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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hallo, bin neu hier


Annett
05.05.2005, 23:27
Hallo, weiß nicht so recht wie ich anfangen soll.

Vielleicht am besten erst einmal vorstellen.
Ich heiße Annett, bin 27 und habe genau vor 14 Tagen mein Baby in der 19. SSW verloren. Heute sitze ich hier ganz allein und komme aus dem Grübeln nicht mehr raus.

Ich bin froh, dass es euch als Forum gibt. Habe bereits vor ein paar Tagen schon mal rein geschaut und gelesen, dass es Mama´s gibt, den es ja noch viel schlimmer als mir ergangen ist. Das klingt jetzt bestimmt sehr egoistisch, so bin ich aber nicht.

Nun aber von Anfang an.

Wir haben uns schon länger ein Baby gewünscht, aber irgendwie war nie die richtige Zeit für ein Kind. Bis ich Anfang November die Pille dann doch abgesetzt habe und auch gleich schwanger wurde. Alles war wunderbar. Keine Schmerzen, Blutungen, Übelkeit,... . Mir ging es einfach wunderbar. Ich freute mich auf jede Untersuchung und war so stolz, die Bilder meinem Freund zu zeigen. Wir haben lange gewartet, um unseren Eltern und Freunden zu sagen, dass wir Nachwuchs erwarten. Ich hatte einfach Angst, es könnte etwas sein mit dem Baby. Ostern haben wir dann Bescheid gesagt und alle haben sich mit uns gefreut. Dem Baby ging es gut. Das kleine Herz hat so schön geschlagen. Bei der letzten VU habe ich dann den Triple-Test machen lassen, nur für mich zur Beruhigung. Aus der Beruhigung wurde eine BeUNruhigung. Ich hatte ein erhöhtes Risiko. Gerade ich. Ich rauche nicht und trinke nicht. ... Also habe ich meinen Termin beim Feindiagnostiker um 2 Wochen nach vorn gelegt. Ich war noch guter Hoffnung, dass alles i.O. sei, denn in 90 % ist ja auch nichts. Halt nur nicht bei mir.
Der Arzt war toll. Fragte noch, ob wir das Geschlecht wissen möchten. Hat mit uns noch gescherzt, da wir uns nicht einigen konnten. Ich wollte es nicht wissen, mein Freund der mit,war schon.
Aber als die Untersuchung anfing, wurde er plötzlich still. Er hat eine Ewigkeit das kleine Herz untersucht und uns dann die schlimme Nachricht mitgeteilt. Das Herz schlägt sehr unregelmäßig. Die eine Herzkammer ist doppelt so groß wie die andere. Die Ader zum Herz ist zu klein und viel zu dünn. Alles in allem, er hat uns nicht viel Hoffnung gemacht. Er hat uns gesagt, dass das Baby es vielleicht bis zur Geburt schafft, vielleicht und das sollte wahrscheinlicher sein, aber nur noch wenige Wochen.
Am nächsten Tag befand ich mich schon im Krankenhaus. Nach weiteren Untersuchungen und Gesprächen mit mehreren Ärzten wurde die Geburt eingeleitet. Die Tabletten haben wirklich schnell gewirkt und am nächsten Vormittag habe ich unser Baby zur Welt gebracht. Im Anschluss fand die Kürretage unter Vollnarkose statt. Nach 24 h durfte ich dann auf eigenen Wunsch schon nach Hause. Ich wollte wieder in meine vertraute Umgebung.
Und was hat mich erwartet in meier "vertrauten" Umgebung? Bemitleidenswerte Blicke, "gutgemeinte" Ratschläge,... Und immer wieder die Frage: "Wie geht es dir?" Wie soll es mir schon gehen? Ich habe doch gerade mein Baby verloren.
Körperlich geht es mir wieder gut, nach außen wirke ich stark und innerlich bin ich am Boden zerstört.
Ich weiß, dass der Herzfehler so enorm war, dass mein Häschen NIE eine Chance gehabt hätte. Aber warum? Warum ich? Warum hat sich die Natur erst so spät entschieden, mir mein Baby zu nehmen? Ich habe es doch schon gespürt. Wir hatten unsere gemeinsame Zeit. Jeden abend pünktlich halb 6, hat sich der Bauch gewölbt. Es war so schön. Ich habe mich doch so gefreut.

