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Claudia200
11.06.2005, 18:37
Hallo!

Ich heisse Claudia, bin 34 Jahre alt und nachdem ich seit fast zwei
Jahren ein "stiller" Nutzer dieser Seiten bin, habe ich nun den Mut
gefunden, mich richtig anzumelden und mich und meine Geschichte vorzustellen:

Mit meinem Mann bin ich seit 2000 verheiratet und es war von Anfang
an klar, dass wir eine Familie gründen möchten. Also hab ich mir die
Spirale entfernen lassen und 2002 war es plötzlich soweit. Meine Regel blieb aus. Mein Mann ist sofort losgefahren, um einen Test zu
besorgen, den ich dann mit Herzklopfen gemacht habe. Mir wurde heiss
und kalt, als sich der Test ganz schwach rosa färbte. Noch auf der
Toilette sitzend, habe ich vor Freude geheult und konnte es gar nicht
glauben. Noch am gleichen Tag habe ich einen Termin bei meinem Frauenarzt bekommen und wir sind dann beide aufgeregt und schrecklich
nervös dort hin. Ein Bluttest ergab, dass ich tatsächlich schwanger war. Leider war auf dem Ultraschall nichts zu sehen, aber mein Arzt meinte, dass es dafür noch zu früh sei. Ich sollte eine Woche später
nochmals in die Praxis kommen. Ich bin damals förmlich aus der Praxis
geschwebt und wir sind dann zu meinen Eltern gefahren, die vor Freude
weinten. Aber genau zwei Tage später zerplatzte mein Traum wie eine
Seifenblase. Als ich zur Toilette wollte, bekam ich vor Schreck und
Panik einen Heulkrampf: Blut! Und nicht gerade wenig.
Mein Mann hat versucht mich zu beruhigen und immer wieder gesagt, dass seine Mutter bei allen drei Kindern noch 2 Monate so eine Art
Mini-Periode hatte. Das funktionierte und ich wurde etwas ruhiger.
Ich war ganz sicher, dass alles gut werden würde. Eine Untersuchung
ergab, dass fast alle wichtigen Hormonwerte im Keller waren. Ich bekam Spritzen und Kapseln und natürlich Bettruhe - das bedeutete
einen Krankenschein. Auf der Arbeit hieß es direkt, dass meine Schwangerschaft ja wohl schon toll anfinge und ob dies so weitergehen
würde. Ich war aus allen Wolken, aber mein Baby war mir wichtiger.
Die Blutungen wurden etwas weniger, aber nur etwas und ich traute
mich kaum noch zur Toilette. Ich glaube, ich habe in der Woche fast
jeden Tag einen Test gemacht, um zu sehen, ob das Baby noch da war.
Leider habe ich erst später erfahren, dass der HCG-Wert langsam sinkt
und nicht sofort verschwindet. Mit weichen Knien bin ich dann halt
wieder zum Arzt und dann kam es. Auf dem Ultraschall war nichts...gar
nichts. Noch nicht einmal eine Fruchthülle...ich fing noch auf dem
Untersuchungsstuhl an zu weinen und mein Arzt schickte mich zur Blutprobe ins Labor. Davor saß eine andere Patientin, hochschwanger
und mit kugelrundem Bauch. Da bekam ich erneuten Heulkrampf...ich würde so nicht aussehen...
Der HCG-Wert war auf unter 100 gesunken und das war nun eindeutig das
Ende. Leider blutete ich nicht ab und ich wurde dann zwei Monate später ausgekratzt. Ich hab das Ganze eigentlich schnell überwunden,
denn ich war der Meinung, dass es halt passieren kann. Ja es tat weh,
aber es ging vorbei. Genau ein Jahr später wurde ich wieder schwanger. Diesmal freute ich mich, aber verhaltener, denn ich hatte
schreckliche Angst. Würde es diesmal gut gehen? Das dumme war, dass ich nicht mehr über meinen Zyklus Buch hielt und meinem Arzt nicht genau sagen konnte, wie weit ich überfällig war. Ich schätzte ein,
dass ich wohl knapp 1-2 Wochen drüber war. Gut, wieder ein Bluttest,
wieder ein Ultraschall. Blutwerte ok, aber erneut wieder Östrogen-
und Progesteron (habe ich das richtig geschrieben?) im Keller. Auf dem Ultraschall war auch nichts zu sehen, aber ich konnte mich ja auch verrechnet haben. Es gab wieder eine Woche des Wartens, die einfach schrecklich war. Ich hatte panische Angst. Einige Tage später
