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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein traurigster Verlust ... (sorry, sehr lang)


Steffi75
15.06.2005, 11:27
Hallo,
ich habe durch mein schlimmes Erlebnis diese Seite gefunden. Ich möchte mich mal kurz vorstellen.

Ich heiße Steffi, bin 30 Jahre alt, seit 8 Jahren verheiratet. Mein Mann ist Kosovo-Albaner und 32 Jahre alt. Wir kennen und lieben uns seit 10 Jahren! Am Anfang hatten wir Probleme, denn es ist schon so daß zwei Kulturen aufeinander geprallt sind. Nach anfänglichen Schwierigkeiten - u.a. auch mit meinen Eltern - führen wir nun eine gute Ehe. Aber dadurch daß wir am Anfang etwas naiv mit unserem Geld umgegangen sind, haben wir Schulden die wir abtragen mußten. Wir wünschen uns schon lange Kinder, aber durch die Schulden und auch durch Arbeitslosigkeit haben wir den Wunsch immer wieder verschoben.

Mein Mann hatte dann eine feste Anstellung, ich hatte endlich abgenommen (insgesamt 60 kg nach einer Magen-OP) und fühlte mich endlich gut (hatte vorher Depressionen durch mein Aussehen) und waren dabei unsere Schulden abzutragen (hatten also schon einiges geschafft)als wir uns Anfang dieses Jahres entschieden: wir wollen auch endlich Eltern sein! Es klappte gleich beim 2. Zyklus! Ich spürte es irgendwie gleich. Am 24.01. wurde unser Kind gezeugt! :-))

Ich mußte aufgrund starker Schmerzen am 07.02. (Rosenmontag) ins Krankenhaus. Ich ließ mich in das Krankenhaus einliefern in dem ich auch am Magen operiert wurde. Eigentlich sollte ich geröngt werden, doch weil ich 2 Tage drüber war, habe ich darauf hingewiesen. Das Röntgen wurde verschoben und dafür ein Schwangerschaftstest gemacht! Und ... positiv! Ich war so glücklich! Die Schmerzen kamen von einer Gastritis! Und waren nach der tollen Nachricht gleich weg.

Die gesamte Schwangerschaft über war alles i.O. Ich hatte ab und an Schmerzen/Ziehen im Unterleib. Meine Ärztin erklärte mir, daß das die Gebärmutter sei bzw. die Mutterbänder. Kein Grund zur Sorge! Es wurde in der 10. SSW eine Schwangerschaftsdiabetes festgestellt. Kein Problem für mich. Ich hielt mich an die Ernährungsumstellung und meine Werte waren immer super! Ich fühlte mich so gut. Ich war so glücklich.

Mein Mann war auch sehr glücklich, ließ seine Freude aber nicht so zu. In seinem Land ist es üblich keinem von der Schwangerschaft zu erzählen, falls irgendwas passiert! Dort wird die Schwangerschaft verschwiegen bis fast ganz zum Ende! Na ja, Anfang des 5. Monats hat er es dann doch einem Kollegen und seiner Familie am Telefon erzählt. Er freute sich doch auch so. Er hatte Pläne und wußte genau: es wird ein Junge! Er wollte eine Trage kaufen, damit er seinen Sohn am Bauch durch die Gegend tragen konnte! Ich war gerührt!

Doch dann kam der 13.05.! Ich war zur Vorsorgeuntersuchung bei meiner Ärztin. Sie wollte eigentlich keinen Ultraschall machen, war in der 18. SSW und sie wollte erst in der 20.SSW wieder einen machen. Aber durch die Diabetes hatte ich immer Sorge mein Kind könnte zu groß sein, also wollte ich US! Vielleicht hätte ich mich vorher schon wundern sollen. Ich hatte trotz der 18. SSW fast keinen Bauch. Er war härter geworden, sonst nichts. Ich hatte auch nichts zugenommen, aber das sollte ich ja auch nicht, da ich immer noch leicht übergewichtig war und meine Ärztin meinte, es sei besser ich würde bis zur 20. SSW nichts zunehmen!

Tja und dann stellte sie fest, daß ich fast kein Fruchtwasser habe. Ich war erst gar nicht beunruhigt. Erst als sie mir erklärte wovon es kommen könne: ein Blasensprung (das hätte ich gemerkt), eine Unterversorgung der Plazenta (im US hatte sie aber festgestellt, daß sie sehr gut durchblutet war) oder eine Erkrankung der Nieren meines Kindes. Tja und genau das bewahrheitete sich am 17.05. bei einem speziellen US im Krankenhaus. Ich mußte durch Pfingsten so lange warten und es war schrecklich. Ich wußte sofort: mein Kind wird sterben. Alle anderen versuchten mich zu trösten. Aber ich habe es gleich geahnt.

