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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich brauch einfach eure Hilfe


Silvi_Callista-Luisa
09.06.2005, 12:21
Ich bin schon wieder da...

Nachdem ich nun gestern endlich einmal alles aufgeschrieben habe, hat mich die Erinnerung eingeholt wie ein D-Zug...ich bin einfach nur noch traurig und ich weiss einfach nicht was ich dagegen tun soll. Ich habe immerhin noch ein kind und das Lebt und will geliebt und beschäftigt werden. Dabei möchte ich mich einfach nur in ein Ecklein setzten und mich ausweinen. Ich liebe meine Tochter, damit das hier keiner Falsch versteht, und ich bin froh dass es sie gibt und mit jedem Tag den sie hier ist liebe ich sie mehr. Aber ich habe einfach das Gefühl die Trauer und vor allem die Erinnerung erschlagen mich. Ich kann kaum schlafen, träume nur von toten Kindern und mache mir ständig vorwürfe was ich bei meinem Sternchen Florian alles hätte anders machen sollen/müssen um es zu verhindern. Ich weiß zwar dass ich nicht direkt daran schuld bin aber ich hätte doch informiert sein müssen, ihn nicht überwärmen, nicht so lang warten mit dem aufwecken und tausend andere dinge. Ich fühl mich so leer..so emotional niedergeschossen. ich habe geglaubt ich hab die Spitze des berges überwunden und kann nun in ruhiger Erinnerung an ihn leben..aber es geht einfach nicht. Das sind zwar die ersten dunklen Tage seit langem aber sie sind umso schlimmer. Ich habe auch Angst ich könnte mir wieder weh tun und mich gehen lassen..das darf ich doch nicht wegen Callista...aber ich weiss nicht wie ich diesen ganzen inneren Druck loswerden soll..ich fühl mich einfach gepresst...Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr weiter. Mein Therapeut hat gemeint ich sei austherapiert...was immer er damit auch meint. Mir könne man nun nicht mehr helfen und ich müsste mein Leben allein auf die reihe bekommen...aber ich weiss nicht ob ich das so einfach schaffe...

Es mag sich anhören als versinke auch ich in Selbstmitleid..aber ich bin fix und fertig mit allem im Moment..

danke fürs zuhören
SIlvia

AnjaLAP
09.06.2005, 15:54
Liebe Silvia!

Du hast alles Recht der Welt in Selbstmitleid zu zerfließen! Ganz ehrlich! WER sagt denn bitte, dass wir immer tapfer sein müssen?
Das ist doch der größte Blödsinn, den ich je gehört habe.
Wenn wir Selbstmitleid haben, ist es doch das Beste, wir "lassen es heraus", erst dann geht es uns besser.

Tränen wollen geweint werden, sonst setzen sie sich irgendwo im Herzen fest, und das ist wirklich keine gute Lösung.

Wenn dein Therapeut meint, er habe dich austherapiert, da kann ich nur den Kopf schütteln.

WAS bitte meint er damit? Wenn du noch Hilfe brauchst, hat er gefälligst da zu sein. Weißt du was? Ich denke, er ist nicht mehr der richtige für dich. Du schreibst, du brauchst Hilfe - bitte SUCH DIR HILFE!

Wir hatten zur Zeit als Valentina im Sterben lag immer psychologische Betreuung. Manchmal wusste unsere Psychologin selbst nicht, was sie uns "raten" sollte - das hat sie dann gesagt. Diese Ehrlichkeit alleine hat uns sehr gut getan und weitergeholfen.

Ach, Silvia!
Such dir einen neuen Therapeutin? Vielleicht ist eine Frau besser geeignet? (oder falle ich da in ein Klischee?)

Ich finde es mutig von dir, nach Hilfe zu suchen!
Und ich wünsche dir von Herzen, dass du sie bald findest!

Sei ganz herzlich umarmt!

bata
09.06.2005, 22:28
Liebe Sylvia,
Du hast alles Recht der Welt, noch zu trauern!
Und auch ein Therapeut hat Dur keine Vorschriften zu machen, wie es Dir zu gehen hat.
Natürlich wirst Du irgendwie, irgendwann Deinen Weg finden.
Laß Dich ij Deiner Trauer nicht allein.
Vielleicht hilft es Dir auch, wenn Du keine Kraft dafür aufwenden mußt, Deinem mann etwas vor zu spielen.
Denn das kostet unendlich Kraft.
Kraft, die Du im Moment einfach selber brauchst!
Schreib uns hier alles auf, was Du fühlst, was Du mitteilen möchtest.
Das hilft manchmal mehr, als man glauben mag!
Liebe, mitfühlende Grüße, Bata

Silvi_Callista-Luisa
10.06.2005, 11:59
Ich danke euch erst einmal für euer Verständniss..es ist leider oft so, daß mein Sohn von allen in meiner Umgebung totgeschwiegen wird. Möglichst nicht davon reden, möglichst nicht noch öl ins feuer gießen. Niemand kann wirklich verstehen dass es auch nach so langen Jahren einfach immer wieder mal dunkle Tage gibt.
Und diese Tage gehören wohl auch einfach dazu. Ich muss auch ehrlich sagen: Heut ist es schon nur noch ein bischen grau und nicht mehr nur schwarz. Aber es tut immer noch sehr weh und das Vermissen ist sehr beständig. Es liegt wohl auch viel daran dass ich große Angst um meine Tochter habe, angst, dass es mir wieder so ergehen könnte. Ich hoffe ich finde die Kraft um über diese Zeit auch wieder hinweg zu kommen. Was mich einfach nur sehr traurig macht, ist, dass einfach keiner so wirklich versteht. Ich kann von Menschen denen dieses leid nicht zuteil wurde natürlich nicht erwarten dass sie meine Gefühle verstehen und meine Ängste..aber ich möchte doch einfach nur reden. Jemandem mitteilen was in mir vorgeht. Doch ich habe eher das Gefühl eine Belastung damit zu sein...und das möchte ich nicht.
Danke
eure Silvi

