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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wann lässt mein Mann unser Verlorenes Baby zu???


anja32
14.05.2005, 20:43
Hallo ihr lieben zusammen!

seit ein paar tagen schleicht sich ein so komisches Gefühl bei mir ein!
ich bin sehr unglücklich über das Verhalten meines Mannes!

er redet gar nicht über unser baby! wenn ich anfange wie zB es wäre jetzt 10 wochen in mir oder wenn wir im Dez unser babyim arm hätten usw
also generell über babys rede! Dann wird er abolut kalt, reagiert nicht darauf! nicht, keine Reaktion! und damit kann ich nicht umgehen!

wenn wir von der Arebit kommen geht jeder für sich seinen Weg! er setzt sich an den PC und ich geh ins Wohnzimmer, kümmer mich um beide jungs! und dann sitz ich abends bei einem glas wein alleine im wohnzimmer und geh die meister zeit auch alleine ins bett!

wenn wir mal zusammen sitzen dann wird dieses Thema gar nicht angesprochen!

ich fühl mich in dieser situation sehr allein gelassen und komm damit überhaupt nicht klar!

ich weine sehr viel wenn ich allein im bett liege ! wache nachts mehrmals auf!
ich schreibe tagebuch und leider kommt mein mann dabei nicht gut weg!

ist das seine art zu trauern!

ich weiß nicht und ich möchte nicht das dadurch die liebe kaputt geht!

kann das denn alles real sein, kann esnicht einfach ein schlimmer traum sein und ich wache einfach auf und bin immer noch schwanger!!!!!!!!!!!!!!!!

in gedanke
eure anja

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Christine313
15.05.2005, 01:28
Liebe Anja,
Männer haben leider eine völlig andere Art mit der Trauer umzugehen als wir Frauen.
Auf der einen Seite wollen sie keine Schwächen zeigen, denn damit wären sie verwundbar. Sie wollen immer der Starke sein, die Frau beschützen und nicht auch noch mit runterziehen. Auf der anderen Seite haben sie leider nicht so viele Anlaufstellen wie wir Frauen.
Wenn ich an uns zurückdenke, war es oft so das man mich fragte wie es mir geht, aber meinen Mann nicht.
Nach außen hin hatte er eine perfekte Tarnung, der lustige Lebemann.
Alle dachten, ihm ginge es besser als mir und käme mit der Situation ganz gut klar.
Das war von den Leuten allerdings eine absolute Fehleinschätzung.
Seit Ende Juli sind wir in Therapie und das war das beste was wir tun konnten, um all das Erlebte aufzuarbeiten.
Mein Mann musste viel lernen. Z.B. sich mir gegenüber zu öffnen.
Ihr müsst dringend miteinander reden!
Ich weiß es ist einfacher gesagt als getan und auch mein Mann hat einige Therapiestunden gebraucht, bis es sich wirklich gebessert hat und mich nicht dumm da stehen hat lassen.
Mittlerweile ist es bei uns so, das wenn ich sehe das es ihm nicht gut geht ich ihm sage das ich für ihn da bin, zu jeder Zeit und er mit mir reden kann. Allerdings soll ich ihm nicht wie ein Dackel hinterherlaufen, er soll lernen das er von alleine auf mich zukommt, wenn ihn etwas bedrückt. Ich weiß das ist mit euch jetzt nicht zu vergleichen, da wir ja den Background der Therapeutin haben. Aber was haltet ihr denn davon, wenn ihr euch auch professionelle Hilfe holt.
Ich kann nur sagen, das ich es mit bestem Gewissen weiterempfehlen kann und es immer wieder tun würde.

Liebe Grüße
Christine

Mely_1985
17.05.2005, 13:38
Liebe Anja,


ich kann mich da nur Christine anschließen. Männer haben ihre ganz eigene Art und Weise wie sie mit ihrer TRauer umgehen.

Es ist aber heute auch immer so, dass nur wir Frauen gefragt werden, wie es uns geht, weil wir ja schließlich das Baby in uns hatten.


Ich würde dir so gerne sagen, gib ihm Zeit, es wird schon wieder, aber das könnt nur ihr wissen.


Und wenn du einmal versuchst mit ihm über deine Ängste zu sprechen? Darüber, dass du Angst hast, dass eure Liebe kaputt geht?


Oder ob du ihm irgendwie helfen kannst? Denn die meisten Männer denken leider, dass sie kein Recht auf Hilfe hätten, sondern im Gegenteil, dass sie uns helfen müssen, und wenn sie es nicht können, fühlen sie sich noch schlechter. Er muss deine Hilfe zulassen.


Das wird schon wieder!

Alles Liebe

Mely

Sandra
17.05.2005, 14:52
Liebe Anja,


Ich konnte anfangs auch nicht mit der Trauer meines Mannes umgehen - wie denn auch?
Man selbst weint, redet, zweifelt und von seinem Gegenüber kommt nichts!
Aber ich glaube, wir denken nur, dass da nichts kommt, weil sie eben anders trauern!

