen weil er mich auf die 5 SSW schätze nach
Angabe meiner letzte Blutungen. So bekam ich einen Termin die Woche darauf.
Ich war so stolz - endlich durfte ich auch Mami werden.
2 meiner Bekannten waren zu dieser Zeit im 5ten Monat schwanger und eine
hatte ihr Baby gerade bekommen.
Am liebsten hätte ich es jedem erzählt - so sehr hab ich mich gefreut.
Aber da war diese Stimme in mir die immer sagte - behalte es für dich
bis es ganz sicher ist.
Ich wollte es bis zu meinem Geburtstag für mich behalten - dann wäre
ich Ende dritter Monat.

Auch mein Freund hat sich riesig gefreut und auch ihm ist es schwer
gefallen diese Neuigkeit für sich zu behalten.
Aber meine Vorahnung war begründet.

Schon einige Tage nach dem Test bekam ich leichte Blutungen.
Aber immer nur wenn ich auf der Toilette war. Ich bekam Panik!
Ich informierte mich im Internet - und als ich soviel über
Nidationsblutungen (Einnistblutungen) gelesen hatte, die fast jede
Frau hat, war ich wieder beruhigt.
Aber trotzdem ging ich zum Arzt. Das übliche "Nadinchen" hörte sich
schon nichtmehr ganz so gut an. Ich war jetzt Ende der 6SSW aber auf
dem Schall konnte man nicht richtig was erkennen. So wurde der HCG
nochmal gemessen der jedoch völlig ok war.
Mein FA erklärte mir noch dass ich einen Abgang an extremen Schmerzen
und an überperiodenstarken Blutungen merken würde.

Was war da passiert? Warum machte er mir so wenig Hoffnung?

Jedoch war mein Optimismus nicht unterzukriegen.
Ich wusste ja dass meine Mutter bei meinem Bruder auch immer
leichte Blutungen am Anfang hatte. Und es gibt ja soviele Frauen die
eine Schwangerschaft nicht bemerken weil sie denken dass sei noch die
Periode. Also schonte ich mich. Das Rauchen hatte ich ja schon gleich
aufgehört. Ich lag zu Hause rum und hatte jedesmal Angst zur Toilette
zu gehn. Das Herz müsste in der 6SSW schon schlagen also lebt mein
Baby doch schon richtig und sowas darf nicht passieren.
Meiner besten Freundin hab ich alles erzählt. Auch sie hatte in Ihrer
Schwangerschaft Blutungen aber nur einen Tag.
Meine wollten nicht aufhören. Sicherlich war es altes Blut und sehr
sehr wenig - aber es war da.
Mein Optimismus blieb jedoch und ich bat mein Krümelchen so oft am Tag doch
stark zu sein und sagte ihm dass wir das zusammen schaffen.
Ich bin doch seine Mama und muss es beschützen....

Doch dann wurden die Blutungen am Sa 18.06. etwas stärker.
Alle wollten mich beruhigen aber das wurde immer schwerer. Ich fühlte
mich unverstanden - von meinem Freund, meiner Mutter... - keiner
konnte meine Angst verstehen.

Doch am Sonntag Morgen wurde mein Optimismus zutiefst erschüttert
und meine Angst bestätigt!
Ich hatte starke Blutungen - aber ohne große Schmerzen. Sicherlich
hat es weh getan, aber ich wartete immer auf die extremen Schmerzen
bei denen man nichtmehr stehen kann...
Aber dann spürte ich dass da etwas größeres raus kam. Erst traute ich
mich nicht zu schauen - aber es war ein etwa Walnuss großer Kloß mit
Blut.

War das mein Baby? Ich traute mich garnicht auf den Knopf zu drücken.
Wie kann ich denn mein Baby runterspülen???
Danach war ich allein - mein Freund war nicht da...
Ganz allein ...
Voller Schmerz und Verzweiflung....
Warum ich? Warum darf ich keine Mama sein?
Warum dürfen die anderen und ich nicht?