Es wurde also festgestellt: mein Kind litt am Potter-Syndrom. Er hatte keine Blase, seine Nieren waren krank. Die eine Niere total verkümmert, die andere viel zu groß und voller Zysten!

Aber das Herzchen ... es schlug doch so wunderschön! Wir waren geschockt. Der Oberarzt erklärte uns, unser Kind habe 0 Überlebenschance! Wir hatten drei Möglichkeiten: ein Abbruch, warten bis das Kind im Mutterleib stirbt und dann Abbruch oder das kind austragen und zum Sterben in den Arm gelegt bekommen! Wir haben uns für den Abbruch entschieden! Wir wollten nicht, daß unser Kind leiden muß.

Am 19.05. ging ich also in die Klinik. Man erklärte mir wie ES ablaufen würde. Ich habe die Zeit nur überstanden, weil ich nicht daran gedacht habe, daß ich noch schwanger bin. Ich habe verdrängt, daß mein Baby im Bauch noch lebt aber sterben muß! Bei den meisten Frauen, die diese Zäpfchen zur Geburtseinleitung gelegt bekommen, dauert es 1 bis 2 Tage (ca. 3-4 Zäpfchen). Mein Körper war nicht bereit meinen Sohn gehen zu lassen: es dauerte 6 tage und 20 Zäpfchen. Ich war am Ende. Ich hatte 6 Tage nichts zu essen und zu trinken bekommen. Ich wollte nicht mehr. Ich wollte am liebsten einfach nach Hause gehen.

Aber dann kam der 24.05. und die Wehen begannen. Über die Geburt meines Sohnes kann ich gerade nichts schreiben. Die ganzen Erinnerungen kommen wieder hoch!

Aber am 24.05. um 20.52 Uhr kam mein wunderschöner Adi Paul zur Welt! Er war 24 cm groß und wog 250 g. Er sah so schön aus!

Ich vermisse ihn so sehr!

Ich weine jeden Tag. Ich weiß nicht wie ich weiterleben soll. Ich hatte mich doch so auf ihn gefreut und schon alles mögliche geplant. Und jetzt??

Ich bin derzeit noch krankgeschrieben. Aber ich habe das Gefühl jeder denkt, daß ich eigentlich schon arbeiten gehen müßte und meine Trauer einigermaßen überwunden haben müßte! Aber .. ich weiß nicht. Die einzige die mich unterstützt ist meine Therapeutin. Ich war vor 1 Jahr bei ihr für eine Verhaltenstherapie wegen Eßverhalten und jetzt war ich da. Sie hat mir auch gesagt, daß ich alleine entscheiden muß, wann ich bereit bin zu arbeiten oder nicht!

So, es tut mir leid, daß es SOOOO lang geworden ist. Aber wo ich angefangen hatte ... konnte ich irgendwie nicht mehr aufhören!

Vielen Dank fürs Lesen!

lg Steffi

KatrinRJ
15.06.2005, 12:06
Liebe Steffi,

ein trauriges und ganz herzliches Willkommen hier im Forum.
Hier hat immer jemand ein offenes Ohr für Deine Ängste, Sorgen, Deine Trauer und alles, was Dich bewegt!

Es tut mir leid, daß Ihr so einen schweren Schicksalsschlag hattet!
Aber hier haben alle einen Verklust hinnehmen müssen und verstehen Dich in allem und fangen Dich auf, wenn Du es möchtest!


Leise Grüße von Katrin

Beate35
15.06.2005, 12:40
Liebe Steffi,

erst mal von mir ein Herzliches Willkommen bei uns,leider,leider...

Als ich Deine Geschichte las,fühlte ich mich in den Februar zurückversetzt,mußte direkt an meinen kleinen Elias denken,den ich so sehr vermisse... :-(

Ich wünsche Dir liebe Menschen an Deine Seite,die Dich trösten und Dir eine Schulter zum Weinen bieten.
Ich wünsche Dir liebe Mitmenschen,Dein Umfeld,die respektvoll und anständig reagieren,ich habe leider die Erfahrungen gemacht;Ach,Du hast doch drei Kinder,sei doch froh...(ist noch die harmloseste Aussage)

Hier findest Du immer offene Ohren und Verständnis für Deine Trauer und Deinen Schmerz.