Ich habe meinen Mann letztens gefragt ob er mit jemand anderem über unseren Sohn spricht, dass er vielleicht dort seine Trauer auslebt und er sagte zu mir:"Nein, ich spreche über unseren Sohn mit niemandem" - Wenn ich mir denke mit wievielen Menschen ich schon über Samuel gesprochen habe und er mit niemandem! - Das war schon sehr komisch für mich!

Er ist immer da für mich wenn ich reden oder weinen will ABER eine Zeit lang hatte ich das Gefühl, dass ihm alles egal ist - Ich habe immer auf seine Tränen gewartet!

Doch in der Therapie habe ich gelernt, dass jeder seinen eigenen Weg geht, seine eigene Trauer lebt - Und die Trauer unserer Männer scheint sich wohl nur in ihnen abzuspielen!


Vielleicht erzählst du ihm mal, was in dir vorgeht und dass du dir mit seiner Art der Trauer schwer tust!Vielleicht tut es dir ja nur mal gut ihm deine Gefühle, deine Ängste, deine Sorgen mitzuteilen!Vielleicht kommt dann ja auch eine Reaktion die du gar nicht erwartet hättest!

Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute!!!


Liebe Grüße
Sandra

DianaNoopy
17.05.2005, 15:16
Liebe Anja,
mein Mann ist leider auch so.
Manchmal hasse ich ihn dafür.
Ich werde dann mega sauer und könnte ihn vor die Tür setzen.
Ich habe ja nun auch das Foto von unserem Jaden daheim,aber er will es nicht ansehen und fragt nicht danach.
Das macht mich dann wieder so wütend.
Ich habe auch Sorge,dass dadurch unsere Beziehung kaputt geht.

Einen Tip habe ich leider nicht für Dich,denn wenn ich einen hätte dann wäre es bei mir auch anders daheim.
Ich wollte Dir damit sagen,dass Du nicht alleine bist mit diesem Frust.

LG von Diana mit Lyn-Denise bei mir
und unseren Engelskinder
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Silvi_Callista-Luisa
18.05.2005, 10:18
hallo,

ich kann mir gut vorstellen wie einsam du dich fühlen musst. Männer sind manchmal komisch, sie trauen sich einfach nicht auch mal zu sagen dass ihnen was nahe geht und leben einfach weiter in den Tag hinein. Ich hatte fast das gleiche mit meinem Papa. Der war damals als erstes bei mir als ich meinen Sohn tot im Bettchen gefunden habe und ich hab mir bis heute immer gewünscht mit ihm darüber zu reden. Was er empfunden hat und ob ers verkraftet hat nach so langer Zeit. Leider blockt er mich immer ab oder lässt mich einfach stehen. ich hab auch schon den direkten Weg gesucht und ihn einfach in die Ecke gedrängt und ihn gestellt...aber darufhin wurd er super wütend und hat mich nur angerschrieen...ist also auch nicht wirklich der gute Weg...
Versuch ihm einfach Zeit zu lassen und sag ihm einfach was du fühlst..oder schreib ihm einen Brief den er dann ganz für sich allein an einem ruhigen Ort lesen kann..

ich wünsch dir dass es klappt weil ich weiss das man damit nicht allein sein will

Liebe Grüße Silvia
mit Callista im Arm
und Florian im Herzen

Daniel
05.06.2005, 14:29
Hallo,

es tut mir auch leid wg. dem verhalten deines Mannes.

vielleicht kann ich zu diesem Punkt das eine oder andere sagen......

kurz vorneweg ein paar Infos um auch mal eine andere Ansicht erklärbar zu machen:

ich selbst bin nicht so direkt betroffen. Wir haben eine sohn der jetzt bald ein Jahr wird und meine Frau ist wieder schwanger. (beim vorherigen Versuch gab es in der 9 woche einen Abort den ich aber z.B. auch gar nicht bewußt wahrgenommen habe).

Was mich momentan viel härter trifft, ist das meine beste Freundin Anfang 8. Monat vor 6 wochen eine Totgeburt hatte.
Und wenn man in seinem bisherigen Leben keinen Kontakt zu Tod und Trauer gehabt hat zieht es einem gefühlsmäßig den Teppich unter den Füßen weg.

was ich aber eigentlich zur männlichen Wahrnehmung bei diesem Fall sagen wollte:
Mann ist (behaupte ich jetzt einfach mal stellvertretend für viele Männer) nicht so emotional wie Frauen an sich.
Und jetzt gibt es noch ein 2. (und aus meiner Sicht viel stärkeres) Handicap: es ist zwar klar und man weiß das Frau/Freundin schwanger ist aber man hat so gut wie keinen emotionalen Bezug. Woher denn auch??
es gibt keine echte gewachsene körperliche Bindung (die aber für die wahrnehemung entscheidend ist).
Zuneigung/Bewußtsein für den Nachwuchs entwickelt sich mit der Zeit..... und selbst bei der Geburt meines eigenen Sohnes war ich mir dessen noch nicht wirklich bewußt. Das Gefühl dafür hat sich bei mir erst im ersten halben Lebensjahr ausgeprägt......
Dann ist eine Frau schon fast anderthalb Jahre mit Kind verbunden.....