Ronja
10.06.2005, 14:18
Hallo Silvi,

mir fällt dazu spontan ein, dass man manche Menschen fordern muss, bevor sie erkennen, dass sie Lasten mittragen können.
Es verlangt ja keiner, dass er sie Dir abnimmt - nur ein bisschen mitträgt.

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du doch solch einen Menschen in Deiner Umgebung findest.

Ganz herzliche Grüsse,

Ronja

Claudia200
11.06.2005, 21:21
Liebe Silvia!

Ich habe gerade Deine Geschichte gelesen und wollte gerade dort
antworten, als ich Deine anderen Einträge gefunden habe. Ich
kann gar nicht sagen, wie sehr ich berührt bin und ich kann
kaum ausdrücken, was ich sagen will, so traurig macht es mich.
Ich selber hatte zwei Fehlgeburten und es gab soviele Leute, die
meine Trauer als Blödsinn bezeichneten. Nur weil beide Fehlgeburten
sehr früh waren (keine Embryonen zu sehen) durfte ich nicht trauern.
Ich sollte nicht weinen und ich sollte stark sein.

Man ist aber nicht stark. Man zerbricht am Leid! Man weint und
weint, bekommt Depressionen und verkriecht sich. Und verdammt,
dass dürfen wir auch. Jede Frau liebt ihr Kind! Jede, ob es nun
noch nicht sichtbar auf dem Ultraschall ist, ob es im Mutterleib
stirbt oder später, wenn es auf der Welt ist. Und jede Frau bricht
vor Kummer auseinander.
Und wir alle trauern, auf die eine oder andere Weise.

Du hast bewiesen, dass Du stark bist, denn Du weisst genau, dass
Dein anderes Kind Dich braucht. Du gibst alles in diesem Punkt.
Bitte, geb´Dir nicht die Schuld an dem was passiert ist. Und
wenn Du Selbstmitleid hast, ist das vollkommen in Ordnung.Das
gehört zum Verarbeiten. Die Antwort von Anja trifft genau das, was ich sagen will. Dein Therapeut ist wirklich sehr feinfühlend! Anja hat Recht wenn sie sagt, dass er nicht der richtige ist.

Ich hoffe, ich konnte ausdrücken, wie sehr ich an Dich denke und
wie gerne würde ich Dich jetzt ganz fest in den Arm nehmen. Ich
tu es in Gedanken und wünsche Dir alle Kraft auf Erden, dieses
Schicksal zu verarbeiten. Florian weiss, dass seine Mami ihn über
alles liebt und sie eine einfach tolle Mutti ist.

Du schaffst es, ich weiss es irgendwie und mit der richtigen Hilfe
einer netten und lieben Therapeutin wird es wieder werden.

Mit einer dicken Umarmung von

Claudia

Silvi_Callista-Luisa
13.06.2005, 10:36
Ich kann einfach nur immer wieder danke sagen für eure Antworten..sie helfen mir so sehr...ich wäre so froh gewesen wenn es damals schon solche Foren gegeben hätte und ich immer darauf hätte zurückgreifen können....DANKE

liebe grüße Silvia

VerenaS
13.06.2005, 13:04
Liebe Silvia,
ich habe deine Geschichte gerade gelesen, und ja, es tut weh. Ich habe sehr geweint und bin traurig. Es tut mir furchtbar leid für deinen kleinen Sohn und für dich. Du hast so gut geschrieben, so unmittelbar geschildert, dass ich es förmlich vor mir sehen konnte.
Aber es ist ein "guter" Schmerz, finde ich. Und das Weinen hilft, ihn raus- und loszulassen.
Mach dir also nicht ganz so viele Gedanken, wen du mit deiner Geschichte belastest. Viele Menschen sind einem, wenn man sich einmal traut, seine wahren Gefühle zu zeigen, näher, als man denkt. Ich habe diese Erfahrung machen können und bin dafür dankbar.
Wenn dein Therapeut sagt, du bist austherapiert, heisst das nur, dass er dir nicht mehr weiterhelfen kann. Das ist seine Sache.
Du kannst dir Hilfe holen, immer, auch noch nach 30 Jahren. Niemand kann festlegen, wie lang Trauer dauert. Und wenn jemand dir deine Gefühle nicht zuerkennen will, hat er möglicherweise ein eigenes unbewältigtes Problem mit Trauer. Das ist dann auch nicht dein Problem.
Ich wünsche Dir, dass das Schwarz heller und heller wird, immer öfter.
Und was die Angst um deine Tochter angeht, - die ich sehr gut verstehen kann, in meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich auch ungeheure Angst - vielleicht hilft dir ein Mantra wie "alles ist gut", um die ängstlichen Gedanken zurückzudrängen. Dazu gibt es ein ganz gutes Buch. Oder/und du nimmst sie zu dir ins Zimmer, einfach, um die Situation zu ändern.

Liebe Grüße, Verena