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  #1  
Alt 06.12.2017, 19:32
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Anne111 Anne111 ist offline
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Standard Mein Herzenswunsch an Biggi

Die Weihnachtszeit ist ja irgendwie auch immer eine Zeit des Wünschens. Ich versuch's mal:

So wie ein Kind mit plattgedrückter Nase am Schaufenster des Spielwarenladens steht, steh ich gewissermaßen hier und drück mir die Nase platt an diesem wunderbaren Forum, das so voller Halt, Hilfe, Verständnis und Inspiration ist. Und ich habe einen großen, dicken Herzenswunsch, der sich in erster Linie an Biggi als "Mutter der Kompanie" richtet und doch vielleicht auch andere hier anspricht.

Mein Herzenswunsch lautet: Liebe Biggi, ich bitte Dich um Trost

Trost für einen alten (schon etwas abgegriffenen) Kinderwunschhasen, der
alles ihm mögliche versucht hat, um Mama zu werden
drei Sternenkinder und keines an der Hand hat
8 Jahre lang versucht hat, die Steckverbindungen an der großen Schalttafel richtig zu verstöpseln
Silberschnüre ausgeworfen und sich mit der Laterne auf den inneren Weg dem Seelchen entgegen gemacht hat, falls es sich verirrt hat
einen Maikäfer als Transportmittel gesucht und sogar gefunden hat
gehofft, geliebt, geweint, gehadert, gesucht, gefunden und wieder verloren hat
weiß, dass die Zeit des Hoffens auf ein eigenes Kind endlich ist und
die anfangs unvorstellbare und unaushaltbare Möglichkeit, kinderlos zu bleiben, mehr und mehr anzunehmen lernt, um heil zu bleiben.

Warum bitte ich ausgerechnet Dich um Trost, liebe Biggi?
Nun, wir sind uns zwar nie persönlich begegnet, doch haben mich Deine Worte und Gedanken in diesen Jahren beständig begleitet und in einigen Situationen buchstäblich gerettet. Du hast mir das Gefühl gegeben, dass es möglich ist. Auch mir. Mit Deinen Büchern, Deinen Phantasiereisen und Deinen Beiträgen in diesem wunderbaren Forum. In dessen Tiefen ich im Laufe der Zeit so einige persönliche Schätze geborgen habe, die für mich sehr, sehr wertvoll, tröstlich und inspirierend waren (zum Beispiel die Geschichte von Leonie und dem Schneeflöckchen; hat mich übrigens zu einem eigenen Liedchen animiert). Ich durfte in diesem Forum viele, viele liebe Weggefährtinnen finden und der wechselseitige Austausch trägt und hilft und tröstet selbstverständlich auch. Keine Frage. Danke Euch allen dafür !!!

Gleichwohl: Mein Herz wünscht sich einen Trost von Dir. Vielleicht nicht nur für mich, sondern für alle Frauen, die an den Punkt kommen, an dem sie feststellen, dass sie in diesem Leben kein eigenes Kind haben werden, obwohl sie es sich so sehr gewünscht haben. Die erkennen müssen, dass es letztlich nich in ihrer Hand liegt. Die sich noch am Rand des Forums aufhalten oder schon davongeschlichen sind, weil sie letztlich nicht mehr wirklich hierher gehören. Weil die Zeit des aktiven Kinderwunsches - oder wie soll ich es nennen - vorbei ist. Oder eben bald vorbei.

Also, falls Du nochmal hier vorbeischaust und das liest - wann auch immer das sein wird: Ich würde mich sehr, sehr freuen!

Alles Liebe - Euch allen hier - und einen Sternschnuppenschleier in den Abendhimmel
Anne



Auf den Spuren des Maikäfers - den Sternchen entgegen...
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  #2  
Alt 21.12.2017, 08:41
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Biggi Biggi ist offline
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Ort: Tremmen, Brandenburg, Deutschland.
Beiträge: 3.319
Standard Von der guten Hoffnung

Ach, liebe , liebe Anne,

da triffst Du einen schmerzlichen Punkt in mir, in dir und vielen Frauen hier.
Und am liebsten würde ich mich vor einer Antwort drücken…………

Der Punkt ist: Ich kann Dich, kann Euch nicht wirklich trösten, weil ich in dieser Situation doch selbst so untröstlich bin.