Es tut so weh.

Danke allen, die sich meine, doch sehr lange Gechichte, angehört haben.

Lg Annett

BirgitHa1963
06.05.2005, 03:03
Liebe Annett,

die Frage nach dem Warum, Du kannst sie stellen, so oft Du willst, aber eine Antwort wirst Du nicht bekommen...... das ist dann unser Schicksal, mit dieser Frage ohne Antwort zu leben...........

Ein trauriges Willkommen hier bei uns..... wenn Du hier schon ein bisschen mitgelesen hast, dann weisst Du ja, dass Du Dich mit allen Sorgen hier melden kannst oder einfach auch nur dann, wenn Du etwas loswerden willst, was Du vielleicht keinem Nichtbetroffenen sagen willst, denn Du hast ja auch schon die Erfahrung gemacht, dass die Umwelt nicht immer so reagiert, wie es uns gerade gut tun würde... Hier kannst Du Dich fallen lassen und Du wirst auch immer jemanden finden, der Dir zuhört......

Es tut mir sehr leid, dass Dein Baby es nicht geschafft hat und ich hoffe, dass Du hier Trost und Hilfe finden wirst, wie auch ich es gefunden habe.......

Liebe Grüsse
Birgit
und http://www.cosgan.de/images/smilie/engel/c020.gif Felix, am 3. Juli 2004 / 26.SSW nicht für diese Welt geboren


"....... these wounds won´t seem to heal, this pain is just too real, there's just too much that time cannot erase...."

Carmelita
06.05.2005, 03:45
Hallo
und auch von mir ein herzliches Willkommen!

Lass Dich mal ganz fest in den Arm nehmen. Und lass Dir sagen, wie leid es mir tut, aufrichtig leid. Und wie sehr ich Dich verstehe. Auch, wenn ich bislang nie in Deiner Situation war, kann ich mir gut vorstellen, wie es für Dich sein muss und wie weh es tut.

Aber ich bin ganz sicher: Deine Kinderseele wird zu Dir finden, ganz bestimmt. Da bin ich ganz, ganz sicher!!!

Ich wünsche Dir alles, alles Gute und denk daran: Du hast ein Recht zu trauern und auch, wenn es sicher zurzeit sehr belastend für Dich ist: Die Leute, die Dich fragen, wie es Dir geht, meinen es nur gut! Ganz bestimmt.

Sei fest von mir gedrückt!!

Liebe Grüße
Carmelita

Beate35
06.05.2005, 09:45
Liebe Annett,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.
Es tut mir von Herzen leid,daß Dein Baby nicht leben konnte, :(

Wie meine Vorrednerinnen schon sagten;Du kannst hier jederzeit erzählen,was Dir am Herzen liegt,Du wirst immer jemanden finden,der Dir zuhört.

Bei uns waren es am Mittwoch zwei Monate her,daß ich Elias still geboren habe,und ich bin sehr dankbar,daß ich dieses Forum gefunden habe.

Ich möchte für Dein Mäuschen ein Licht anmachen.

http://www.helgas-zottelbaeren.de/kerzen/n_kerze_008.jpg

Liebe Grüße
Beate

Christine313
09.05.2005, 01:09
Herzlich Willkommen hier im Forum.
Ich bin auch noch sehr neu hier und wurde ganz herzlich empfangen. Ich hoffe du findest hier die Gelegenheit dich mit uns auszutauschen oder Ratschläge anzunehmen.
Es tut mir sehr leid das dein Engelchen es nicht geschafft hat.
Auch ich weiß bis heute noch nicht den Grund dafür, warum mein Kind sterben musste und, ob es einen tieferen Sinn gehabt haben soll.
Ich bin nur oberglücklich das ich eine gewisse Zeit mit meinem Kind verbringen durfte.
Der Schmerz wird vielleicht nicht besser, aber glaube mir, irgendwann wird er anders.