Und gerade bei Fehl- oder Totgeburten gibt es keine echte Möglichkeit damit umzugehen......

Ich habe um etwas Hilfe zu finden und eben auch Hilfe geben zu können das Buch von Hannah Lotrop gelesen (Gute Hoffnung-jähes Ende) und kann es nur weitermpfehlen, da mir einige Dinge damit auch erst klar geworden sind.......
Ich habe dadurch gelernt, das man mehr Facetten wahrnehmen kann wenn man weiß wie man kucken muß.......

Aber bei der Freundin von mir wollte der Mann von ihr Rafael (das Sternenkind) weder sehen noch das Foto ansehen...... und das ist es was bei ihr nach wie vor verhindert richtig trauern zu können.......

Andererseits kann ich den Mann auch gut verstehen...... wahrscheinlich hätte ich früher in seiner Situation ähnlich gehandelt....

Jeder kann nur in dem Rahmen fühlen und realisieren den er kennt..... und dort ist die wahrnehmungsfähigkeit oder auch Verarbeitbarkeit bei Männern eben nicht ansatzweise so ausgeprägt wie es bei Frauen ist. Vielleicht sollte man das auch immer mit in die Erwägung ziehen.

Ansonsten gibt es auch noch das eine oder andere wo die sichtweise von Männern mit der von Frauen differiert.

Ich für mich habe nach wie vor Probleme damit meiner Freundin richtig helfen zu können..... aber ich kann sie wenigstens beim Trauern unterstützen....

Daniel

Claudia200
24.06.2005, 19:50
Liebe Anja!

Das mit den Männern ist so eine Sache....da ist was
dran. Mein Mann ist eigentlich sehr sensibel und ich habe
ihn auch schon weinen gesehen. Da ging es aber um unsere Be-
ziehung...
Nachdem ich das erste (auf dem US nicht sichtbare) Kind ver-
loren habe, war er erstaunlich ruhig. Er weinte nicht, sondern
hielt mich nur im Arm. Er begleitete mich zur Ausschabung und
saß neben meinem Bett. Alles ruhig und überlegt. Und beim
zweiten Kind (auch nicht sichtbar auf dem US) war es genauso.
Ich habe immer gedacht, ob es vielleicht anders gewesen wäre,
wenn eines der beiden gewachsen und sichtbar geworden wäre...
hätte er dann weinen können? Kann er es nicht realisieren?

Ich weiss es heute noch nicht! Er spricht von sich aus nie
darüber! Erst jetzt, wo er weiss, dass ich hier im Forum
bin, fragt er danach. Aber er fragt nach den anderen Frauen und
ihren Schicksalen und dann will er sich darüber unterhalten,
jedoch nur kurz. Ich habe ihn nach dem ersten Verlust einmal
gefragt, warum er nicht weint. Da hat er gesagt, dass er für
uns stark sein müsse. Er wolle mich mit seiner Trauer nicht
belasten...häh?????
Komischerweise habe ich damals nichts dazu gesagt. Und wenn
er anderen von mir erzählt, dann redet er nur von Fehlschlägen.
So als ob man unter Männern nicht das Kind beim Namen nennen
darf.
Fakt ist, dass er auch heute nicht von alleine darüber redet.
Aber ich habe bemerkt, dass er Sendungen wie "Hallo Baby.."
sofort wegschaltet. Das er über Heidi Klum schimpft, wenn sie
im Fernsehen ist.
Ich glaube, Männer gehen damit wirklich anders um. Sie trauern
wirklich anders..stiller? Ich weiss nicht.

Jetzt hab ich soviel geschrieben, dass tut mir leid. Aber je mehr
ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir auf.

Es tut mir leid, dass ich so spät antworte, aber ich finde die
Idee mit dem Brief (ich glaube es war Silvia) super. So kann er
sich in aller Ruhe mit Deinen Ängsten und Sorgen auseinandersetzen.
Dir liebe Anja, wünsche ich von Herzen, dass alles gut wird. Ich
bete dafür!

Viele liebe Grüße
von Claudia

Christine313
24.06.2005, 20:11
Liebe Claudia,
Männer sind schon eine Wissenschaft für sich, oder?
Männer denken immer sie müssen stark sein und dürfen uns nicht auch noch zusätzlich mit ihren Ängsten und Sorgen belasten.
Das sie aber genau dies mit ihrem Schweigen verursachen, begreifen sie irgendwie nicht.
Mein Mann und ich gehen nun seit fast einem Jahr zu einer Therapie und ich bin so froh darüber das wir diesen Schritt getan haben.
So lernte auch endlich mein Mann, das ich ihm nichts will und das auch er sich bei "mir" fallen lassen kann.
Sich bei mir ausweinen darf, mir erzählen kann wenn ihn etwas bedrückt.
Ich bin sehr dankbar dafür und bin froh das zwischen uns keine Wand steht und der eine nicht weiß was der andere denkt.

Aber....das mußten wir und besonders mein Mann erst einmal lernen und er lernt heute noch......

Liebe Grüße
Christine