fand ich Blut in meiner Hose. Ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen und bin dann wieder zum Arzt. Eine Untersuchung ergab, dass
das Blut vom Muttermund stamme - da war wohl ein Äderchen geplatzt.
Und zu meiner endlosen Freude, war auf dem Ultraschall eine Fruchtblase zu sehen, ganz klein ...und leer. Ich begriff kaum, was da los war. Wieso nur eine leere Hülle? Der Arzt meinte, dass er noch kein Urteil abgeben möchte und bat mich in ca. einer Woche nochmals zu kommen. Also wieder einige Tage warten, wieder zittern und bangen, hoffen und verzweifeln. Ich machte alle Gefühle durch und war mit den Nerven am Ende. Der nächste Ultraschall brachte dann die Wahrheit ans Licht - die Fruchthülle war deutlich gewachsen, aber
sie war und blieb leer. Es gab kein Baby, es gab nichts ausser einer
Hülle. Als ich dann später total verweint auf der Arbeit erschien,
sagte doch so einer zu mir, ich solle doch nicht weinen, es wäre doch
nur ein Windei gewesen!!!! Da hätte mir derjenige auch ins Gesicht
schlagen können, dass hätte die gleiche Wirkung gehabt. Es dauerte
nicht lange und eine Blutung setzte ein. Ich saß gerade an meinem
Schreibtisch, als ich schreckliche Krämpfe bekam, die mir beinahe die
Luft raubten. Ob sich so wohl Wehen anfühlen? war mein erster Gedanke. Auf der Toilette war ich entsetzt über die Menge Blut, die
da aus mir raus kam. Und plötzlich war da etwas dickes, was sich langsam den Weg nach draussen bahnte. Ich bekam Panik und hätte am
liebsten geschrien, aber zur Ironie saß ich Wand an Wand mit dem Chefbüro! Mit einem schweren Plumps landete etwas im Wasser und ich
drückte mit geschlossenen Augen ab. Ich wollte gar nicht sehen, was
da aus mir herausgekommen war. Dann waren die Krämpfe vorbei und drei
Tage später hörte es auf zu bluten, der HCG-Wert verschwand ...und es
wieder vorbei.
Das war die Zeit, als ich zum ersten Mal die Seite der Schmetterlingskinder fand. Alles um mich herum war nur noch damit be
schäftigt mir zu sagen, dass ich doch eigentlich froh sein sollte.
"Du hast doch nur einen Zellklumpen verloren." oder " Meine Mutter hatte vier Fehlgeburten und du doch erst zwei!" waren nur einige Sätze davon. Andere warfen mir vor, warum ich denn so oft beim Arzt
war, warum ich denn krank gefeiert(beim ersten Mal) und allen
anderen die Arbeit überlassen hätte. Ausser meinem Mann und meiner engsten Familie schien es niemanden zu geben, der mich ernst nahm oder mich trösten wollte. Ja verdammt, ich hatte bei beiden SS keine
Embryos gesehen, hatte keine Bilder und keine Herztöne gehört. Ja, ich hatte frühe Fehlgeburten, sehr frühe. Aber verdammt nochmal, wieso wollte mir niemand zuhören. Durfte ich nicht trauern, nicht weinen um den Verlust meines Traumes? Meiner FAST-Kinder? Wieso wurde
ich von eingen Leuten als hysterisch behandelt, nur weil ich beim Anblick von Schwangeren in Tränen ausbrach.
Ich fühlte mich schrecklich alleine....bis ich Euch fand. Eure Geschichten oder Schicksale zu lesen machte mir klar, dass ich nicht
alleine war. Da waren Frauen, die verzweifelt waren und unendlich traurig, die um ihre Kinder gekämpft und verloren hatten. Und ich brach in Tränen aus, als ich die Antworten der anderen sah. Diese tröstenden Worte waren zwar nicht an mich gerichtet, aber sie halfen mir trotzdem. Natürlich waren auch mein Mann und meine engste Familie ein Trost, das steht hier ausser Frage. Aber ich bin noch heute über diese Bekannten und Kollegen sauer, die mir solche Sätze an den Kopf geworfen haben. Man bekommt den Eindruck, dass es leute
gibt, die nicht wissen, was man zu einer betroffenen Frau sagen soll.
Die nicht wissen, wie man so jemanden tröstet. Keine Ahnung, aber meine Erfahrungen waren in dieser Beziehung wirklich nicht toll.