Liebe Grüße
Christine

Mely_1985
15.05.2005, 11:00
Liebe Anett,


auch von mir ein leises und trauriges Willkommen....

Es tut mir sehr sehr leid, dass auch du dein Baby nicht behalten durftest. Und es ist keinesfalls egoistisch von dir. Jede von uns hat einen auf seine Art und Weise schlimmen Verlust erlitten. Sei es in der SS, danach, oder an SIDS. Es ist immer schlimm ein Kind zu verlieren.

Auch ich habe mich gefragt, warum erst so spät? Mein Sohn starb in der 22. SSW. Sein Herzchen schlug nicht mehr.

Aber denk immer daran, da wo dein Sohnemann jetzt ist, kann ihm keiner mehr ein Leid zufügen....


Das sind die einzigen Gedanken, die mich jeden Abend vor dem Durchdrehen bewahren, obwohl mein kleiner David nun schon fast 2,5 Jahre nicht mehr bei mir ist...


Alles Liebe, Mely

Maria_83
16.05.2005, 20:30
Hallo Annett,
ich möchte dir schreiben, weil ich leider ein sehr ähnliches Schicksal erleide wie du. Gleichzeitig möchte ich dies auch nutzen, um mich hier vorzustellen.
Ich habe am 10.5., also vor noch nicht einmal einer Woche, meine Babys in der 20. SSW verloren. Es waren absolute Wunschkinder. Obwohl wir (mein Freund und ich) beide noch sehr jung(22) sind, musste bei mir mit Hormonen nachgeholfen werden, um schwanger zu werden. So wurden es gleich zwei. Aber wir haben uns mit jedem Tag mehr über unser doppeltes Glück gefreut. Wir haben uns total auf Zwillinge eingestellt... Aber das ist ne sehr lange Geschichte...
Auf jeden Fall hatte ich dann Montag/Dienstag NAcht Wehen und wurde mit dem Krankenwagen ins KH geschafft, wo dann eine der beiden Fruchtblasen platzte. Im Laufe des Vor- und NAchmittags wurde mir mitgeteilt, dass eine Infektion vorliegt und meine Babys keine Chance haben. So wurden wieder Wehen eingeleitet und Dienstag Abend lag ich dann im Kreissaal und war "leer". Wir (mein Verlobter war zum Glück die ganze Zeit bei mir) konnten uns dann von unseren Babys verabschieden, obwohl ich noch nicht weiß, ob das gut war oder den Schmerz nur vergrößert...
Und seit dem quälen mich genau die Fragen, die du am Ende gestellt hast. Warum erst so spät? Warum ich? Hätte ich es verhindern können?...
Ich finde es so gemein. Ich habe meine Babys gespürt. Sie waren schon richtige kleine Menschen. Es waren zwei Jungs, was wir noch nicht genau wussten. Es war vorher noch nicht eindeutig ob 1 oder 2 Jungs. Wir hatten schon rote und blaue Farbe fürs Kinderzimmer gekauft, die wir inzwischen schon zurückgegeben haben. Das war einer der vielen vielen schmerzhaften Momente...
Ich könnte so vieles schreiben und unsere Geschichte viel ausführlicher und damit umso schmerzhafter erzählen, aber ich fürchte, dann bekomme ich keine Antwort...
Ich hoffe hier zu lernen, mit dem Schmerz umzugehen. Irgendwo hier habe ich gelesen, dass der Schmerz nie aufhört, sondern nur nachlässt. Ich denke, dass ist wirklich so, es werden immer wieder Momente kommen, die Schmerz auslösen.
Naja, ich hoffe, Antwort zu erhalten und mir hier noch viel von der Seele reden zu können.


Maria
in Trauer um 2 kleine Naubis (der Spitzname meines Verlobten)