Worte die dann kamen wie "es war bestimmt besser so, da hat was nicht gestimmt" oder "das ist die Natur" machten für mich alles noch schlimmer wie besser.
Auch wenn ich erst in der 7SSW war... Aber es war doch mein Baby! Warum versteht das niemand? Ist man ohne dicken Bauch und ohne den ersten Tritt denn noch nicht schwanger?
Doch das war ich! Ich hatte mein Baby im Bauch - dessen Herz schon schlagen musste!
Es war mein Baby - egal wie groß es war!!!
Unendlich viel Wut und Schmerz machte sich in mir breit.

Gestern morgen dann gleich zum FA wo mir alles bestätigt wurde.
Eine Ausschabung muss ich nicht machen da schon soviel abgegangen war.

Das wars...
Einfach so...
Der Traum - die Seifenblase zerplatzt...

Und keiner versteht mich wenn ich weine.
Ich weine um mein Baby das ich mir so sehr gewünscht hatte!
Ich war doch so glücklich und es hat alles gepasst.
Wir haben uns so auf das Kind gefreut!

Du bist doch erst 28 und das klappt eben beim nächsten mal...

Mein Baby ist tot und für meine Umwelt wohl sehr schnell vergessen.
Weil es für meine Umwelt nie richtig da war - nur für mich.

Nur ich durfte erleben wie dieses Krümelchen meinen Körper veränderte.
Wie der Unterbauch härter wurde, die Brust gewachsen ist...
Nur ich durfte dieses unbeschreibliche Gefühl erleben zu wissen das
ein neues Leben in mir wächst.
Ich war so glücklich - auch wenn nur wenige Wochen...
Jedoch hat mich dieses Krümelchen in diesen wenigen Wochen glücklicher
gemacht als viele andere Menschen in meinem Leben.
Trotz dem Schmerz und der Trauer werd ich meinem ersten Kind immer
dankbar sein für diese wundervollen Gefühle und dieses Glück das
ich erleben durfte. Vergessen werde ich meinen kleinen Stern nie!

Ich werde mit neuem Optimismus in eine neue Schwangerschaft
gehn. Ich möchte nicht warten. Mein Körper wird selbst entscheiden
ob er schon wieder schwanger sein will...

Ich danke euch fürs zuhören! Auch wenn meine Geschichte sehr ausführlich und lang ist.
Es hat mir gut getan das aufzuschreiben...

Für mein Sternchen

http://bilder.muschel.net/kerzen/kerze054.jpg

Dini

mit meinem Sternchen tief im Herzen +19.06.2005

VerenaS
21.06.2005, 14:44
Liebe Nadine,
es tut mir sehr leid, dass du dein Baby wieder gehen lassen musstest.
Niemand hat das Recht, dir deine Gefühle abzusprechen, nur weil dein Baby noch so klein war.
Aber das weisst du ja selbst. Die Menschen sind eben leider meistens hilflos und können nicht anders, sie wollen dir nicht weh tun - und tun es doch.
Lass dich nicht beirren. Du weisst, was du verloren hast, und wann deine Trauerzeit vorbei ist, bestimmst du und kein anderer.
Traurige Grüße, Verena

Claudia200
21.06.2005, 14:59
Liebe Dini!

