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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meine Geschichte


Denny P.
19.06.2005, 19:08
Ich bin neu hier... mich berühren eure Geschichten so wahnsinnig tief, daß mir jedesmal die Tränen laufen, wenn ich einige Beiträge lese und ich mich fühle als hätte ich, auch wenn es so weh tut und ich mich völlig leer fühle, doch ein kleines Fünkchen Glück gehabt. Bitte versteht mich nicht falsch... aber irgendwie gibt es mir wahnsinnig viel Kraft zu lesen, daß ich nicht alleine bin auf dieser Welt, der so ein schlimmes Schicksal wiederfahren ist. Und wenn ich dann lese, was anderen noch schlimmeres passiert ist, dann sage ich mir dies halt manchmal um mich selbst wieder aufzubauen. Aber mir sind in all diesen schrecklichen Situationen auch wundervolle Dinge passiert, haltet mich bitte nicht für verrückt, aber diese kleinen "verrückten" Dinge geben Kraft und Mut. Eigentlich wollt ich nicht schreiben, weil ich Angst habe, daß mich keiner versteht, aber ich glaube ich brauche Menschen mit denen ich mich austauschen kann, da mich leider, so viel Mühe sich auch alle geben, keiner so richtig versteht.

Ich war so glücklich über meine Schwangerschaft, zumal ich so schnell nicht damit gerechnet hatte.. Anfangs hatte ich einige kleinere Probleme, die mir heute so krokest und sinnlos vorkommen, ich hatte Angst vorm Zunehmen, die Pickel nervten mich..Was würde ich jetzt darum geben meinen Bauch weiter wachsen zu sehen...

Ich habe unseren Zwerg leider in der 23. SSW verloren... Es war so schrecklich!!! Es ist heute noch unvorstellbar für mich, was eigentlich alles passiert ist umso dankbarer bin ich für die kleinen Winzigkeiten, die mir wiederfahren sind.

Ein gemütlicher Kuschelabend mit meinem Schatz, der ganz traurig war, das er am nächsten Tag nicht mit "Babyfernsehen" gucken kann, sanftes Pochen im Bauch so als sagte der Kleine ist doch nicht so schlimm Papa.. Ich habe in der Nacht kurz bevor sein Herzchen aufhörte zu schlagen, gespürt das etwas nicht in Ordnung ist. Ich hatte keine Schmerzen oder so.. ich war einfach nur unruhig.. irgendetwas war anders, aber was?? Am Morgen darauf zog meine Brust schon gar nicht mehr und irgendwie war alles anders, ich hatte keine Lust zur Kontrolluntersuchung zu gehen.. Als ich dann auf der Liege lag und meine Ärztin ein ganz ernstes Gesicht bekam, wußte ich das meine Befürchtung wahr wurde. Sie konnte keine Herztöne mehr feststellen. Ich fühlte mich auf einmal wie in Trance, alles was sie sagte ging an mir vorüber, ich bekam nichts mehr mit, Abort einleiten..Keine Ahnung was diese Frau mir erzählte...In der Klinik dasselbe, nur mit einem Arzt der keinerlei Mitleid zeigte und mir obwohl bereits feststand das der Kleine tot ist, alles auf dem riesigen Monitor nocheinmal zeigte, den kleinen Körper der völlig zusammengerollt war, dieses Bild werd ich wohl nie vergessen und mir dann ohne jedes Gefühl sagte "es ist tot, es muß raus".. Und zu allem Überfluß erlärte er mir noch, daß ich es gebären muß..