Nun sind zwei Jahre vergangen, ohne dass eine neue SS eingetreten ist. Ich habe drei Hormonbehandlungen gemacht, die aber erfolglos waren und heute nehme ich nur noch Gelbkörper-Kapseln. Mein Mann und
ich hoffen jeden Monat, dass erneut die Regel ausbleibt. Aber sie
kommt, pünktlich wie ein Uhrwerk und unbarmherzig Monat für Monat.
Jetzt tauchen wieder die anderen Stimmen auf, die mir sagen, dass meine biologische Uhr abläuft. Wir machen trotzdem fleissig weiter
und nächstes Jahr werden wir ein Vorbereitungsseminar für Pflege-
eltern machen. Vielleicht funktioniert es ja doch einmal bei uns und
Gott lässt zu, dass ich auch endlich ein eigenes Kind bekommen werde.
Hoffentlich.

Eure Claudia


(ich hoffe, dass der Text nicht zu lang geworden ist, manches kann
man nicht mit knappen Worten ausdrücken)

Constance
11.06.2005, 20:09
Liebe Claudia!

Ein trauriges Willkommen hier in unserer Mitte.
Es tut mir leid, daß Du schon zweimal eine Hoffnung gehen lassen mußtest.
Auch Fehlgeburten sind ganz fürchterlich und Du hast das Recht auf Deine Trauer. Laß Dir von niemanden etwas anderes einreden.

Auch ich mußte am 13.05.wieder ein Baby hergeben. Ich hätte mir so gewünscht, daß nach Cedi´s Tod ich doch wieder auf ein Baby hoffen darf. Laut Ärztin mußte ich so in etwa im 3. Monat gewesen sein, ohne das ich es merkte. Ich habe noch nicht einmal ein US-Bild. Dafür konnte ich es aber sehen.
Leider ist, trotz Ausschabung, mein hcg- Wert noch immer bei 300.
Am Dienstag muß ich wieder zur Blutabnahme, na mal sehen was wird.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und schicke Dir einen wärmenden Sonnenstrahl.

Liebe Grüße
Constance mit Thotti und Mika hier bei mir ,2** und Cedric für immer in unseren Herzen

Es gibt keine Worte für unseren Schmerz

In liebevollem Gedenken an unseren kleinen Sternenprinz Cedric
http://www.cedrics-seite.de.vu

Claudia200
11.06.2005, 20:34
Liebe Constance!

Zuerst möchte ich mich bei Dir ganz ganz herzlichst für
Deine wunderbaren Worte bedanken. Es tut so gut mit je-
manden zu "reden", der einen versteht und weiß was man
durchmacht. Es war wirklich ein Fehler, dass ich erst
heute zu Euch gekommen bin. Ich find es unendlich traurig,
was Dir passiert ist und ich nehme tröstend Deine Hand.
Hoffentlich kann Dir Dienstag die Ärztin sagen, dass der
Wert gesunken ist.

Ich bin dann noch auf Cedrics Seite und sitze jetzt mit
dick verweinten Augen vor meinem PC. Er sieht aus als ob
er schläft....und er ist so schön. Er ist ein ganz be-
sonders heller Stern am Himmel.

Ganz liebe Grüsse und eine dicke Umarmung von

Claudia

Angela-B
14.06.2005, 22:00
Hey Claudia,

es tut mir sehr leid was duch durchmachen mustest und wünsche Dir alles Liebe und Gute auf dieser Welt.
Ich bin auch noch nicht lange hier, aber mir tut es gut mit Menschen reden zu können, die das gleiche Schicksal erlebt haben wie ich. Mein Freunde und Bekannte meinen mich zu vestehen und sagen immer es wird alles wieder gut, aber so richtig verstehen können dieses nur Menschen die es leider auch erlebt haben.
Ich finde Du bist wirklich stark und darum las Dich bitte nicht unterkriegen, deine Biologische Uhr läuft noch lange nicht ab.
Es ist auch egal in welcher Woche oder welchem Monat man sein Kind verliert, es tut immer gleich weh, es ist Dein Kind!!
Deinen beiden Sternenkindern geht es bestimmt sehr gut dort wo Sie nun sind, mir hat mal einer gesagt für jede Träne die Du weinst, wächst eine Rose im Himmel, darum kann es im Himmel nur schön sein.

Ich kann Dir nur ein paar tröstende Worte geben und aber die kommen von ganzem Herzen.

Bis Bald

MoniG
15.06.2005, 10:41
Hallo Claudia,
bewegt habe ich Deine Geschichte gelesen und mich darin wiedergefunden. Auch ich hatte zwei frühe FG (nach künstlicher Befruchtung). Die Behandlung ist nun abgeschlossen und wir müssen uns leider damit abfinden, keine "eigenen" Kinder zu bekommen.
Auch wir haben uns als Pflegeeltern "beworben", den Vorbereitungskurs jetzt hinter uns, so dass jetzt die "Wartezeit" beginnt. Wir haben doch einige Zeit gebraucht, um uns dafür zu entscheiden, weil der Schmerz der Verluste lange sehr stark war.
Jetzt freue ich mich auf die wundervoll neue Aufgabe als Pflegemutter! Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!
Liebe Grüsse!
Moni