Es mag ein Fehler sein, aber ich bin hoffnungsvoll und hoffe immer weiter.
Ich kann damit einfach nicht aufhören.
Tatsächlich habe ich in 28 Jahren Praxis nur ein einziges Mal aufgehört, für ein bestimmtes Kind zu hoffen. Sonst nie.

Bitte nicht falsch verstehen, damit meine ich nicht, dass Du- oder Ihr – lebenslänglich weiter hoffen sollt.
Das gilt anscheinend nur für mich selbst.

Ich meine, wie könnte ich denn meine Arbeit schaffen, OHNE Hoffnung?
Wie könnte ich einer Frau Hoffnung geben, wenn ich selbst keine mehr hätte?
Wie könnte ich denn liebevoll und feinfühlig meine Antennen ausstrecken nach einem Wunschkind, wenn ich an seiner Präsenz zweifeln würde?

Es würde nicht funktionieren.
Es würde für mich, so wie ich nun mal bin, einfach nicht funktionieren.

Würde es für Euch funktionieren?
Vermutlich ja.
Manchmal zwangsläufig.
Dann nämlich, wenn am Ende des ganzen verliebten Weges dann Euer Kind doch nicht geboren werden konnte.
Und auch immer dann, wenn man die Hoffnung zu verlieren glaubt.

Aber ist denn die Hoffnung dann wirklich, wirklich weg?
Einfach ratzekahl verschwunden?
Daran habe ich Zweifel.
Ich stelle mir vor, dass Hoffnung und Zweifel gesunde Zwillinge sind.
Oder zwei richtig gute Freundinnen am Teetisch.
Ein Paar, das nur zu zweit funktioniert.
Immer, wenn man die eine wahrnimmt, ist die andere aber dennoch da und existent.
Das bedeutet für mich: Wenn man die Hoffnung verloren hat, ist sie keineswegs verschwunden.
Sie arbeitet im Hintergrund weiter.
Und ich erkenne das an, egal, wie verzweifelt jemand zu sein scheint.
Das ist keine Kopfentscheidung.
Eher anders herum: So fühlt sich das für mich an und ich versuche nur, das zu erklären.
Ein Bild eben, das es in mir gibt.
Und ich greife hier nicht wirklich ein.
Ich sage weder: nu hör mal langsam auf zu hoffen.
Ich sage auch nicht, nu hoff mal weiter.
In der einen wie der anderen Situation setze ich mich daneben, und fühle mit,
fühle dorthin, wo mein Gegenüber eben gerade ist. Nicht mehr, nicht weniger.
Und wenn irgendwo der Zweifel ganz groß ist, dann hoffe ich auf die Hoffnung.
So sieht das mein Herz.

Was sagt der Kopf? Der Kopf sagt ja immer soooo viel, meiner auch.
Ein wichtiger Gedanke ist mir hier: Wie traurig wäre es, wenn jemand schlussendlich kein eigenes Kind hat,
den Weg zum Kind auch noch ohne Hoffnung gegangen wäre?
Es wäre megatraurig.
Und es kommt mir nicht richtig vor.

Hoffnung ist etwas Schönes.
Hoffnung tut uns gut.
Und Hoffnung ist nicht realistisch.
Hoffnung ist ein supersüßer Tagträumer.
Und ein Geschenk.

Von meiner Oma habe ich einst gelernt, dass aus Hoffnung Sehnsucht wird.
Und aus Sehnsucht Liebe.

Als ich längst mehrfache Mutter war, fragte ich sie eines Tages:
„Sag mal, Omi, hört das eigentlich nie auf? Das mit der Sehnsucht nach einem Kind?
Will man denn immer noch eines haben, auch wenn man eigentlich schon genug hat?
Oder eigentlich nicht mehr jung genug für noch ein Kind ist?
Dieser Pieks im Herzen, geht der eines Tages mal weg?“

„Nein“, sagte sie da prompt und resolut.
„Der Pieks geht nie weg. Der bleibt für immer.
Ich habe den auch immer noch, nur, dass es eben nicht mehr geht“.