Meine Freundin, die Hebamme ist,holte mich in eine andere Klinik, sie versuchte mir etwas Kraft zu geben. Auch der Arzt war sehr bemüht um mich. Als mir morgens das Wehenmittel in den Muttermund gespritzt wurde fühle ich mich so allein auf dieser Welt, warum nur ich, warum darf ich keine Mama sein, was habe ich falsch gemacht, war ich nicht dankbar genug, nicht würdig??? In diesem Moment schien die Sonne in den Kreißsaal und genau auf meinen Bauch, meine Hebamme meinte, schau er wird in den Himmel geholt... Es war wirklich wie in einem Märchen, wo die Seelen zum Himmel fliegen...Mein Arzt meinte, es könnte recht lange dauern bis die Geburt anfängt ca. 2 bis 3 Tage, aber auch in diesem Fall hatte ich Glück, bereits am nächsten Morgen bekam ich starke Schmerzen und da mir nicht bewußt war, daß dies bereits die Wehen waren, war ich erst kurz bevor es losging im Kreissaal. Ich hatte immer panische Angst vor der Geburt, schon immer, aber ich weiß jetzt so schlimm wie alles ist, wenn man dann den Lohn erhält, ist alles vergessen. Auch wenn mein Baby tot war..so verrückt es klingt, ich war trotzdem dankbar und voller Glück daß ich ihn im Arm halten durfte, ihn berühren mit ihm reden. Er sah so friedlich aus, er hielt seine kleine Hand an einer Wange und lächelte und wieder schien die Sonne auf uns, was diesen Moment so friedvoll und würdig machte. Ich durfte ihn noch zwei Stunden bei mir behalten, eine Pastorin oder Pfarrerin (keine Ahnung, war aber eine ganz liebe Frau) machte für ihn einen kleinen Gottesdienst mit Kerze und Gebet, was diesen Moment wieder so friedlich machte. Ich bin ihr so dankbar dafür! Ich konnte ihn mit Würde und Liebe verabschieden und er sah dabei so friedlich aus. Dieses Bild hole ich mir immer wieder wenn ich traurig bin, dann muß ich lächeln.. Ich habe mich, auch trotz daß ich ganz allein war (ich wollte meinen Mann nicht dabei haben, habe ihm die Geburt verschwiegen und als er da war, war alles bereits vorbei, ich konnte nicht, ich wollte ihm diesen Anblick ersparen, ich bin heute auch froh drum, den er hätte dies nicht verkraftet) auch irgendwie nicht allein gefühlt, ich weiß es klingt verrückt aber dadurch das die Sonne in unser Zimmer schien, spürte ich so eine Wärme und Geborgenheit, ich weiß es klingt irgendwie irre... Wenn ich wieder in diese Traurigkeit verfalle, dann denke ich an ihn und an diesen wundervollen Moment und es geht mir etwas besser.

Wir hatten das Glück, daß es in unserer Stadt einen Ort für diese "Schmetterlingskinder" gibt und Menschen, die sich darum kümmern. An dem Tag als er und die vielen anderen Babys (200!!!) begraben wurden, drängte sich mit aller Macht die Sonne raus, obwohl es erst gar nicht danach aussah.. es war als würden all die kleinen Seelen wirklich wie Schmetterlinge in den Himmel steigen... lachend, fröhlich, Händchen haltend, so als wär nix geschehen und ich glaube ganz ganz fest daran, daß diese kleinen Seelen frei sind und nicht wollen das wir traurig sind.

Seht ihr, daß meine ich mit Glück... Mein Schatz und ich, wir hatten doch ein Fünkchen Glück... Ich habe jetzt auch den Grund erfahren, warum er gehen mußte, ich litt an einer Plazentainzuffizienz, der Mutterkuchen war wohl auch schon am verkalken.. ich persönlich habe keine Ahnung was das bedeutet, weil es mir auch keiner richtig erklärt hat.. meine Ärztin meinte nur, daß mir der Kleine die Entscheidung abgenommen hat... er litt wohl unter Sauerstoff- und Nährstoffmangel. Der Nährstoffmangel wäre wohl nicht so schlimm, denn hätte man beheben können, aber nicht den Sauerstoffmangel, Sauerstoffmangel hat schlimme Folgen. Warscheinlich wollte er so nicht zu Welt kommen, sag ich mir jetzt immer, er wollte gesund und stark sein, deshalb dieses Ende...

Ich habe heute oft mit mir zu kämpfen, weil einerseits ist diese Leere, aber andererseits habe ich ständig das Gefühl das es kein Abschied für immer war. Wahrscheinlich rede ich mir das aber auch nur ein, weil es so einfacher ist. Ich bin sooo froh, daß ich diese Seite hier gefunden habe, endlich sind da Menschen, die diese Gefühle und all das verstehen können...

Vielen Dank fürs "Zuhören" tat wirklich gut, würd mich über Antworten freuen, besonders wegen dieser Plazentainsuffizienz.., wißt ihr darüber bescheid??


Denny mit Collin-Paul im Herzen

BirgitHa1963
19.06.2005, 19:31
Liebe Denny,

es tut mir leid, dass Dein Collin-Paul nicht bei Dir geblieben ist .... Sei herzlich willkommen in diesem Forum und erzähle von Collin-Paul, wenn Du magst, denn hier hört man Dir zu und fängt Dich in Deiner Trauer auf....
In Deiner Geschichte habe ich Dinge entdeckt, wie ich sie auch erlebt und empfunden habe, diese kleinen Erlebnisse, auch wenn es nur Sekunden sind, die uns unvergessen bleiben und die hinterher so wertvoll erscheinen. Auch ich hatte diese Phasen, in denen ich mit dem Tod meines Felix zurechtkam, mir sagte, dass er einfach nicht für ein Leben auf Erden vorgesehen war und seine Aufgabe vorher zu erfüllen hatte. Aber da sind dann auch die Momente, wie besonders zur Zeit, wo es einfach nur weh tut. Und dann tut es gut, darüber zu schreiben und sich Luft zu machen....... und wie bei vielen anderen ist dieses Forum auch für mich der Ort, wo ich sicher bin, dass man versteht, was ich durchlebe, während ich das bei meiner nächsten Umwelt schon nicht mehr erlebe...........
So wünsche ich Dir, dass Du Dich hier wohlfühlst und uns noch mehr erzählst.
Mein Felix wurde leider auch schlecht versorgt, ich hatte in meiner Schwangerschaft zu hohen Blutdruck, der die Plazenta schädigte... ansonsten wäre er gesund gewesen.....
Liebe Grüsse
Birgit
http://www.cosgan.de/images/smilie/engel/c020.gif Felix, am 3. Juli 2004 / 26.SSW nicht für diese Welt geboren