Ich wünsche Dir alles Liebe :*

Liebe Grüße
Beate

Petra27
15.06.2005, 16:57
[font face="Comic Sans MS" font][font COLOR=“ff0000“]

Hallo Steffi,

es tut mir leid, dass dein Sohn Adi Paul keine Lebenschancen hatte. Dennnoch hast du die 20SSW die er hier bei uns auf der Welt war erleben dürfen, du hast dich auf ihn gefreut, ihm Liebe vermittelt und an ihn gedacht, ich denke er hat es gespürt...

Ich hoffe und wünsche dir, dass du Menschen ausser deiner Therapeutin um dich hat die dich in deiner Trauer um deinen Sohn stützen und für dich da sind.

Ich möchte dir noch Mut machen, auch wenn es im Moment evtl. noch weit enfernt.
Eine Freundin von mir musste ihren 1.Sohn *Lucas* in der 16.SSW zur Welt bringen er hatte auch das Potter-Syndrom, kene Chance :-(
Sie bekam im Dez.03 einen Jungen und erwartet die nächsten Tag, Wochen ein Mädchen, beide sind gesund!

Vielleicht kannst du daraus ein bissle Hoffnung schöpfen, ich wünsche es dir.


Gruß Petra mit Yara Elena & Laura Marie gest./geb.29.12.2001 für immer in unserem Herzen.

Cordi
15.06.2005, 17:05
Liebe Steffi,

erstmal ein trauriges Willkommen hier bei uns. Es tut mir so leid, das Euer Kleiner nicht bei Euch bleiben durfte.

Als ich deine Geschichte las, kamen mir die Tränen. Auch ich habe meine Tochter Julia im September 2002 durch dieses schreckliche Potter Syndrom verloren. Bei mir war es genauso, wie du es beschrieben hast. Kaum noch Fruchtwasser und Julia's linke Niere war sehr groß und voller Zysten. Sie hatte keine Chance. Im Krankenhaus haben sie noch eine Fruchtwasserauffüllung bei mir versucht, aber alles umsonst. Julia hat sich entschieden, uns zu verlassen. Ich habe sehr viel über dieses Potter Syndrom gelesen, aber was nützt es, dadurch bekommen wir sie nicht wieder. Es ist grausam.

Liebe Steffi ich wünsche dir Kraft und ganz liebe Menschen um Euch herum, die Euch in Eurem Schmerz auffangen.

Traurige Grüße

Constance
15.06.2005, 18:29
Liebe Steffi!

Ein leises Willkommen von mir. Es tut mir unendlich leid, daß Dein kleiner Adi Paul keine Chance zu überleben hatte. Es ist so unsagbar traurig. Nimm´ Dir Zeit für Deine Trauer. Es macht keinen Sinn sofort wieder zu funktionieren.

Traurige Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen

Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

Steffi75
15.06.2005, 19:26
Ich danke Euch für Eure Postings. Es tut mir sehr gut zu wissen, daß ich mit meinem Schmerz nicht allein bin!

Danke!

lg Steffi

Claudia200
18.06.2005, 13:50
Liebe Steffi!

Ein trauriges Willkommen im Forum. Ich habe gerade Deine Geschichte
gelesen und ich musste erst einmal weinen, da es mich so berührt hat.
Es ist furchtbar, dass Dein Kleines gehen musste und ich nehme Dich
in Gedanken ganz fest in die Arme.

Ich selber bin auch erst seit kurzer Zeit hier im Forum und habe hier
endlich Frauen gefunden, die einem zuhören und mit wenigen Worten so
unendlich viel Trost und Mut schenken. Von dieser Kraft möchte ich
Dir ganz ganz viel senden.

Du und Dein Mann, ihr scheint ein starkes Team zu sein und ich
wünsche Euch alle Wärme der Welt in dieser Zeit.

Deine

Claudia

bata
18.06.2005, 21:45
Liebe Steffi,
sei herzlich willkommen hier.
Es tut mir leid, daß Du Deinen Sohn gehen lassen mußtest.
Du schreibst, daß Du glaubst, die andern seinen der Meinung, Du solltest wieder arbeiten gehen...
Versuch in Dich hinein zu hören, ob es Dir helfen würde.
Dem einen tut es gut, der andere kann es besser zu hause verarbeiten.
Egal, wofür Du Dich entscheidest, mach es nicht davon abhängig, was andere meinen, sondern davon, was Du meinst, das Dir gut tut.

Diese Kerze soll für Euren Sohn leuchten:
http://bilder.muschel.net/kerzen/kerze009.jpg

Liebe Grüße, Bata