PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hilfe, die Vergangenheit holt mich ein und ich habe Angst vor der Zukunft. Was soll werden?


melli-m.
25.04.2005, 09:00
Hallo Ihr Lieben,

seit langer Zeit verfolge ich schon diese uns auch andere Seiten. Auch ich habe ein Schmetterlings-/Sternenkind. Eigentlich war ich der Meinung, dass irgendwann Wunden heilen und dann halt "nur" noch die schönen Erinnerungen bleiben - das strampeln im Bauch und die Erinnerung an das unheimliche Glück, den kleinen Menschen in sich zu spüren. Leider wurde ich jetzt eines besseren belehrt - hört die Verzweiflung irgendwann auf?
Ich habe heute vor genau 10 Jahren erfahren, dass ich schwanger bin. Ich war im 7. Himmel. Es war mit die schönste und später auch schrecklichste Zeit in meinem Leben.
Ich habe die Kleine am 30.08.1995 verlohren. Einen Tag, den ich nie vergessen werde.
Damals habe ich beschlossen, niemals wieder in diese Situation kommen zu wollen und meinen Kinderwunsch einfach "gestrichen" und alles waas damit zusammenhängt einfach verdrängt. Das Thema Familienplanung war für mich kein Thema mehr.
Inzwischen habe ich mich allerdings einen Partner, mit dem ich mir eine gemeinsame Familie wirklich gut vorstellen könnte. Und nun kommt die Zeit, in der ich all das, was ich in den letzten Jahren verdrängt habe, wieder aufarbeiten muss. Warum sonst würde mich das jetzt so beschäftigen? Ich schlafe seit Wochen nicht mehr durch und wache nachts weinend auf. Was ist das? Bin ich nicht mehr normal? Liegt es daran, dass ich damals alles einfach weggeschoben habe und mich dann nur noch meinem Job widmete? Holt die Vergangenheit einen immer wieder ein? Hört das irgendwann wieder auf?

Zu allem Übel ist die beste Freundin meines Lebensgefährten jetzt auch noch schwanger. Sie ist gerade am Anfang und sie hat ihm erzählt, dass es sein kann, dass es doch nicht geklappt hat, weil sie Schmierblutungen hat und der Arzt sagt, dass es nicht gewachsen wäre. Es tut mir für sie so unheimlich leid... Ich versuche im Moment diesem Thema aus dem Weg zu gehen, weil ich merke, dass ich bisher alles nur verdrängt und nie verarbeitet habe...

Könnt ihr mir sagen, wie ihr es geschafft habt, irgendwann damit abzuschließen?
Alles Liebe Melli-M.

Ulrike Yannah
25.04.2005, 10:36
Liebe Melli,

ich möchte Dir gerne auf Deine Zeilen antworten, weil ich das, was Du schreibst, auch gut kenne. Der Tod meiner Tochter Rebecca lag auch schon viele Jahre zurück und ich bin damals einfach "nach-Vorne-geprescht" - habe versucht, Alles zu verdrängen. Insgesamt ist mir das auch einigermaßen gelungen, bis auf die "Jahrestage", in den Wochen davor und am Todestag meiner kleinen Tochter ging es mir immer richtig schlecht. Damit hatte ich mich eigentlich schon abgefunden, aber dann holte mich das Schicksal ganz ein (ähnlich, wie Du es beschreibst), es war so, als ob meine Psyche einfach nicht einverstanden war, wie ich das versucht habe, zu lösen. Und dann habe ich mich meiner Vergangenheit mit Rebecca gestellt.
Ich möchte Dir Mut machen, denn die wichtigsten Menschen in dieser Zeit habe ich hier in diesem Forum gefunden. Obwohl ich auch (inzwischen) einen liebevollen Partner an meiner Seite habe, konnte er das, was in mir passiert, nicht wirklich verstehen und nachvollziehen.
Mit der Unterstützung und Hilfe, die ich hier finden durfte, habe ich mich auf den Weg begeben, habe die Klinik aufgesucht, wo Rebecca tot geboren wurde, weiß heute erst um die Umstände und Hintergründe und ich hatte das große Glück, überall auf sehr viel Hilfe und Verständnis zu stoßen (anders als "Damals"), weiß inzwischen sogar, wo Rebecca liegt und darf ihr Grab (mit-)betreuen.

So möchte ich Dir auch gerne Mut schicken. Den ersten Schritt hast Du jetzt gemacht, Du hast begonnen von Dir und Deinem Sternenkind zu erzählen. Du hast hier Menschen, die Dich gut verstehen, die einiges, was Du erzählst oder fragen magst, auch erlebt haben oder schon ein wenig weiter auf dem Weg der Trauer sind und Dir vielleicht auch darum einen "guten Rat" geben können.

Liebe Melli, so möchte ich Dir ein trauriges, aber herzliches Willkommen senden.

Ulrike mit zwei einzigartigen, erwachsenen Kindern, einer wundervollen Enkelin und einem Sternen-Engel Rebecca http://www.kprkpr.de/Weihnachten/Weihnachtsbilder/Sterne/ster11.gif
[font color="#000099"][FONT FACE="Comic Sans MS"]

Andrea mit Sternchen Janin
25.04.2005, 13:31
Liebe Melli!
Ein trauriges Willkommen hier bei uns.
Ich glaube, egal wie lange es her ist, unsere Engel werden uns immer, immer fehlen. Es tut mir so leid, dass du dein Kind nicht bei dir behalten durftest.
Und ich denke, dass dieser Verlust etwas ist, das man nicht verdrängen kann, nicht auf Dauer. Wenn du bisher den Tod deines Engels nicht verarbeitet hast, dann ist vielleicht jetzt die Zeit dafür gekommen. Auch jetzt hast du jedes Recht dazu, genau wie vor zehn Jahren.
Und auch wenn deine Familienplanung bisher angeschlossen war, dann heißt das ja nicht, dass es so bleiben muss.
Die Frage ist natürlich was dein Mann dazu meint, aber ansonsten steht dem ja eigetnlich nichts dagegen. Wenn es dich beschäftigt und du es möchtest...
Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Weg!
Liebe Grüße,
Andrea mit Janin für immer im Herzen und kleinem Hoffnungsbär im Bauch