Claudia200
20.06.2005, 00:25
Liebe Denny!

Gerade habe ich Deinen Beitrag gefunden und jetzt bin ich mit dem
Weinen an der Reihe. Es tut mir so unendlich leid, was Dir da
geschehen ist. Ich habe damals nach meiner 2.FG diese Seite ge-
funden und auch erst nur gelesen. Und immer dachte ich: Mein Gott!
Diese armen Frauen!
Ich habe wegen meiner beiden FG viel geweint, aber meine Trauer
hatte kein Gesicht, keinen Namen. Bei beiden Schwangerschaften
hatte ich nie einen Embryo gesehen. Die anderen Frauen hatten
jedoch Bilder gesehen, Herztöne gehört und sogar ihr Kind in den
Armen gehalten, bevor es dann von ihnen ging. Und deshalb habe
ich lange nicht den Mut gehabt, mich hier anzumelden. Erst vor
kurzem habe ich es dann doch getan und als die erste Antwort kam,
habe ich vor Freude geweint. Und als ich den Text von Constance und
den anderen Frauen laß, habe ich erst recht geweint. Es tat so gut. Diese wunderbaren wärmenden Worte. Ich war endlich nicht mehr alleine!
Es war ein guter Entschluss, hier Deine Geschichte
zu erzählen und auch ich heisse Dich willkommen.
Fühl Dich ganz fest und lieb umarmt!

Leider hab ich keine Ahnung, was eine Plazentainzuffienz betrifft-
das tut mir leid. Aber ich reiche Dir tröstend meine Hand! Ich
wünsche Dir alle Kraft der Welt und denke an Dich und Dein Sternen-
kind.

Ganz liebe Grüße
von Claudia

Angela
20.06.2005, 15:30
hallo denny,

ich habe hier bereits viel gelesen, aber bisher nie geschrieben.
mich hat auch ein schreckliches erlebnis auf diese seiten gebracht.

ich habe am 24.04.05 unseren sohn in der 27 woche still geboren.
vieles was du beschreibst habe ich ähnlich erlebt.
es war ein wunderschöner tag und die sonne begrüßte uns als wir aus der klinik kamen. ich hörte die vielen vögel und das hektische geschehen, was ich sonst an der uniklinik bemerkte, drängte sich total in den hintergrund.

mein mann war bei der geburt zwar dabei, aber er hat sich den kleinen nicht angeschaut. ich kann ihn verstehen, denn ich wollte ihn zuerst auch nicht sehen. auf zureden der hebamme habe ich dann ganz allein ein wenig zeit mit ihm verbracht. dieser ruhige und friedliche ausdruck bleibt mir für immer in erinnerung.

ich habe viel zum thema todgeburt und überhaupt über den tod gelesen. sehr geholfen hat mir auch die cd von nicole "für die seele".
kann ich wirklich nur empfehlen. sie selbst hat ihr eigenes erlebnis im dem titel "nadja" vertont. ich höre ihn immer im auto und es tut so gut, gerade wenn die sonne wie heute wieder scheint.

wir warten jetzt auch noch auf das ergebnis der obduktion. bisher konnte man uns nur sagen, dass ich das kind nicht abgestoßen habe. die nabelschnur war wohl recht lang und an einer stelle sehr dünn und darüber mit nem richtigen wulz - sprich aller wahrscheinlichkeit hat er sich die nabelschnurr selbst abgedrückt. warum weiß keiner! jetzt fragen uns die psychologen ob wir uns schuldig fühlen und ob wir es gerecht finden, dass es gerade uns getroffen hat ...

nun hatte es im zweiten versuch mit der künstlichen befruchtung geklappt und muß so enden - ist das gerecht?

wir sind uns einig und werden es noch einmal probieren. z.z. habe ich wieder hormone gespritzt bekommen, um meine endometrieose nicht wieder wachsen zu lassen. es ist alles äußerst schwierig aber wir kennen unseren weg und das hilft mir diese zeit des nichtstun und abwarten auch mit positiven gedanken zu erleben.

liebe grüße

angela