Da war sie weit über 90 Jahre alt.
Und sie lachte.
Und ihr Gesicht wurde ganz weich.
Ihre Augen blickten in die Ferne und sie sah vollkommen verliebt aus.
Verliebt in ihre eigenen Kinder und alle anderen Kinder zugleich, auch die, die sie nicht haben konnte.
Und ihre Liebe dorthin kam mir unglaublich umfassend vor.

Da habe ich gelernt, dass diese Sehnsucht LIEBE ist.
Ich habe verstanden, dass Hoffnung uns zur Liebe führt.
Das vermag sie auch dann, wenn sie sich nicht erfüllt.
Oder, wenn sie sich anders erfüllt, als wir wünschten.

Die Sehnsucht bleibt.

Und sie kann eines Tages unser Gesicht weich machen und unseren Blick in die Ferne schweifen lassen,
hin vielleicht auch zu Wünschen, die sich nie erfüllten, die wir im Herzen aber dennoch immer weiter lieben.

Ich wünsche Euch eine besinnliche Weihnachtszeit

Biggi


Birgit Zart

http://www.kinderwunschhilfe.de

Von mir ausgebildete Therapeuten in Eurer Region findet Ihr hier:
http://www.die-fruchtbarkeitsmassage.de

Auch auf Facebook könnt Ihr mich finden:
Kinderwunschhilfe Birgit Zart
sowie
Die Fruchtbarkeitsmassage- das Original nach Birgit Zart
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  #3  
Alt 21.12.2017, 09:31
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Anne111 Anne111 ist offline
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Beiträge: 306
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Liebe Biggi,

normalerweise geh ich garnicht so früh am Tag an den Rechner - doch heute hatte ich so ein Gefühl... und hab mich sooo gefreut, Deine Antwort zu finden!

Vielen lieben Dank für Deine Zeilen - gerade auch, weil Du Dich am liebsten davor gedrückt hättest . Deine Gedanken bedeuten mir viel und SIND mir ein Trost, auf ihre Weise. Das Bild der Hoffnung und des Zweifels als zusammengehörende Zwillinge gefällt mir sehr. Fühlt sich stimmig an und hilft auch, milde mit mir selbst zu sein, wenn der Zweifel mal die Oberhand gewinnt. Die Hoffnung ist trotzdem da. Das ist beruhigend.

Weißt Du, ich hoffe auch immer weiter - so lange mein Körper noch seinen Zyklus hat, hoffe ich - und es gibt Monate, in denen ich denke "ooooh ja - dieses Mal fühlt es sich wirklich so an als ob...". Und dieses Gefühl ist herzerwärmend, golden und zuckersüß. Und ich gestehe es mir zu, mich für kurze Zeit dort hinein zu versenken und ganz glücklich und dem Seelchen nah zu sein. Leider, leider, leider ist es nun schon seit 4 Jahren immer bei diesem Gefühl geblieben - in meinen Bauch ist kein Kind mehr eingezogen.

Die Beschäftigung mit dem Kinderlos-Bleiben ist für mich wichtig als Überlebensstrategie - dass heißt aber nicht, dass ich nicht weiter hoffe. Es passiert beides gleichzeitig in mir. Was allerdings auch anstrengend ist. Doch ich lerne nach wie vor, das anzunehmen, was ist und was in mir vorgeht, möglichst ohne zu werten oder alles steuern zu wollen...

Gleichwohl - Deine Worte helfen mir dabei, noch einmal meinen Mut zusammenzunehmen, die Hoffnung und die Sehnsucht VOLL zuzulassen und den Seelchen auf der Himmelsblumenwiese einen dicken, warmen Glitzerstrahl aus meiner Körpermitte hinaufzuschicken - der den Weg und die Möglichkeit weist: ich bin da - komm, wenn Du magst - doch am besten beeil Dich ein bißchen - und lass mich wissen, wie ich Dir noch helfen kann

Liebe, liebe Biggi - von Herzen Danke!
Dir und Euch allen hier auch von mir wunderschöne und gerne auch ein bißchen magische Weihnachten.

Alles Liebe
Anne

P.S. Die Geschichte Deiner Omi ist rührend und schön. Auch ein bißchen tröstlich, dass selbst mehrfache Mütter diese Sehnsucht noch verspüren. Das verbindet uns dann doch auch alle miteinander.

Auf den Spuren des Maikäfers - den Sternchen entgegen...
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