Ein trauriges Willkommen hier im Forum. Ich wollte mich gerade
abmelden, da hab´ich Deine Geschichte gefunden. Und mein erster
Gedanke war:
Oh mein Gott....das bist ja DU!
Es waren soviele Sätze, soviele Dinge die meiner eigenen Geschichte
glichen und es tat mir so weh, so leid was Dir da geschehen ist.
Im April 2002 hatte ich meine erste FG. Auch ich habe mich so sehr
gefreut und ich war unendlich glücklich. Endlich! Jetzt sollte ich
auch Mama werden und mein Mann schlug schon eifrig Namen vor.
Einen Tag später fand ich auf der Toilette so komische Spuren
in meiner Hose und ich rannte sofort los und kaufte mir eines
von den schlauen Büchern. So so, Hormonschwankungen! Der Körper
stellt sich auf die Schwangerschaft ein. Nein, tat er nicht. Er
war gerade dabei sie abzustossen!
Das erfuhr ich einen Tag später, als die SB begannen. Alle Hormon-
werte im Keller! Bettruhe, Spritzen und Kapseln halfen nicht.
Es sollte kein Kind geben. Keine Julia - Keinen Etienne - NICHTS.
Ich blutete nicht ab und wurde zur Ausschabung ins Krankenhaus
überwiesen. 2003 war ich wieder schwanger. Aber auch diesmal wuchs
nichts in mir heran, ausser einer Fruchthülle! Und als Du von diesem
Kloß geschrieben hast, da sah ich mich wieder damals auf der Büro-
toilette sitzen. Der schreckliche Schmerz, die Krämpfe..und dann
dieses entsetzliche platschende Geräusch.
Liebe Dini, ich bin und war noch nie ein Freund der knappen Worte
und ich schreibe immer halbe Romane als Antworten. Bei dir fällt es
mir besonders schwer meine Gefühle für Dich und Deine Geschichte
in Worte zu fassen, weil ich mich so in diese Zeit zurückversetzt
fühle..als auch mein Traum zerplatzte wie eine Seifenblase.
Ich sitze hier und weine. Ich würd Dich jetzt so gerne einmal
tröstend in den Arm nehmen und deshalb tue ich es in Gedanken.
So gern würde ich Dir jetzt meine Hand reichen und deshalb tue
ich auch das in Gedanken.
Ich wünsche Dir alle Kraft und Wärme der Welt und denke an
Dich und Dein Kleines.


Deine Claudia

Denny P.
21.06.2005, 23:01
Liebe Dini,

Deine Geschichte hat mich sehr berührt, ich kann sehr gut nachempfinden wie du dich gefühlt hast und glaub mir, selbst mir, fehlen die richtigen Worte. Nimm es keinem übel, der dir diese Sachen sagt, die meisten meinen es nur gut mit einem bzw. können mit diesem Thema nicht umgehen, meist auch aus Unwissenheit und benutzen dann die für uns falschen Worte. Auch ich habe mir anhören müssen, daß es die Natur nicht so wollte. Weißt Du, ich war damals auch sehr traurig und deprimiert (heute auch, aber ich muß lernen, damit umgehen zu können, denn keines unserer Sternenkinder möchte, daß wir uns mit Selbstzweifeln fertig machen!!), aber ich war auch ersteinmal vor den Kopf gestoßen, hallo, ich habe gerade mein Baby verloren, habe es im Arm gehalten.. einen richtigen kleinen Jungen und dann hör ich das sollte nicht sein... Aber jetzt zwei Monate später... vielleicht ist an dem Spruch doch etwas wahres dran, ich weiß es nicht, vielleicht versucht man sich aber auch nur etwas "schön und einfacher" zu reden. Das Problem ist das diesem Thema allgemein sehr wenig Beachtung geschenkt wird und schon gar nicht wenn man eine gesunde junge Frau ist. Ich kenne mittlerweile so viele Mädels, von denen ich noch nie gehört habe, daß ihnen das ebenso ging. Jetzt, nach meinem Schicksalsschlag, kommt eine Nachricht nach der anderen... Und weißt du was, liebe Dini, auch wenn das jetzt kein Trost ist, aber alle dieser Mädels sind jetzt glückliche Mami´s.. Selbst die eine, die bereits 4 Fehlgeburten hatte, wurde am Ende mit zwei gesunden fröhlichen Kindern belohnt. Ich wünsche dir dieses Glück von ganzem Herzen!! Nimm dir die Zeit, die du brauchst um das Erlebte zu verarbeiten, trauer um deinen Krümel und rechtfertige dich dafür nicht!! Und wenn dich keiner versteht komm in dieses Forum und schreib was du auf dem Herzen hast, hier bekommst du sicher immer eine Antwort von Frauen, die ähnliches erfahren mußten. Und irgendwann... glaub mir.. irgendwann.. wird es klappen, ganz bestimmt!!

Liebe Grüße Denny